7+
  Nanina ist zum ersten Mal mit einem Flugzeug geflogen, sogar in ein anderes Land. Dafür hat sie einen Pass bekommen. Aber kann man mit einem Pass schon fliegen? Und was sind Grenzen, die man nicht sieht? Wo sind die? Im Flughafen hat sie auch Dodo kennen gelernt, die offenbar immer dort bleiben muss oder will – im Transit zwischenGrenzen. Dodo bezeichnet sich als Kosmopolitin, überall zuhause. Nanina meint, Dodo ist Kosmospilotin, die überall hinfliegt. Das ist alles so aufregend, dass Nanina ... weiterlesen
Am Hafen mit Vogel von Anah Filou / Foto: Jan Bosch
    Das Mädchen ist völlig verstört, seine Gastgeber reagieren aber auch dann noch kalt und herzlos, wenn die zehnjährige Emulie unbedingt von ihrer Mutter abgeholt werden will. Bonn Park hat ein Stück geschrieben und inszeniert, das so ungerührt ins Herz der netten deutschen Mitte zielt, dass man sich fragt, ob nicht genau dort der Echoraum angesiedelt ist, der den anschwellenden Bocksgesang vom rechten Rand der Republik verstärkt. „Das Deutschland“ ist eine isolierte Familienhölle mit ... weiterlesen
Das Deutschland von Bonn Park / Foto: Martin Kaufhold
    Ein Dreckspfau, der den privilegierten Spatz beschimpft, eine Sumpfmeise, die „das Männchenhafte“ abzustreifen versucht, eine esoterische Pute, die ihre Klienten asbestvergiftet, eine Taube, die sich vom Campingplatz in ein Barockschloss träumt: Die Tierfabel ist zurück! Jedes der sieben Minidramen, die Caren Jeß unter der Überschrift „Bookpink“ (plattdeutsch für Buchfink) zusammenfasst, ist ein funkelndes Kunstwerk, das je eigenen Konstruktionsregeln gehorcht und eine eigene Sprache ... weiterlesen
Bookpink von Caren Jeß / Foto: Stella
    Weiß ist eine harte Farbe. Vor allem blendendes Weiß. Das Münchner Residenztheater wählt für die Uraufführung von Ewald Palmetshofers Drama „Die Verlorenen“ einen maximal ausgeleuchteten Guckkasten. Das ist kein Ort für Ausflüchte. Kein Versteck, nirgends. Hier treffen wir Geschiedene, Gescheiterte. Und wir treffen Clara, Anfang 40, die soeben an der Tür ihres Ex-Manns Harald schellt. Clara eröffnet Harald und seiner Neuen, dass sie sich eine Auszeit von allem nimmt – und damit auch von der ... weiterlesen
Die Verlorenen von Ewald Palmetshofer / Foto: Birgit Hupfeld
    Ein Männerabend. Aber Entwarnung: kein toxischer! Weder von Alphatier-Machos gemacht, noch für solche gedacht. Sondern es sind Söhne, die hier über ihre Väter sprechen: schwule Söhne, Migrantensöhne, fünf wütende, liebende, sich schämende, grämende, sehr persönlich sich ins Zeug legende Schauspieler, deren Erinnerungen an den eigenen Vater sich zu einem Gesellschaftsbild der Bundesrepublik Deutschland fügen. Kriegstraumata, Gastarbeiterschicksale, Lebenslügen. Väter, die schweigen, die ... weiterlesen
In my Room von Falk Richter / Foto: Ute Langkafel MAIFOTO
    Die raffiniertesten Steuerhinterzieher sollen ja dort sitzen, wo Steuerhinterziehung eigentlich ermittelt werden sollte. Im Finanzamt. Elfi und Reiner zum Beispiel sind ein Ehegattensplitting-Paar, das sehr genau weiß, wie man das mit dem Arbeitszimmer drechselt. Das Gartenhäuschen bietet sich an! Im Finanzamt selbst schieben sie eine ruhige Kugel, wurden von Felicia Zeller aber derart mit pointierten Dialogen und Wortwitz ausgestattet, dass sie auf keinen Fall so langweilig sind, wie wir ... weiterlesen
Der Fiskus von Felicia Zeller / Foto: Joseph Ruben
8+
  Zonka, eine ausgediente künstliche Intelligenz, hat sich in einen Hohlraum unter der Erde retten können. Dort türmen sich Unmengenvon Elektroschrott. Zonka baut sich daraus ihre eigene Welt. Aber vor allem erschafft sie damit ihren geliebten Freund Schlurch. Mit ihm spricht sie eine eigene Sprache, mit ihm erfindet sie Maschinen, die nur in ihrer Phantasie funktionieren, mit ihm kann sie endlos träumen. Es geht ihnen gut, bis eines Tages ein Mensch in ihrer Höhle auftaucht. Er befeuert ... weiterlesen
Zonka und Schlurch von Finn-Ole Heinrich und Dita Zipfel
9+
  Lisa fühlt sich schuldig am Tod ihrer Mutter. Und sie glaubt, dass ihr Vater unter ihrer Anwesenheit leidet, weil sie ihn an den tragischen Verlust erinnert. Also bewirbt sie sich heimlich für ein Internat. Da sie befürchtet, aufgrund der Familienkonstellation – alleinerziehender Vater plus dementer Großvater – nicht aufgenommen zu werden, engagiert sie eine Schauspielerin und einen Schauspieler. Die sollen während des Hausbesuchs der Rektorin ihre Eltern spielen – und Lisa noch einmal spüren ... weiterlesen
Familie auf Bestellung von Holger Schober / Foto: Christian Kleiner
9+
  Finn, acht Jahre alt, erlebt nachts den Besuch seiner älteren Schwester Lucy, die bei einem Ski-Unfall ums Leben kam. Die Eltern sind besorgt. Leidet Finn unter dem Verlust so sehr, dass er kein normales Kind mehr sein kann? In Lucys Zimmer soll ein anderes Kind einziehen: Ahlam, ein zwölfjähriges Mädchen, das als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist und nicht weiß, wo seine Eltern sind. Finn verteidigt zunächst das Zimmer seiner Schwester, findet dann aber heraus, dass Ahlam genauso wie ... weiterlesen
Wer nicht träumt ist selbst ein Traum von Jens Raschke / Foto: Sebastian Hoffmann
    Der Ex-Klima-Aktivist Peter Vogel darf sich glücklich schätzen. Er lebt in einer ökologisch korrekten Welt der nahen Zukunft mit einer „intimen künstlichen Intelligenz“ zusammen; einer „IKI“, die besser weiß, was gut für ihn ist, als er selbst. Nur: Wie lange dauert es, bis das Durchschnittsmodell Mensch vor den Algorithmen der Maschine kapitulieren muss? Und bis „IKI“ ersetzt wird durch „UKI“, eine „universelle künstliche Intelligenz“, die vom gemeinen Human-Hirn gar nicht mehr steuerbar ... weiterlesen
IKI. radikalmensch / Foto: Jörg Landsberg
    Es beginnt als Beziehungsstudie: Schriftstellerin Olivia ist genervt von den folgenlosen Künstlerfantasien ihres Freundes Popeye, und frustriert, weil er keines ihrer Bücher liest. Auch das Sexleben der beiden scheint eher einseitig. Dann kommt auch noch Olivias Verhältnis zum eigenen Körper ins Spiel, einschließlich Vaginalgeruch und animalischer Ekstasen. Autorin Sivan Ben Yishai will der tief verwurzelten Körperscham vieler feministisch denkender Frauen auf die Spur kommen, wie auch der ... weiterlesen
Liebe / Eine argumentative Übung von Sivan Ben Yishai und Maren Kames / Foto: Hans Jörg Michel
    Was darf die Kunst? Wer kann über – und für – wen sprechen? Wo verlaufen Grenzen des Darstellbaren? Es ist die zentrale Debatte des Kulturbetriebs, die Thomas Melle in seinem Stück „Ode“ auf die Bühne bringt: Von rechts wird die Freiheit der Kunst durch Forderungen nach Werktreue und einem nationalen Kanon bedroht. Von links sieht sich die Kunst mit Repräsentationsfragen und Vorwürfen kultureller Aneignung konfrontiert. Darf ein weißer Schauspieler – so eines der Beispiele, die hier in ... weiterlesen
Ode von Thomas Melle / Foto: Arno Declair
6+
  Die Bühne ist ein Versuchsraum. In der Mitte hängt eine Tafel Schokolade. Drei Personen sollen die Schokolade gerecht unter sich verteilen. Eine scheinbar einfache Aufgabe, die sich schnell zu einer Herausforderung auswächst. Denn so unterschiedlich die Personen, so unterschiedlich ihre Vorstellung von Gerechtigkeit, so schwierig ist es, gemeinsame Regeln zu finden und die eigenen Bedürfnisse zumäßigen.Ein clowneskes Spiel, das zeigt, wie die Mechanismen ungerechter Verteilung schon im ... weiterlesen
Schokolade von Tina Müller / Foto: Tanja Dorendorf