Preisträgerin 2013: Katja Brunner
„Von den Beinen zu kurz“ - Schauspiel Hannover, Foto: Katrin Ribbe
Preisträger 2012: Peter Handke
„Immer noch Sturm“ - Thalia Theater Hamburg/Salzburger Festspiele, Foto: Armin Smailovic
Preisträger 2006: René Pollesch
„Cappuccetto Rosso“ - Volksbühne Berlin/Salzburger Festspiele, Foto: Thomas Aurin
Preisträger 2002: Elfriede Jelinek
„Macht Nichts“ - Schauspielhaus Zürich, Foto: Leonard Zubler
Preisträgerin 2008: Dea Loher
„Das letzte Feuer“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2004: Elfriede Jelinek
 „Das Werk“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Christian Brachwitz
Preisträger 2016: Wolfram Höll
„Drei sind wir“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträgerin 2011: Elfriede Jelinek
„Winterreise“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Julian Röder
Preisträger 2010: Roland Schimmelpfennig
„Der goldene Drache“ - Burgtheater Wien, Foto: Reinhard Werner
Preisträger 2015: Ewald Palmetshofer
„die unverheiratete“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Georg Soulek
Preisträgerin 2017: Anne Lepper
„Mädchen in Not“ - Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner
Preisträgerin 2009: Elfriede Jelinek
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Arno Declair
Preisträger 2007: Helgard Haug & Daniel Wetzel, Rimini Protokoll
„Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ - Düsseldorfer Schauspielhaus, Foto: Sebastian Hoppe
Preisträger 2005: Lukas Bärfuss
„Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2003: Fritz Kater
 „zeit zu lieben zeit zu sterben“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2014: Wolfram Höll
„Und dann“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Gastspiel

Welthaltiger Zirkus

„Dreier steht Kopf“ von Carsten Brandau gewann 2015 den KinderStücke-Preis. Jetzt kehrte das Stück auf Polnisch zurück nach Mülheim, in einer Inszenierung des Staatlichen Puppentheaters Tęcza. Blog-Autorin Erika Walter schaute dem Kinderstück über Ordnung und Regelbruch zu.

Noch bevor eine der Darstellerinnen die Bühne betritt, spielt die polnische Inszenierung von Carsten Brandaus „Dreier steht Kopf“ mit Sprache. In bunten, überdimensionalen Buchstaben ist das Wort „świat“ (dt. „Welt“) geschrieben. Das Wort „Welt“ steht buchstäblich im Raum, es nimmt die quadratische, weiße Bühne von links nach rechts komplett ein. Mit „Dreier steht Kopf“ (im Orginal „Trójka na glowie“), einer Gastproduktion des Staatlichen Puppentheaters Tęcza, war zum ersten Mal ein fremdsprachiges Kinderstück im Rahmenprogramm der „Stücke“ zu sehen. Carsten Brandaus Text, der 2015 den KinderStücke-Preis gewann, hat Iwona Nowacka ins Polnische übersetzt.

Der Großteil der Mülheimer Zuschauer besteht aus polnischen Eltern und ihren Kindern. Für alle anderen sind deutsche Übertitel eingeblendet. Gelegentlich werden in der Inszenierung aber auch deutsche Wörter eingebaut. Es sind die Zahlwörter „eins“ bis „drei“. Der Wechsel der Sprache hebt die Bedeutung der Wörter hervor. Und auch mit den großen Buchstaben von „świat“ wird im Laufe der Inszenierung gespielt: Sie werden bewegt, verdreht, geworfen. Die „Welt“ bleibt also nicht stehen, aber sie bleibt in der gesamten Inszenierung präsent.

Auch inhaltlich geht es um weltliche Themen, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene relevant sind: Wir zählen in einer bestimmten Ordnung, aber der Wunsch danach, aus dieser Ordnung auszubrechen, ist groß. Unordnung wird durch das Spiel mit den Buchstaben deutlich gemacht. Auch Fragen nach Freundschaft und Ausgrenzung werden gestellt. Erzählt wird die Geschichte von Erste und Zweite. Die beiden sind Freundinnen und das heißt auch, füreinander da zu sein, wenn es der anderen schlecht geht. Und während Dritte auch dazugehören möchte, obwohl Erste und Zweite nur bis zwei zählen, will Zweite auch einmal die Erste sein. Auch hier zeigt sich der Wunsch, die Ordnung zu durchbrechen …

Durch die gesamte Inszenierung ziehen sich Wiederholungen. Oft verbinden die Schauspielerinnen auch Bewegungen mit Textpassagen, die genauso an immer denselben Stellen wiederholt werden. Das gibt dem Text eine Struktur, die trotz der Fremdsprache gut erkennbar ist. Immer wieder wird zum Beispiel gesagt, dass die Ordnung natürlich, ohne jeden Zweifel, beibehalten werden müsse: Sie sind keine Vögel und weil sie keine Vögel sind, müssen sie die Ordnung einhalten. Denn Vögel können nicht zählen. Sie hingegen schon. Aber wer sind eigentlich „sie“? Diese Frage stellen sich Erste, Zweite und Dritte. Die Antwort kommt von den Kindern im Publikum: „Menschen!“

Gespielt wird in einer kleinen Guckkastenbühne. Weißer Stoff rahmt sie ein. Mehr als die drei Darstellerinnen samt Buchstaben kann der Spielort nicht beherbergen. Trotzdem wirkt der Raum nicht klein oder beengend. Das dominierende Weiß erzielt eine vergrößernde Wirkung. Gekonnt bewegen sich die Schauspielerinnen mit großen Gesten in der Bühne, brechen auch aus dieser aus oder nehmen sie voll ein. Sie tanzen und bewegen sich in ihrem eigens geschaffenen Theaterraum. Das Bühnenbild ist einfach. Dadurch setzen sich aber die markanten Kostüme der Darstellerinnen stärker ab. Abgestimmt in den Farben Rot, Weiß und Schwarz erinnern sie an Zirkusclowns. Die Gesichter der Darstellerinnen sind weiß geschminkt mit Lippen in Herzform. Sie tragen. große, weite Röcke und einen Regenschirm. Immer ist Bewegung im Raum. Gerade für ein Kindertheaterstück ist die Verbindung mit der theatralen Form des Zirkus gelungen. Durch die Zirkuselemente wird die Aufführung spaßig und unterhaltsam.

Es ist fast schon schade, dass diese Inszenierung die unsichtbare vierte Wand beibehält. Die Kinder im Publikum verfolgten das Stück wachsam, dachten mit und kommentierten das Geschehen und das Gesagte. Als Kinderstück ist die Inszenierung durchaus gelungen, aber eine Interaktion mit dem Publikum würde hier sicherlich Freude machen.

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