Kassandra oder die Welt als Ende der Vorstellung

Foto: Alexi Pelekanos
Foto: Alexi Pelekanos
Foto: Alexi Pelekanos
ca. 2 Stunden, keine Pause

von Kevin Rittberger

Stücke 2011

Schauspielhaus Wien

In der „Orestie“ ist Kassandra eine trojanische Seherin, die das Unheil prophezeit, ohne gehört zu werden. Bei Kevin Rittberger bezeichnet „Kassandra“ keine bestimmte Figur, sondern ein Dilemma: Es gibt Situationen, in denen Aufklärung zwecklos ist, wenn nicht sogar kontraproduktiv. Der erstmals für Mülheim nominierte Rittberger (geb. 1977) bringt in „Kassandra oder die Welt als Ende der Vorstellung“ ein ebenso brisantes wie komplexes Thema auf die Bühne. Der Tragödie afrikanischer Boat People, die unter Lebensgefahr die Flucht nach Europa wagen, stellt Rittberger das Dilemma westlicher „Gutmenschen“ gegenüber, die helfen wollen.
Das Stück, das auf Interviews des Autors basiert, ist eine eigenwillige Mischung aus dokumentarischem Theater und gesellschaftskritischer Satire. Im ersten Teil wird in Form eines „Lehrstücks“ die Geschichte einer Afrikanerin erzählt, die es nach jahrelanger Odyssee endlich ins Boot nach Spanien schafft – und bei der Überfahrt samt ihren Kindern ums Leben kommt. Im zweiten Teil wechselt Rittberger die Perspektive: Jetzt treten Europäer auf den Plan, deren Engagement fatale Konsequenzen hat. Eine Dolmetscherin etwa zeigt Missstände in einem griechischen Asylheim auf – und macht dadurch alles nur noch schlimmer. Wie das afrikanische Dilemma gelöst werden könnte, weiß Rittberger auch nicht. Aber „Kassandra“ macht auf kluge und originelle Weise deutlich, worin das Dilemma überhaupt besteht.

Wolfgang Kralicek



Uraufführung am 1. April 2010


Regie: Felicitas Brucker
Bühne: Frauke Löffel
Kostüme: Sara Schwartz


Mit
Vincent Glander
Bettina Kerl
Steffen Höld
Katja Jung
Max Mayer
Nicola Kirsch


Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, keine Pause
Aufführungsrechte: Verlag der Autoren, Frankfurt am Main

Stückabdruck in Theater heute, Heft 05/11

 

 

 

 

 

Fotos: Alexi Pelekanos

 

Regie: Felicitas Brucker
Bühne: Frauke Löffel
Kostüme: Sara Schwartz


Mit
Vincent Glander
Bettina Kerl
Steffen Höld
Katja Jung
Max Mayer
Nicola Kirsch


Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, keine Pause
Stückabdruck: 
Stückabdruck in Theater heute, Heft 05/11

von Kevin Rittberger

Stücke 2011

Schauspielhaus Wien

In der „Orestie“ ist Kassandra eine trojanische Seherin, die das Unheil prophezeit, ohne gehört zu werden. Bei Kevin Rittberger bezeichnet „Kassandra“ keine bestimmte Figur, sondern ein Dilemma: Es gibt Situationen, in denen Aufklärung zwecklos ist, wenn nicht sogar kontraproduktiv. Der erstmals für Mülheim nominierte Rittberger (geb. 1977) bringt in „Kassandra oder die Welt als Ende der Vorstellung“ ein ebenso brisantes wie komplexes Thema auf die Bühne. Der Tragödie afrikanischer Boat People, die unter Lebensgefahr die Flucht nach Europa wagen, stellt Rittberger das Dilemma westlicher „Gutmenschen“ gegenüber, die helfen wollen.
Das Stück, das auf Interviews des Autors basiert, ist eine eigenwillige Mischung aus dokumentarischem Theater und gesellschaftskritischer Satire. Im ersten Teil wird in Form eines „Lehrstücks“ die Geschichte einer Afrikanerin erzählt, die es nach jahrelanger Odyssee endlich ins Boot nach Spanien schafft – und bei der Überfahrt samt ihren Kindern ums Leben kommt. Im zweiten Teil wechselt Rittberger die Perspektive: Jetzt treten Europäer auf den Plan, deren Engagement fatale Konsequenzen hat. Eine Dolmetscherin etwa zeigt Missstände in einem griechischen Asylheim auf – und macht dadurch alles nur noch schlimmer. Wie das afrikanische Dilemma gelöst werden könnte, weiß Rittberger auch nicht. Aber „Kassandra“ macht auf kluge und originelle Weise deutlich, worin das Dilemma überhaupt besteht.

Wolfgang Kralicek



Uraufführung am 1. April 2010


Regie: Felicitas Brucker
Bühne: Frauke Löffel
Kostüme: Sara Schwartz


Mit
Vincent Glander
Bettina Kerl
Steffen Höld
Katja Jung
Max Mayer
Nicola Kirsch


Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, keine Pause
Aufführungsrechte: Verlag der Autoren, Frankfurt am Main

Stückabdruck in Theater heute, Heft 05/11

 

 

 

 

 

Fotos: Alexi Pelekanos