Preisträger 2016: Wolfram Höll
„Drei sind wir“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträgerin 2013: Katja Brunner
„Von den Beinen zu kurz“ - Schauspiel Hannover, Foto: Katrin Ribbe
Preisträger 2006: René Pollesch
„Cappuccetto Rosso“ - Volksbühne Berlin/Salzburger Festspiele, Foto: Thomas Aurin
Preisträger 2010: Roland Schimmelpfennig
„Der goldene Drache“ - Burgtheater Wien, Foto: Reinhard Werner
Preisträger 2015: Ewald Palmetshofer
„die unverheiratete“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Georg Soulek
Preisträger 2005: Lukas Bärfuss
„Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2003: Fritz Kater
 „zeit zu lieben zeit zu sterben“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2004: Elfriede Jelinek
 „Das Werk“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Christian Brachwitz
Preisträgerin 2008: Dea Loher
„Das letzte Feuer“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2007: Helgard Haug & Daniel Wetzel, Rimini Protokoll
„Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ - Düsseldorfer Schauspielhaus, Foto: Sebastian Hoppe
Preisträgerin 2009: Elfriede Jelinek
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Arno Declair
Preisträger 2014: Wolfram Höll
„Und dann“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträger 2012: Peter Handke
„Immer noch Sturm“ - Thalia Theater Hamburg/Salzburger Festspiele, Foto: Armin Smailovic
Preisträger 2002: Elfriede Jelinek
„Macht Nichts“ - Schauspielhaus Zürich, Foto: Leonard Zubler
Preisträgerin 2017: Anne Lepper
„Mädchen in Not“ - Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner
Preisträgerin 2011: Elfriede Jelinek
„Winterreise“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Julian Röder
Zum Start der Serie

Weibsstücke I

Die „Stücke“ 2017 haben eine ausgezeichnete Frauenquote. Umso freier und unbeschwerter kann man sich also dem Thema Frauen und Feminismus im Theater widmen. Die Bloggerinnen Laura Konert und Victoria Weich erarbeiten hierzu die multimediale Serie „Weibsstücke“.

Die Statistik zeigt: Bei den 42. Mülheimer Theatertagen NRW haben die Frauen das Ruder in der Hand. Die Festivalleiterin arbeitet mit einem bis auf eine Ausnahme ausschließlich weiblichem Team, das Auswahlgremium beriet sich in einem Verhältnis von drei zu zwei, die Preisjury formiert sich aus vier Frauen und einem Mann. Bei den 2017 ausgewählten Stücken sind mit Olga Bach, Elfriede Jelinek und Anne Lepper drei Autorinnen im Rennen. Eine von ihnen ist zum 18. Mal nominiert: Elfriede Jelinek, die insgesamt – betrachtet man Frauen und Männer und alles, was es dazwischen gibt – wahrscheinlich eine der meistgespielten Dramatiker*innen im deutschsprachigen Raum ist. Auffällig ist allerdings, dass die Kategorie Regie diese weibliche Dominanz nicht repräsentiert; hier sind in diesem Jahr nur zwei von sieben Regisseur*innen weiblich.

Die Arbeit ist getan – lang lebe die Arbeit

Schaut man zehn, 20 oder gar 30 Jahre zurück, wird deutlich: Da liegt schon ein gutes Stück Arbeit an einer (quotentechnischen) Gleichstellung hinter uns. Vor allem die Zusammenstellung der Gremien hat sich deutlich verändert. Im Auswahlgremium wurde 1977 und 1987 ausschließlich von Männern entschieden, wer den Dramatikerpreis bekommen sollte, und auch unter den zu begutachtenden Autor*innen gab es jeweils nur eine Frau. Mit den diesjährigen Zahlen kann man zum Glück nicht mehr von einer personellen Benachteiligung der kulturschaffend und künstlerisch tätigen Frauen sprechen, doch ist damit eine feministische Perspektive auf die „Stücke“ noch lange nicht obsolet. Gerade durch die starke Position der Frauen können wir genauer hinhören, beobachten und analysieren. Es wird möglich, nach den erfolgreichen weiblichen Lebensläufen zu fragen und sich jenseits von grundlegenden – und immer noch notwendigen! – Forderungen nach struktureller Gleichbehandlung wirklich auf die Kunst zu konzentrieren. Wie leben die Protagonist*innen und Nebenfiguren der „Stücke“ in einer Welt der Festivalchefinnen, Männerpuppen und gegenderten Blogtexte? Hat das Publikum einen im weitesten Sinne feministischen Anspruch? Die Reihe „Weibsstücke“ wird sich diesen Fragen an den Orten des Festivals stellen; ob im Foyer oder mit Blick auf die Bühne und in die Texte: Wir möchten Zwischentöne in der Geschlechterfrage hörbar machen und an dieser Stelle dokumentieren und kommentieren.

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