Die Kriegsberichterstatterin

Szene aus Die Kriegsberichterstatterin von Theresia Walser
von Theresia Walser

Stücke 2005

Bayerisches Staatsschauspiel München

Die Kriegsberichterstatterin

Komik und Tragik, Schrecken und Gelächter zugleich entstehen, wenn Theresia Walser die enthemmten Figuren ihrer Gartenpartygesellschaft sich um Kopf und Kragen reden lässt, deren Palaver zum grellbunten Wörter-Comic-Ballon aufbläht, ihn als beklemmenden Pointenboulevard spazieren führt, um ihn dann unheilgeschwängert zum Platzen zu bringen. Lauter Machtversessene, die ihre Zukunftslosigkeit redselig aussitzen, die ahnen, dass sie nichts zu melden haben. So dämmern sie als kriegslüsterne Friedensgesellschaft dahin, banale Existenzen, die sich in ihrem Drecksloch von Existenz, ihrem rastlosen wörter-bunkernden Institutsleben eingerichtet haben, auf eine "Auszeichnung" wartend, die sie zu "Auszuscheidenden" macht.
Die Farce spielt im Garten einer Villa, die dem kuriosen Wörterinstitutsdirektor gehört. Obwohl es draußen schon herbstlich kühl ist, arrangiert dieser in seinem Übereifer immer schwitzende Direktor die jährliche Betriebsfeier für seine Angestellten als Gartenfest. Die Eingeladenen trauen sich nicht zuzugeben, dass sie eigentlich frieren. Im übertragenen Sinn drückt das für die Autorin auch die Situation des Instituts aus: "Der von Machtkämpfen und Beziehungskriegen völlig marode Betrieb steht auf der Kippe. Die jahrzehntelangen Verletzungen und Demütigungen liegen wie ein erstickender und zugleich explosiver Teppich unter dieser Gartengesellschaft." In diese kühle, doch innerlich aufgeheizte Atmosphäre dringt von außen ein seltsames Mädchen ein – "eine Mischung aus Clown, Meroe und Baglady" – von immer schrecklicher werdenden Kriegsereignissen in den umliegenden Gärten berichtend. Die Rolle dieser Warnsirene besteht im Aufdecken der unterdrückt vorhandenen Kriegsgesinnung bei allen Betriebsangehörigen. Mit ihren Kampfschilderungen bringt sie "das verkrustete Koordinatensystem dieser Gartengesellschaft" ins Wanken. Korrespondierend zu ihrem Stück "So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr" müsste diese Gartenfestfarce "So wild ist es in unseren Gärten schon lange" heißen.
Klaus Völker

Uraufführung am 26. Februar 2005, Bayerisches Staatsschauspiel

Regie: Florian Boesch
Bühne: Stefan Hageneier
Kostüme: Ann Poppel
Musik: Rudolf Gregor Knabl

Mit:
Ulrike Arnold
Beatrix Doderer
Anna Riedl
Christine Schönfeld
Eva Schuckardt
Lisa Wagner
Peter Albers
Gerd Anthoff
Marcus Calvin
Michael Tregor

Aufführungsrechte: Verlag der Autoren, Frankfurt a.M.


Szene aus Die Kriegsberichterstatterin von Theresia Walser
Szene aus Die Kriegsberichterstatterin von Theresia Walser

Szene aus Die Kriegsberichterstatterin von Theresia Walser
Szene aus Die Kriegsberichterstatterin von Theresia Walser

Szene aus Die Kriegsberichterstatterin von Theresia Walser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Fotos: Thomas Dashuber

 

 

 

Theresia Walser

Geboren 1967 in Friedrichshafen.
Sie absolvierte eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Bern. Anschließend war Theresia Walser zwei Jahre lang am Jungen Theater Göttingen engagiert.1996 wurd e ihr Stück Das Restpaar am Theater Rampe in Stuttgart uraufgeführt. 1999 wurde sie in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute zur besten deutschsprachigen Autorin gewählt.
Theresia Walser lebt in Freiburg im Breisgau.

 

Stücke

Kleine Zweifel UA 02.04.1997, Münchner Kammerspiele (R: Dieter Dorn)
Das Restpaar UA 27.09.1997, Theater Rampe Stuttgart (R: Daniel Call)
King Kongs Töchter UA 26.09.1998, Theater Neumarkt Zürich (R: Volker Hesse) – „Stücke ´99“
So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr UA 04.11.2000, Münchner Kammerspiele (R: Jan Bosse) – „Stücke 2001“
Die Heldin von Potsdam UA 15.09.2001, Maxim Gorki Theater Berlin (R: Volker Hesse)
Geierwally (zusammen mit Karl-Heinz Ott) UA 28.03.2003, Badisches Staatstheater Karlsruhe (R: Barbara Bilabel)
Wandernutten UA 09.10.2004, Staatstheater Stuttgart (R: Jacqueline Kornmüller)
Die Kriegsberichterstatterin UA 26.02.2005, Bayerisches Staatsschauspiel München,
Regie: Florian Bösch – „Stücke ´05“
Die Liste der letzten Dinge UA 07.07.2006, Bayerisches Staatsschauspiel München, Regie: Schirin Khodadadian
Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm UA 06.10.2006 / 12.10.2007, Nationaltheater Mannheim, Regie: Burkhard C. Kosminski
Morgen in Katar (Auftragsarbeit für das Staatstheater Kassel) UA 02.03.2008, Staatstheater Kassel, Regie: Schirin Khodadadian - "Stücke 2008"
 

Preise, Auszeichnungen

1998 Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises des Landes Baden-Württemberg
1998 Nachwuchsautorin des Jahres in der Kritikerumfrage von „Theater heute“
1999 Autorin des Jahres in der Kritikerumfrage von „Theater heute“
1999 “Stücke“-Förderpreis des Goethe-Instituts
2001 „Stücke“-Förderpreis des Goethe-Instituts
2006 Stipendium der BHF-Bank-Stiftung für die Frankfurter Positionen

(Stand 2008)


 

King Kongs Töchter (Stück in 13 Szenen)

von Theresia Walser

Stücke 1999

Theater Neumarkt Zürich
Intendanz: Volker Hesse, Stephan Müller

Berta: Katharina von Bock
Carla: Tatja Seibt
Meggie: Lara Körte
Herr Pott: Michael Maassen
Frau Greti: Lisbeth Felder
Hilde Albert: Rudolf Ruf
Herr Nübel: Dodò Deér
Frau Tormann: Doris Choudary
Rolfi: Lars Wellings
Winnies Stimme: Gilles Tschudi

Regie: Volker Hesse
Raum: Dodò Deér
Kostüme: Monika Vogt
Dramaturgie: Karl-Heinz Ott

Uraufführung: 26. September 1998
Theater Neumarkt Zürich

Aufführungsrechte: Verlag der Autoren, Frankfurt/Main



Walser, Theresia
Die Kriegsberichterstatterin

So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr

von Theresia Walser

Stücke 2001

Münchner Kammerspiele
Intendant: Dieter Dorm

Knabenszene 1
Knabe A: Heiko Ruprecht
Knabe B: Marc Oliver Schulze
Knabe C: Hans Löw

1. Kleine Gesellschaft: Brim
Hans Rudi: Oliver Nägele
Rita, seine Frau: Sibylle Canonica
Luzi, das Mädchen von der Köchinnenschule: Franziska Walser
Übür, ein Türke (Knabe C): Hans Löw
Brim (Knabe A): Heiko Ruprecht
Knabe B: Marc Oliver Schulze

Knabenszene 2
Knabe A: Heiko Ruprecht
Knabe B: Marc Oliver Schulze
Knabe C: Hans Löw

2. Kleine Gesellschaft: Alles schöne Dinge
Brax: Oliver Nägele
Helga, seine Frau: Sibylle Canonica
Irene, das Mädchen im Bärenfellmantel und mit Sporenstiefeln: Franziska Walser
Kirk, ein Pole (Knabe C): Hans Löw
Frau Alberti (Knabe A): Heiko Ruprecht
Knabe B: Marc Oliver Schulze

Knabenszene 3
Knabe A: Heiko Ruprecht
Knabe B: Marc Oliver Schulze
Knabe C: Hans Löw

3. Kleine Gesellschaft: Dem Mörder das Wasser reichen
Friedel: Oliver Nägele
Marie, seine Frau: Sibylle Canonica
Natalie, das Mädchen mit der Tischdecke: Franziska Walser
Fred (Knabe A): Heiko Ruprecht
Grieche (Knabe C): Hans Löw
Knabe B: Marc Oliver Schulze

Knabenszene 4
Knabe A: Heiko Ruprecht
Knabe B: Marc Oliver Schulze
Knabe C: Hans Löw

Mädchen: Franziska Walser


Regie: Jan Bosse
Raum: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Arno P. Jiri Kraehahn
Dramaturgie: Laura Olivi
Regieassistenten: Urs Schönebaum, Jochen Strauch


Uraufführung am 4. November 2000 im Werkraum der Münchner Kammerspiele
Aufführungsdauer: ca. 1 ½ Stunden, keine Pause
Aufführungsrechte: Verlag der Autoren, Frankfurt am Main



Walser, Theresia

Morgen in Katar



Szene aus Morgen in Katar von Theresia Walser
von Theresia Walser

Stücke 2008

Auftragsarbeit für das Staatstheater Kassel

Ein Zug macht eine Notbremsung: Ein Mensch hat sich vor die Schienen geworfen. „Personenschaden“ nennt das die Bahn. „Unsere Weiterfahrt wird sich auf unbestimmte Zeit verzögern“. Theresia Walser nimmt diese Situation zum Anlass für eine vielschichtige Komödie der Alltäglichkeit, in dem die Einheit von Ort, Zeit und Raum buchstäblich enggeführt wird. Der ICE-Großraumwagen wird zum Wartesaal, in dem die Reisenden nicht nur über Taschen, sondern auch über sich selber stolpern. Es ist ein Sozio-Labor auf engstem Raum. Sprachlich aber weitet sich der Horizont bis in ferne Wüsten und in den Orient.
Das Personal, das Theresia Walser in „Morgen in Katar“ versammelt – in der Kasseler Inszenierung von Schirin Khodadadian auf einer schiefen Ebene wie auf einem Floß platziert - ist bunt aus dem Fahrgastleben zusammengewürfelt: Ein Geschäftsmann mit Headset, eine Architektin mit Zahnweh, ein Besserwisser aus der Versicherungsbranche, ein altes Ehepaar, eine Saharareisende, ein Berufsjugendlicher auf der Fahrt zum sterbenden Vater und ein Kulturdirektor auf dem Weg nach Katar bilden eine Schicksalsgemeinschaft, in der jeder gegen die Zeit anredet. Dazu kommen ein überforderter Schaffner und Christa, die Frau mit dem Minibarwagen, aus dessen Alkoholvorräten man sich reichlich bedient. Und dann ist da noch ein schlafender Araber, der Misstrauen und diffuse Ängste auslöst. Denn so viel sie auch plappern und sich wichtig machen: Unten drunter lauert der Tod, und der ist nicht wegzureden.
Christine Dössel

Uraufführung am 2. März 2008

Inszenierung: Schirin Khodadadian
Ausstattung: Ulrike Obermüller
Musik: Katrin Vellrath

Mit
Birte Leest
Therese Dörr
Jürgen Wink
Eva-Maria Keller
Andreas Beck
Nico Link
Uwe Rohbeck
Hans-Werner Leupelt
Max Engelke
Aljoscha Langel
Christina Weiser

Aufführungsrechte der UA: Verlag der Autoren, Frankfurt am Main
Weitere Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag


Szene aus Morgen in Katar von Theresia Walser
Szene aus Morgen in Katar von Theresia Walser

 

 

 

 

Fotos: Dominik Ketz

 

Walser, Theresia