Bennys letzte Reise

Der StückeBlog

Ein Team aus unabhängigen Blogger*innen, zusammengesetzt aus Studierenden verschiedener Fachrichtungen, schaut hinter die Festival-Kulissen. In Text-, Audio- und Videobeiträgen zeigen sie ihre ganz persönlichen Perspektiven auf die „Stücke“ und die „KinderStücke“.

Diskurs

Das ewige Eis schmilzt und Eisbär Benny scheint der letzte Bär im Universum zu sein. Deswegen verlässt er sein Zuhause und sucht nach anderen Artgenoss:innen. Auf einem kleinen Floß erreicht er Pollinesien, wo Polly, das Huhn, wohnt. „Ich komme aus dem Ewigen Eis. Meine Eisscholle ist mir unter dem Hintern weggeschmolzen“, erzählt er ihr. Aber bei Polly gibt es keine anderen Eisbären, denn in Pollinesien ist es viel zu warm.

Die Ängste unserer Gegenwart finden sich in „Bär im Universum“ von Dea Loher wieder. Die Erderwärmung und darauffolgenden Naturkatastrophen bringt das Stück ganz nah und emotional auf die Bühne - Brände und Schneeschmelzen, Wilderei und Vermüllung der Meere. „Oje... ist das eine Staubwolke oder eine Rauchfahne... beides meint nix Gutes... eine Staubwolke bedeutet meistens einen Jeep mit Wilderern... und eine Rauchfahne kann heißen... Buschfeuer“, erklärt Anni, die letzte Giraffe. „Man muss sich etwas in Acht nehmen, jede Menge Müll, alte Fangnetze und Plastikzeug“, erzählt Ute, der letzte Wal. In diesem Kinderstück tauchen Katastrophen auf, die wir heute überall auf der Welt sehen. Katastrophen, die zu dem, im Stück beschriebenen, Schicksal führen können: Die Tiere sterben aus. Benny, der letzte Eisbär. Anni, die letzte Giraffe. Und Ute, der letzte Wal.

Tatsächlich trifft der Eisbär Benny am Ende doch noch auf eine Bärin: Die Braunbärin Isabella. „Dein Bruder – ist das auch ein Brr..?“, fragt Benny Isabella hoffnungsvoll. Tatsächlich ist er das. Tatsächlich ist Isabella nicht die letzte ihrer Art. Die Frage ist nur – wie lange noch?

Noch gibt es Bären, Giraffen und Wale. Noch erkennen Kinder diese Tiere, die sie schon einmal in Büchern, Theaterstücken, Filmen oder vielleicht im Zoo gesehen haben. Aber immer mehr Tierarten sind weltweit gefährdet. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis Kinder die Tiere nicht mehr erkennen – bis diese nur noch Memoiren aus Geschichtsbüchern sind. Bewegungen wie „Friday’s for Future“ zeigen, dass vor allem immer mehr junge Menschen sich mit dem Klimakrise und dessen Folgen auseinandersetzen. Lohers Stück greift diesen aktuellen Diskurs auf und führt ihn schon jungen Zuschauer:innen vor Augen. Mit dem „Bär im Universum“ können bereits Kinder diese existentielle Krise verstehen und anschließend vielleicht anfangen, mit dafür zu kämpfen, dass Benny der Eisbär und all die anderen Tiere nicht irgendwann aussterben.

Mit Zeichnungen von Carla Knitschky.

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