Wer ist zu den 51. Mülheimer Theatertagen eingeladen? Die Nominierten für den Mülheimer Dramatikpreis 2026 und den Mülheimer KinderStückePreis 2026 auf einen Blick: Sarah Heppekausen, Sprecherin des „Stücke“-Auswahlgremiums, stellt Ihnen hier die Autor*innen und Stücke vor. Dora Schneider, Sprecherin des „KinderStücke“-Auswahlgremiums gibt Ihnen hier eine Übersicht über alle Kinderstücke und die Autor*innen.
Zwei Schwestern, eine Diagnose – gestellt von „Menschen der Sorte Arzt“: sie seien keine „richtigen Menschen“, sondern „Automaten“. Anna Behringer zeichnet in ihrem Stück die Eindrücke und Empfindungen neurodiverser Personen auf. Dafür nimmt sie konsequent die Perspektive der Geschwister ein, denen „normales“ Verhalten stets ab- und „falsche“ Gefühle zugesprochen werden. Eine Seelenschau in Versform hat die Autorin geschrieben. Eine, die Stiche setzt ins normative Herz unserer Gesellschaft. ... weiterlesen
Flapsig erzählt Eddie von seinem Leben im Hochhaus: von Herrn Taniwa, seiner Familie und von Ommi, die weiß, dass heute um 03.34 Uhr ein Feuerball auf die Erde knallt. Nur interessiert das keinen. In Eddies Leben knallt es immer wieder, auch in der Familie. Im Krankenhaus sagt man besser, man sei von der Schaukel gefallen. Zur Belohnung gibt’s trotzdem Eis. Herzzerreißend, wie Eddie sich eine Normalität herbeiredet, die er nicht hat: ein sicheres Zuhause voller Geborgenheit. Nach einer erneuten ... weiterlesen
Beim Tischtennis haben Ari und Flo Freundschaft geschlossen. Nach den Ferien wollen sie zusammen auf die weiterführende Schule. Nun sitzt Flo allein in der Klasse. Ari ist an Herzverssagen gestorben. Nur weiß die Lehrerin von Aris Tod noch nichts, und Flo bringt es nicht über die Lippen. Er behauptet, Ari sei in den Olympia-Kader aufgenommen worden, dort trainiere man ihn zum Tischtenniscrack. Ein Lügenkonstrukt, aus dem er so leicht nicht wieder herauskommt. Gekonnt wechselt Dorian Brunz ... weiterlesen
An äußerer Handlung passiert nicht viel in Arad Dabiris „DRUCK!“ außer Auf-der-Parkbank-sitzen und quatschen, auf ein Gerichtsurteil warten und noch eine Demo organisieren, die – Reizthema Migrationspolitik – leider böse aus dem Ruder läuft. Trotzdem bleibt es dank der vier gut geerdeten Jungs und nicht zuletzt Schwester Shirin immer spannend. Als Frau muss sie noch ein bisschen pragmatischer und tougher sein als die vier. Mit Diskussionen über Integration oder mit kulturellen Heimatgefühlen ... weiterlesen
Fels, Wald und Wolken, ein Flecken Erde. Darauf, wie angespült, liegt reglos ein nackter Mann. In diesem musealen Kunstidyll tauchen drei sehr heutige Wesen auf. Das ist der Chor der Meerjungraun. Ohne f, weil genderfluide Mischwesen, aber schicksalsverwandt mit Andersens Märchennixe, denn auch die Raun sind gestrandet in Gegebenheiten, die ihrer nonbinären Natur widersprechen. Aus Liebe streben sie nach Anpassung. Aus Anpassung entsteht Schmerz. Und aus dem Schmerz entsteht bei Kim de l’ ... weiterlesen
Das erste Theaterstück des Kunstkollektivs Frankfurter Hauptschule greift zwei ikonische Werke des Multikünstlers Kippenberger auf: Sein Buch „241 Bildtitel zum Ausleihen für Künstler“ (1984) und sein Gemälde „Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz erkennen“ (1984) – ein Bild voller in sich verkeilter kreuzförmiger Flächen. Aus beiden Anregungen machen die Frankfurter mit Referenz an die genialen Blödeleien der Neuen Frankfurter Schule 482 mögliche Werktitel, meist Oneliner zwischen ... weiterlesen
Tiere spielen in den von lakonischem Witz und kritischer Weltoffenheit geprägten Stücken der norddeutschen Dramatikerin Caren Jeß (geb. 1985) öfter eine Rolle. „Bookpink“, das zu den 45. Mülheimer Theatertagen eingeladen war, war eine Sammlung von Vogel-Fabeln, mit „Die Katze Eleonore“ gewann sie 2023 den Mülheimer Dramatikpreis. Aaron, Held des jüngsten Jeß-Dramas „To My Little Boy“, kann sich auch als Erwachsener nicht von seinem Plüschschwein trennen. So gut er als Geologe über den prekären ... weiterlesen
Wo ist Olm? Olm, mit dem Melek und Noa seit jeher gespielt haben. Als letztere herausfinden, dass er sich in seinem Zimmer buchstäblich vergräbt, beschließen sie, ihn in den Untiefen zu suchen. Das Ziel: Zwischen Rattenkönig und Riesenmaulwurf gemeinsam wieder den Weg an die Oberfläche finden. Die 1994 in Köln geborene Autorin, die nach ihrem Studium des Kreativen Schreibens in Hildesheim Prosa- und Dramentexte verfasst, legt mit „Buddeln“ ein so rasantes wie ergreifendes Drama vor, das ... weiterlesen
Kennen Sie Philipp Auerbach? Der Mann überlebte den Holocaust und wurde nach dem Krieg zum Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte in Bayern ernannt. Als Idealist versuchte er, jüdisches Leben wieder in Deutschland zu etablieren. Nach seinem Suizid 1952 geriet er in Vergessenheit, und dort bliebe er wohl, hätten die Münchner Kammerspiele nicht bei dem Israeli Avishai Milstein ein Stück über ihn bestellt. Milstein, Jahrgang 1964, ist ein alter Theaterhase. Er hat in ... weiterlesen
Im Vorjahr war der ostdeutsche Autor Lukas Rietzschel (geb. 1994) mit „Das beispielhafte Leben des Samuel W.“ für die Mülheimer Theatertage nominiert; das Doku-Drama über einen rechtsextremen Politiker basierte auf Interviews. Für sein neues Stück war Tschechows Komödie „Der Kirschgarten“ die Vorlage. Aus einem russischen Landgut wird ein baufälliges Häuschen in der deutschen Provinz, das verkauft werden soll. Die Kinder und Enkel sind aus der Großstadt angereist, um den Vertrag zu ... weiterlesen
Ein Radieschen sei sie, alternativ ein Fußball oder Hühnerei, da sie eine Glatze hat. Um mit der Krebserkrankung ihrer Mutter umzugehen, bedient sich Zizi reichlich ihrer Fantasie. Wo keine Haare mehr wachsen, entstehen eben Bilder. Und so hat Simone Saftig, die neben ihrem Dasein als Dramatikerin auch als Literaturwissenschaftlerin und Kulturjournalistin tätig ist, ein ganzes Stück über Haare verfasst. Ein Text, der in weiten Teilen auch an ein Gedicht erinnert. Dass Sprache darin eine ... weiterlesen
Auf dem Schulhof fühlt sich Bo wie ein Fremdkörper. Anstatt mit den Kindern die Pause zu verbringen, schaut Bo dem Treiben vom Schulhofrand aus zu und wünscht sich zurück ins eigene Zimmer, das so klein ist, dass nur ein Bett hineinpasst. Das Wimmelbuch, das Bo zum Geburtstag bekommt, findet Bo kindisch. Doch da entdeckt das Geburtstagskind sich selbst auf dem Bild, und das Buch erwacht zum Leben. Leah Luna Winzely lässt die Kraft der Fantasie spielen, um sich mit Einsamkeitserfahrungen ... weiterlesen