+++ Herzlichen Glückwunsch an Ewe Benbenek und Nino Haratischwili
Die Stücke 2022 finden vom 7.–28.5.2022 statt. +++

Stücke

  Sie selbst hat den weinroten Reisepass seit der Geburt, ihre Eltern dagegen mussten sich ins Land mit den Niedriglohnsektoren erst rein arbeiten. Und die Großmutter? Die lebt noch in Polen und stellt so nervige Frage wie die, ob es einen Mann an ihrer Seite gibt. Ewe Benbenek, die in Frankfurt an der Oder, London und Erfurt Kultur- und Politikwissenschaften studierte, könnte selbst diejenige sein, die sich fragt, ob sie ein so viel freieres Leben führt wie ihre Eltern. In der Uraufführung ist ... weiterlesen
Bevor sie irgendwann ganz verschwindet, wäre es schön, wenn sie noch einmal richtig sichtbar werden könnte. Also lässt die Frau, der Sibylle Berg bereits drei Theatertexte gewidmet hat, alles raus, was sie schon immer sagen wollte. Dass Frauen nicht wirklich scharf auf Bauarbeiter sind und sie nicht versteht, warum ihre Tochter so anders ist, als sie selbst einmal war. Sebastian Nübling hat die sarkastische Lebensbilanz einer noch ziemlich lebendigen Frau als Ladyquartett inszeniert. Anastasia ... weiterlesen
Vier ehemalige Schulfreundinnen und Schulfreunde um die vierzig – intellektuelles, tendenziell kosmopolitisches Milieu – haben endlich mal wieder Zeit für einen gemeinsamen Abend gefunden. Esthers Kochkünste werden gelobt, frühere Flirts reaktiviert und Nachwendeerfahrungen memoriert. Bis unter exzessivem Weingenuss sorgsam verborgene Abgrenzungstendenzen zutage treten: Ein ausgeprägtes „Wir-Die“-Bewusstsein zeigt sich, teilweise bis hin zum Rassismus. Schnell entwickelt sich Thomas Freyers ( ... weiterlesen
Rainald Goetz’ Königsdrama steigt hinab in die US-Demokratie nach dem 11. September. Dort wird im (Un-)Geist Carl Schmitts der Ausnahmezustand genutzt, um die Befugnisse des Staates auszuweiten. Die Misshandlungen von Abu Ghraib stehen im Windschatten eines nicht minder monströsen Zynismus: Karrierejustiz, narzisstische Politik und Bürokratie zimmern Krieg und Folter die Bühne. Goetz führt Machtmechanismen anhand eines böse komischen Figurenbestiariums vor, amalgamiert dazu US-Politiker und - ... weiterlesen
In der Märchenwelt der Brüder Grimm herrscht ausgleichende Gerechtigkeit – und eine sehr klare Vorstellung über Männer- und Frauenrollen: Von den Stiefschwestern gemobbt und von der Stiefmutter gedemütigt, bekommt das fleißige, sittsame Aschenputtel am Ende den reichen Prinzen. Zweihundert Jahre später, bei Rebekka Kricheldorf, stellt sich die Lage nicht nur deutlich komplexer, sondern auch um ein Vielfaches lustiger dar. Souverän nimmt die Dramatikerin den Topos vom Sozialaufstieg durch Heirat ... weiterlesen
Waren Sie live dabei, als RTL vor 20 Jahren die neue Fernsehrealität erfand? Wenn nicht, kriegen Sie jetzt einen Eindruck, was „Big Brother“ mit hundskommunen Menschen macht, die sich wochenlang in einen Wohncontainer sperren und abfilmen lassen. Der Basler Theatermacher Boris Nikitin hat am Staatstheater Nürnberg eine Art Reenactment der legendären Reality-Show angezettelt – zum Beweis, dass mit diesem Format gleichsam die Ursuppe populistischer Querdenkerei angerührt wurde. So ereifert sich ... weiterlesen
Im Herbst 1980 detonierte eine Bombe in München. Ausgerechnet im Oktoberfestgetümmel. Schlimmeres hat rechter Terror seit 1945 nicht verbrochen, gründlicher hat der deutsche Staatsschutz selten versagt. Die Münchner Kammerspiele rekonstruieren „Das Oktoberfestattentat“ aus der Opferperspektive. Autorin Christine Umpfenbach hat Überlebenden in Interviews zugehört und legt deren Aussagen dem Ensemble dokumentarisch in den Mund. Zur Qualität dieser lupenreinen Stückrecherche trägt bei, dass man ... weiterlesen