Mala Zementbaum



Der Fall ging durch die Presse. Vor einem Jahr outete sich der Schauspieler Thomas Lawinky freiwillig als Stasi-IM, nachdem er kurz zuvor im Zuge der ‚Spiralblockaffäre’ – Lawinky entriss dem Kritiker Gerhard Stadelmaier von der Bühne herab sein Arbeitsgerät – auf medienwirksame Weise aus seinem Engagement geflogen war. Dabei hatte er als Jugendlicher mit allen– auch gewaltsamen – Mitteln gegen den Staat rebelliert und war nach einem gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR im dortigen Jugendknast schweren Misshandlungen ausgesetzt gewesen. Auf der Basis einiger Elemente der Biografie von Thomas Lawinky sowie eigenen Erfahrungen aus seiner Jugend in der DDR hat Armin Petras (diesmal nicht unter seinem Autoren-Pseudonym Fritz Kater) ein Stück geschrieben, das sich auf komplexe Weise mit Fragen nach Schuld und Verantwortung, nach Täter- und Opferschaft und der Konstruktion von Wahrheit auseinandersetzt. Jahre nach der Wende treffen sich der ehemalige Stasi-Führungsoffizier Kevin und sein damaliger Schützling Homer wieder, anscheinend in einer Art Versuchslabor zur Erforschung autoritärer Machtmechanismen. Es könnte aber auch sein, dass sie sich bereits mitten in einem neuen Einsatz im Auftrag eines privaten Sicherheitsdiensts befinden. Ein geheimnisvoller dritter Mann zieht die Fäden, und eine verfolgte Frau erzählt ihre eigene Version der Geschichte von der Jüdin Mala Zementbaum, die aus dem KZ floh und verraten wurde...
Silvia Stammen

Uraufführung: 
9. Februar 2007

Homer: Gunnar Teuber
Kevin: Thomas Lawinky
Mann: Robert Kuchenbuch
Frau: Iringó Réti
Regie: Milan Peschel
Bühne und Kostüme: Moritz Müller

Stückabdruck: 
Stückabdruck in Theater heute, 2/2007