Es beginnt als Beziehungsstudie: Schriftstellerin Olivia ist genervt von den folgenlosen Künstlerfantasien ihres Freundes Popeye, und frustriert, weil er keines ihrer Bücher liest. Auch das Sexleben der beiden scheint eher einseitig. Dann kommt auch noch Olivias Verhältnis zum eigenen Körper ins Spiel, einschließlich Vaginalgeruch und animalischer Ekstasen. Autorin Sivan Ben Yishai will der tief verwurzelten Körperscham vieler feministisch denkender Frauen auf die Spur kommen, wie auch der ... weiterlesen
Ein Dreckspfau, der den privilegierten Spatz beschimpft, eine Sumpfmeise, die „das Männchenhafte“ abzustreifen versucht, eine esoterische Pute, die ihre Klienten asbestvergiftet, eine Taube, die sich vom Campingplatz in ein Barockschloss träumt: Die Tierfabel ist zurück! Jedes der sieben Minidramen, die Caren Jeß unter der Überschrift „Bookpink“ (plattdeutsch für Buchfink) zusammenfasst, ist ein funkelndes Kunstwerk, das je eigenen Konstruktionsregeln gehorcht und eine eigene Sprache spricht. ... weiterlesen
Was darf die Kunst? Wer kann über – und für – wen sprechen? Wo verlaufen Grenzen des Darstellbaren? Es ist die zentrale Debatte des Kulturbetriebs, die Thomas Melle in seinem Stück „Ode“ auf die Bühne bringt: Von rechts wird die Freiheit der Kunst durch Forderungen nach Werktreue und einem nationalen Kanon bedroht. Von links sieht sich die Kunst mit Repräsentationsfragen und Vorwürfen kultureller Aneignung konfrontiert. Darf ein weißer Schauspieler – so eines der Beispiele, die hier in ... weiterlesen
Weiß ist eine harte Farbe. Vor allem blendendes Weiß. Das Münchner Residenztheater wählt für die Uraufführung von Ewald Palmetshofers Drama „Die Verlorenen“ einen maximal ausgeleuchteten Guckkasten. Das ist kein Ort für Ausflüchte. Kein Versteck, nirgends. Hier treffen wir Geschiedene, Gescheiterte. Und wir treffen Clara, Anfang 40, die soeben an der Tür ihres Ex-Manns Harald schellt. Clara eröffnet Harald und seiner Neuen, dass sie sich eine Auszeit von allem nimmt – und damit auch von der ... weiterlesen
Das Mädchen ist völlig verstört, seine Gastgeber reagieren aber auch dann noch kalt und herzlos, wenn die zehnjährige Emulie unbedingt von ihrer Mutter abgeholt werden will. Bonn Park hat ein Stück geschrieben und inszeniert, das so ungerührt ins Herz der netten deutschen Mitte zielt, dass man sich fragt, ob nicht genau dort der Echoraum angesiedelt ist, der den anschwellenden Bocksgesang vom rechten Rand der Republik verstärkt. „Das Deutschland“ ist eine isolierte Familienhölle mit Menschen, ... weiterlesen
Ein Männerabend. Aber Entwarnung: kein toxischer! Weder von Alphatier-Machos gemacht, noch für solche gedacht. Sondern es sind Söhne, die hier über ihre Väter sprechen: schwule Söhne, Migrantensöhne, fünf wütende, liebende, sich schämende, grämende, sehr persönlich sich ins Zeug legende Schauspieler, deren Erinnerungen an den eigenen Vater sich zu einem Gesellschaftsbild der Bundesrepublik Deutschland fügen. Kriegstraumata, Gastarbeiterschicksale, Lebenslügen. Väter, die schweigen, die streng ... weiterlesen
Der Ex-Klima-Aktivist Peter Vogel darf sich glücklich schätzen. Er lebt in einer ökologisch korrekten Welt der nahen Zukunft mit einer „intimen künstlichen Intelligenz“ zusammen; einer „IKI“, die besser weiß, was gut für ihn ist, als er selbst. Nur: Wie lange dauert es, bis das Durchschnittsmodell Mensch vor den Algorithmen der Maschine kapitulieren muss? Und bis „IKI“ ersetzt wird durch „UKI“, eine „universelle künstliche Intelligenz“, die vom gemeinen Human-Hirn gar nicht mehr steuerbar ist? ... weiterlesen
Die raffiniertesten Steuerhinterzieher*innen sollen ja dort sitzen, wo Steuerhinterziehung eigentlich ermittelt werden sollte. Im Finanzamt. Elfi und Reiner zum Beispiel sind ein Ehegattensplitting-Paar, das sehr genau weiß, wie man das mit dem Arbeitszimmer deichselt. Das Gartenhäuschen bietet sich an! Im Finanzamt selbst schieben sie eine ruhige Kugel, wurden von Felicia Zeller aber derart mit pointierten Dialogen und Wortwitz ausgestattet, dass sie auf keinen Fall so langweilig sind, wie wir ... weiterlesen