Dunkel lockende Welt

von Händl Klaus

Stücke 2006

Münchner Kammerspiele

Foto von Arno Declair
Die Frau ist Kieferchirurgin. Es könnte also tatsächlich so gewesen sein, dass sie während des Studiums in der Küche sezierte und Kleinigkeiten wie eine Zehe verlor. Vielleicht hat Corinna aber auch ihren Marcel gekillt, mit dem sie angeblich nach Peru aufbrechen will, um als Ärztin ohne Grenzen Gutes zu tun. Ihr Vermieter jedenfalls, der Herr Hufschmied, findet eine Zehe und will seine Mieterin nicht mehr in die weite Welt ziehen lassen. Irgendwann allerdings schafft Corinna doch den Absprung und kommt insofern vom Regen in die Traufe, als sie bei ihrer Mutter Unterschlupf sucht, die sich allerdings in einem langen Monolog der Photosynthese hingibt.
In "Dunkel lockende Welt" findet sich wieder jener frivol-melancholische Grundton, der schon "Wilde – Der Mann mit den traurigen Augen" auszeichnete. Mit diesem Stück wurde Händl Klaus vor zwei Jahren nach Mülheim eingeladen. Regisseur war schon da Sebastian Nübling, der auch jetzt die Uraufführung besorgte und zusammen mit Wiebke Puls (Corinna) und Jochen Noch (Hufschmied) einen Pas de deux der Extraklasse auf die Bühne zauberte – bis im zweiten Akt Gundi Ellert die Bühne betritt und der Zumutung des Photosynthese-Monologs begegnet, indem sie biologische Wirkmechanismen sprachlich-körperlich im Raum platziert.
Irgendwann muss allerdings auch Mechthild in die Welt hinaus, für die Tochter nach der verlorenen Zehe suchen und auf einen Herrn Hufschmied treffen, mit dem sie während des Studiums unter Umständen dafür sorgte, dass eine wie Corinna das Licht der Welt erblicken konnte. Ob das tatsächlich so war, wissen wir nicht. Händls Welt ist ja bekanntlich nicht nur lockend, sondern auch ganz schön dunkel.

Jürgen Berger

Uraufführung an den Münchner Kammerspielen am 1. Februar 2006

Regie: Sebastian Nübling
Bühne und Kostüme: Muriel Gerstner
Musik: Lars Wittershagen

Mit:
Jochen Noch
Wiebke Puls
Gundi Ellert

Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek
 

Foto von Arno Declair
Foto von Arno Declair

 

Händl Klaus

Foto von Janine Guldener
Geboren 1969 in Rum/Tirol.
Nach der Schauspielausbildung in Wien, folgte ein Engagement am Schauspielhaus Wien. Außerdem spielte er in mehreren Filmen mit, zuletzt in Sophie Scholl. Er schreibt Prosa, Hörspiele, Libretti, Theatertexte und Drehbücher, die er selbst verfilmt. Sein Hörspiel Kleine Vogelkunde (ORF) wurde als Hörspiel des Jahres 1996 ausgezeichnet. Für den Erzählband (Legenden) erhielt Händl Klaus den Rauriser Literaturpreis und den Robert-Walser-Preis. 2004 wurde (Wilde) Mann mit traurigen Augen mit dem Buchpreis der deutschsprachigen Literaturkommission des Kantons Bern ausgezeichnet. 2004 wurde er in der Jahresumfrage von Theater heute zum besten Nachwuchsautor gewählt und 2006 zum Dramatiker des Jahres.
Händl Klaus lebt in Wien, Berlin und Port am Bielersee (Schweiz).

 

Stücke

Ich ersehne die Alpen; So entstehen die Seen UA 06.10.2001, steirischer herbst, R: Händl Klaus
Wilde - Der Mann mit den traurigen Augen UA 20.09./10.10.2003, Koproduktion steirischer herbst / schauspielhannover, Regie: Sebastian Nübling – "Stücke 2004"
Dunkel lockende Welt UA 01.02.2006, Münchner Kammerspiele, Regie: Sebastian Nübling - "Stücke 2006"

alle in:
Händl Klaus, Stücke, Literaturverlag Droschl, Graz 2006, ISBN 3-85420-703-4

 

Weitere Veröffentlichungen

(Legenden) 35 Prosastücke. Droschl Verlag Graz, 1994
Satz Bäurin. Klagenfurter Texte. Piper Verlag, 1995
Kleine Vogelkunde. Hörspiel. ORF, 1996
recitativo. Literatur und Kritik, 2000
Häftling von Mab. Opernlibretto, Musik: E. Demetz. UA Tiroler Landestheater, 2002

Außerdem Prosa in kolik, manuskripte u.a. sowie unveröffentlichte Libretti und Romanzen
 

Preise und Auszeichnungen

1994 Robert Walser-Preis
1995 Rauriser Literaturpreis
1996 ORF- Hörspielpreis: Hörspiel des Jahres
1996 Stipendiat am Literarischen Colloquium Berlin
2002 Hermann-Lenz-Stipendium
2004 Nachwuchsautor des Jahres (Kritikerumfrage von Theater heute)
2005 Dramatikerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft
2006 Auszeichnung zum ‚Dramatiker des Jahres‘ mit dem Stück DUNKEL LOCKENDE WELT (Kritikerumfrage von Theater heute)

(Stand: 2006)

Dunkel lockende Welt

Wilde oder Der Mann mit den traurigen Augen (UA)

Szene aus Wilde oder Der Mann mit den traurigen Augen von Händl Klaus
von Händl Klaus

Stücke 2004

 

 

 
Koproduktion des steirischen herbst mit dem schauspielhannover
Leitung: Peter Oswald, Wilfried Schulz

Gunter aus Bleibach: Bruno Cathomas
Emil Flick: Tim Porath
Hanno Flick: Peter Knaack
Hedy Flick: Simone Henn
Der Vater: Wilhelm Schlotterer

Regie: Sebastian Nübling
Bühne und Kostüme: Muriel Gerstner
Musik: Lars Wittershagen
Licht: Heiko Wachs
Dramaturgie: Thomas Laue, Wolfgang Reiter
Regieassistenz: Johannes Rieder


Premiere in Graz am 20. September 2003 im Orpheum
Premiere in Hannover am 10. Oktober 2003 im ballhofeins

Aufführungsdauer: 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause
Aufführungsrechte: RowohltTheater Verlag, Reinbek bei Hamburg

Stückabdruck in Theater heute 12/2003


Szene aus Wilde oder Der Mann mit den traurigen Augen von Händl Klaus
Szene aus Wilde oder Der Mann mit den traurigen Augen von Händl Klaus

 

 

 

 

Fotos: Max Wegscheidler

 

Klaus, Händl