Wörter und Körper

Foto: Sonja Rothweiler



Wörter und Körper: Das sind die wesentlichen Bestandteile des Theaters. Wobei es immer dann interessant wird, wenn zwischen den Wörtern und den Körpern Ungereimtheiten entstehen. Martin Heckmanns’ „Wörter und Körper“ ist eine Serie von solch kleinen, aber entscheidenden Schräglagen. Im Zentrum des Stücks steht die 38-jährige Lina Sommer, die aus irgendeinem Grund ein bisschen aus der Spur geraten ist. Neuerdings fehlen ihr manchmal, im wahrsten Sinn des Wortes, die Worte. Und auch die gesellschaftlichen Konventionen scheint sie einfach vergessen zu haben. In einer Boutique stellt sie fest, dass sie kein Geld dabei hat. Kann passieren. Aber Lina begreift nicht, dass sie die ausgesuchten Teile erst mitnehmen darf, wenn sie bezahlt hat. Oder sie besucht überfallsartig eine entfernte Verwandte, lädt sich ungeniert zum Abendessen ein – und beendet mit einem einzigen Satz eine Ehe. Auch die Menschen, denen Lina Sommer auf ihrem Parcours durch Wörter und Körper begegnet, nehmen den Alltag nicht als selbstverständlich hin. Da beginnt einer auf der Straße mit einem Wildfremden ein Gespräch, bei dem es nur darum geht, was das denn eigentlich ist: ein Gespräch. Ein anderer überrascht einen Passanten mit der Frage, ob „der Zusammenhang“ schon angefangen habe. Es passiert nichts wirklich Dramatisches in diesem Stück, der Tonfall ist heiter. Aber die Komik des Textes ist nicht harmlos. Die Wörter und die Körper, sie wollen nicht mehr ganz zusammen kommen.
Wolfgang Kralicek

Uraufführung: 
10. Februar 2007

Mit: Susana Fernandes Genebra, Jonas Fürstenau, Bernd Gnann, Gabriele Hintermaier, Ernst Konarek, Boris Koneczny, Sebastian Kowski, Peter Loth, Katharina Ortmayr, Sebastian Schwab, Anna Windmüller
Regie: Hasko Weber
Bühne: Mathis Neidhardt

Stückabdruck: 
Stückabdruck in Theater der Zeit, 2/2007