Die Kriegsberichterstatterin

Foto: Thomas Dashuber



Komik und Tragik, Schrecken und Gelächter zugleich entstehen, wenn Theresia Walser die enthemmten Figuren ihrer Gartenpartygesellschaft sich um Kopf und Kragen reden lässt, deren Palaver zum grellbunten Wörter-Comic-Ballon aufbläht, ihn als beklemmenden Pointenboulevard spazieren führt, um ihn dann unheilgeschwängert zum Platzen zu bringen. Lauter Machtversessene, die ihre Zukunftslosigkeit redselig aussitzen, die ahnen, dass sie nichts zu melden haben. So dämmern sie als kriegslüsterne Friedensgesellschaft dahin, banale Existenzen, die sich in ihrem Drecksloch von Existenz, ihrem rastlosen wörter-bunkernden Institutsleben eingerichtet haben, auf eine "Auszeichnung" wartend, die sie zu "Auszuscheidenden" macht.
Die Farce spielt im Garten einer Villa, die dem kuriosen Wörterinstitutsdirektor gehört. Obwohl es draußen schon herbstlich kühl ist, arrangiert dieser in seinem Übereifer immer schwitzende Direktor die jährliche Betriebsfeier für seine Angestellten als Gartenfest. Die Eingeladenen trauen sich nicht zuzugeben, dass sie eigentlich frieren. Im übertragenen Sinn drückt das für die Autorin auch die Situation des Instituts aus: "Der von Machtkämpfen und Beziehungskriegen völlig marode Betrieb steht auf der Kippe. Die jahrzehntelangen Verletzungen und Demütigungen liegen wie ein erstickender und zugleich explosiver Teppich unter dieser Gartengesellschaft." In diese kühle, doch innerlich aufgeheizte Atmosphäre dringt von außen ein seltsames Mädchen ein – "eine Mischung aus Clown, Meroe und Baglady" – von immer schrecklicher werdenden Kriegsereignissen in den umliegenden Gärten berichtend. Die Rolle dieser Warnsirene besteht im Aufdecken der unterdrückt vorhandenen Kriegsgesinnung bei allen Betriebsangehörigen. Mit ihren Kampfschilderungen bringt sie "das verkrustete Koordinatensystem dieser Gartengesellschaft" ins Wanken. Korrespondierend zu ihrem Stück "So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr" müsste diese Gartenfestfarce "So wild ist es in unseren Gärten schon lange" heißen.
Klaus Völker

Uraufführung: 
26. Februar 2005

Regie: Florian Boesch
Bühne: Stefan Hageneier
Kostüme: Ann Poppel
Musik: Rudolf Gregor Knabl
Mit: Ulrike Arnold, Beatrix Doderer, Anna Riedl, Christine Schönfeld, Eva Schuckardt, Lisa Wagner, Peter Albers, Gerd Anthoff, Marcus Calvin, Michael Tregor