Liebe ist kälter als das Kapital

Foto: David Graeter
Foto: David Graeter
Foto: David Graeter

von René Pollesch

Stücke 2008

Schauspiel Stuttgart

Es geht um die „Beeindruckungsmaschine", die das Theater ist – und um die Schauspieler, die ihr vergeblich zu entkommen trachten. Ein altes Pollesch-Thema, in „Liebe ist kälter als das Kapital" wird es miterhellender Verzweiflungskomik und rasenden Gedanken-Loops neu durchgespielt.
Da proben also fünf Schauspieler unter schönstem Slapstick-Einsatz ein Stück, und immer wenn sie aus der bürgerlichen Theaterkulisse nach hinten abtreten, sind sie mitten in den Dreharbeiten zu einem Film. Wie soll da einer sein Gefühl für die Wirklichkeit bewahren, wenn er sie dauernd repräsentieren muss? Was ist überhaupt noch real, und gibt es ein wahres Leben im Theater? Der mediale Inszenierungsdruck produziert Hysterie („Dieses Multitasking halte ich auf Dauer nicht aus!") und die Sehnsucht nach Widerstand: „Ich will mein Nein kalt aus der Hüfte schießen, ohne Dienst an dem großen Ja!" Doch Rebellion ist kaum möglich. In Anlehnung an eine Szene aus John Cassavetes´ Film „Opening Night" weigert sich eine Schauspielerin, sich ohrfeigen zu lassen, obwohl ihre Rolle es verlangt. Also muss sie diszipliniert werden: „Es ist nun mal Tradition. Schauspieler werden geschlagen!“
Ohrfeigen gibt es in dieser Inszenierung dann jede Menge – handfeste wie rhetorische. Auch die RAF kriegt welche ab, denn das Stück entstand im Rahmen der Stuttgarter Projektwoche „Endstation Stammheim". Doch der Terror der Pose, auf den Pollesch hier abzielt, ist nicht tödlich, sondern täglich.
Christine Dössel

Uraufführung am 21. September 2007

Regie: René Pollesch
Bühne: Janina Audick
Kostüme: York Landgraf
Video: Alexander Schmidt
Dramaturgie: Christian Holtzhauer

Mit
Silja Bächli
Christian Brey
Katja Bürkle
Florian von Manteuffel
Bijan Zamani

Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek

 

 

 

 

 Fotos: David Graeter
 

Regie: René Pollesch
Bühne: Janina Audick
Kostüme: York Landgraf
Video: Alexander Schmidt
Dramaturgie: Christian Holtzhauer

Mit
Silja Bächli
Christian Brey
Katja Bürkle
Florian von Manteuffel
Bijan Zamani

von René Pollesch

Stücke 2008

Schauspiel Stuttgart

Es geht um die „Beeindruckungsmaschine", die das Theater ist – und um die Schauspieler, die ihr vergeblich zu entkommen trachten. Ein altes Pollesch-Thema, in „Liebe ist kälter als das Kapital" wird es miterhellender Verzweiflungskomik und rasenden Gedanken-Loops neu durchgespielt.
Da proben also fünf Schauspieler unter schönstem Slapstick-Einsatz ein Stück, und immer wenn sie aus der bürgerlichen Theaterkulisse nach hinten abtreten, sind sie mitten in den Dreharbeiten zu einem Film. Wie soll da einer sein Gefühl für die Wirklichkeit bewahren, wenn er sie dauernd repräsentieren muss? Was ist überhaupt noch real, und gibt es ein wahres Leben im Theater? Der mediale Inszenierungsdruck produziert Hysterie („Dieses Multitasking halte ich auf Dauer nicht aus!") und die Sehnsucht nach Widerstand: „Ich will mein Nein kalt aus der Hüfte schießen, ohne Dienst an dem großen Ja!" Doch Rebellion ist kaum möglich. In Anlehnung an eine Szene aus John Cassavetes´ Film „Opening Night" weigert sich eine Schauspielerin, sich ohrfeigen zu lassen, obwohl ihre Rolle es verlangt. Also muss sie diszipliniert werden: „Es ist nun mal Tradition. Schauspieler werden geschlagen!“
Ohrfeigen gibt es in dieser Inszenierung dann jede Menge – handfeste wie rhetorische. Auch die RAF kriegt welche ab, denn das Stück entstand im Rahmen der Stuttgarter Projektwoche „Endstation Stammheim". Doch der Terror der Pose, auf den Pollesch hier abzielt, ist nicht tödlich, sondern täglich.
Christine Dössel

Uraufführung am 21. September 2007

Regie: René Pollesch
Bühne: Janina Audick
Kostüme: York Landgraf
Video: Alexander Schmidt
Dramaturgie: Christian Holtzhauer

Mit
Silja Bächli
Christian Brey
Katja Bürkle
Florian von Manteuffel
Bijan Zamani

Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek

 

 

 

 

 Fotos: David Graeter