Café Umberto

Foto von Jörg Landsberg
Foto von Jörg Landsberg
Foto von Jörg Landsberg

von Moritz Rinke

Stücke 2006

Bremer Theater

Moritz Rinkes in dieser Spielzeit bereits von vier Bühnen gespielte Stück "Café Umberto" ist eine zwar leichtfüßige, aber mit bitterem Witz und nicht gerade beruhigendem Happy End geschriebene Komödie, die vom Anerkennungsnotstand arbeitslos gewordener Menschen handelt in einer Gesellschaft, die noch immer vor der Realität die Augen verschließt, dass für Menschenwürde und ein sinnvoll gestaltetes Leben nicht länger die Vollbeschäftigung die Norm sein kann und die Frage gestellt werden muss, wie die Geldzirkulation, die die Sicherung der Grundrechte aller Bürger gewährleistet, zukünftig geregelt werden könnte.
Rinke plädiert mit leichter Hand und doch nicht ohne dem Thema angemessenen Ernst für Verhältnisse, die glückliche Arbeitslose möglich machen; er erzählt in lockerem Neben-einander drei Liebesgeschichten aus der Arbeitslosigkeit, die keinen glücklichen Verlauf nehmen, weil eben die nach wie vor gültigen materiellen Werte und die Entwertungen der Arbeitsgesellschaft sie viel zu stark belasten. Noch setzen alle darauf, dass der Sozialstaat solider sozialdemokratischer Denkungsart eine Zukunft hat und sich die radikale Entkoppelung des Bürgers vom Fetisch Arbeit vermeiden lässt, doch alle Fluchtbewegungen in künstliche Paradiese, mit denen der weltweiten ökonomisierung allen Tun und Handelns getrotzt wird, zeigen nur einen Notstand an.
Ort der Handlung ist eine jener modernen bürgerfreundlichen Agenturen für Arbeit, wo ein arbeitsloser Andalusier viel sagend stumm den "besten Latte Macchiato der Stadt" aus-schenkt. Auch Umberto kann nicht verhindern, dass der Elan der drei Paare, ihre Versuche, sich neu zu erfinden, sehr bald erlischt. Wenn es am Notwendigen fehlt, ist das überflüssige kein Spaß mehr. Und die Liebe wird zur Aussicht, sich nur noch als überflüssige inszenieren zu können.
Klaus Völker

Inszenierung: Nicolai Sykosch
Ausstattung: Alissa Kolbusch

Mit:
Irene Kleinschmidt
Gabriele Möller-Lukasz
Wiltrud Schreiner
Dirk Audehm
Martin Baum
Guido Gallmann
Detlev Greisner
Jost Grix
Siegfried W. Maschek

Uraufführung am 25. September 2005, Düsseldorfer Schauspielhaus
Premiere im Bremer Theater am 26. November 2005
Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek

 

 


von Moritz Rinke

Stücke 2006

Bremer Theater

Moritz Rinkes in dieser Spielzeit bereits von vier Bühnen gespielte Stück "Café Umberto" ist eine zwar leichtfüßige, aber mit bitterem Witz und nicht gerade beruhigendem Happy End geschriebene Komödie, die vom Anerkennungsnotstand arbeitslos gewordener Menschen handelt in einer Gesellschaft, die noch immer vor der Realität die Augen verschließt, dass für Menschenwürde und ein sinnvoll gestaltetes Leben nicht länger die Vollbeschäftigung die Norm sein kann und die Frage gestellt werden muss, wie die Geldzirkulation, die die Sicherung der Grundrechte aller Bürger gewährleistet, zukünftig geregelt werden könnte.
Rinke plädiert mit leichter Hand und doch nicht ohne dem Thema angemessenen Ernst für Verhältnisse, die glückliche Arbeitslose möglich machen; er erzählt in lockerem Neben-einander drei Liebesgeschichten aus der Arbeitslosigkeit, die keinen glücklichen Verlauf nehmen, weil eben die nach wie vor gültigen materiellen Werte und die Entwertungen der Arbeitsgesellschaft sie viel zu stark belasten. Noch setzen alle darauf, dass der Sozialstaat solider sozialdemokratischer Denkungsart eine Zukunft hat und sich die radikale Entkoppelung des Bürgers vom Fetisch Arbeit vermeiden lässt, doch alle Fluchtbewegungen in künstliche Paradiese, mit denen der weltweiten ökonomisierung allen Tun und Handelns getrotzt wird, zeigen nur einen Notstand an.
Ort der Handlung ist eine jener modernen bürgerfreundlichen Agenturen für Arbeit, wo ein arbeitsloser Andalusier viel sagend stumm den "besten Latte Macchiato der Stadt" aus-schenkt. Auch Umberto kann nicht verhindern, dass der Elan der drei Paare, ihre Versuche, sich neu zu erfinden, sehr bald erlischt. Wenn es am Notwendigen fehlt, ist das überflüssige kein Spaß mehr. Und die Liebe wird zur Aussicht, sich nur noch als überflüssige inszenieren zu können.
Klaus Völker

Inszenierung: Nicolai Sykosch
Ausstattung: Alissa Kolbusch

Mit:
Irene Kleinschmidt
Gabriele Möller-Lukasz
Wiltrud Schreiner
Dirk Audehm
Martin Baum
Guido Gallmann
Detlev Greisner
Jost Grix
Siegfried W. Maschek

Uraufführung am 25. September 2005, Düsseldorfer Schauspielhaus
Premiere im Bremer Theater am 26. November 2005
Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek