Preisträgerin 2011: Elfriede Jelinek
„Winterreise“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Julian Röder
Preisträger 2014: Wolfram Höll
„Und dann“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträger 2007: Helgard Haug & Daniel Wetzel, Rimini Protokoll
„Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ - Düsseldorfer Schauspielhaus, Foto: Sebastian Hoppe
Preisträger 2006: René Pollesch
„Cappuccetto Rosso“ - Volksbühne Berlin/Salzburger Festspiele, Foto: Thomas Aurin
Preisträgerin 2009: Elfriede Jelinek
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Arno Declair
Preisträger 2004: Elfriede Jelinek
 „Das Werk“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Christian Brachwitz
Preisträgerin 2013: Katja Brunner
„Von den Beinen zu kurz“ - Schauspiel Hannover, Foto: Katrin Ribbe
Preisträger 2015: Ewald Palmetshofer
„die unverheiratete“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Georg Soulek
Preisträger 2010: Roland Schimmelpfennig
„Der goldene Drache“ - Burgtheater Wien, Foto: Reinhard Werner
Preisträgerin 2017: Anne Lepper
„Mädchen in Not“ - Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner
Preisträger 2002: Elfriede Jelinek
„Macht Nichts“ - Schauspielhaus Zürich, Foto: Leonard Zubler
Preisträger 2003: Fritz Kater
 „zeit zu lieben zeit zu sterben“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2012: Peter Handke
„Immer noch Sturm“ - Thalia Theater Hamburg/Salzburger Festspiele, Foto: Armin Smailovic
Preisträger 2005: Lukas Bärfuss
„Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2016: Wolfram Höll
„Drei sind wir“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträgerin 2008: Dea Loher
„Das letzte Feuer“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Kritik „Aus die Maus“

Wahrnehmen und anlächeln

Obdachlosigkeit ist ein schwieriges Thema, mit dem auch Kinder sich auseinandersetzen können und sollten. Das vermittelt zumindest „Aus die Maus“ vom Grips Theater. Noch vor der Jurydiskussion hat sich Blog-Autorin Erika Walter die letzte Inszenierung der KinderStücke angesehen.

„Ah!“, „Oh!“, „Voll cool!“ – die Inszenierung „Aus die Maus“ des Grips Theaters in Berlin fordert die Kinder im Publikum von Beginn an auf am Stück teilzunehmen. Und das Mülheimer Publikum im Theater an der Ruhr kommt dieser Einladung nach: die Kinder rufen rein, antworten und kommentieren. Einzelne Zaubertricks rufen große Begeisterung hervor. Spaß und Witz begleiten Obdachlosigkeit als ernste Thematik. Eine Maus (Frederic Phung) gibt eine Vorstellung aus Zaubertricks und Musiknummern, die von der obdachlosen Kippe (Regine Seidler) unterbrochen wird. Sie kommt zunächst nur für das Publikum sichtbar hinter der Bühne hervor. Bei dem Versuch den Theatersaal unbemerkt zu verlassen, poltert sie mit ihrem Wagen voller Habseligkeiten auf die Bühne der Maus. Die steht Kippe anfangs ablehnend gegenüber. Trotzdem möchte sie im Laufe des Stückes der neuen Freundin helfen. Doch diese Aufgabe ist weitaus größer und schwerer als angenommen.

Stück im Stück

„Aus die Maus“ wurde nicht als Stück geschrieben, um dann zur Aufführung gebracht zu werden. Es wurde gemeinsam von Autor Georg Piller und Regisseurin Nadja Sieger mit dem Ensemble als Theaterexperiment erarbeitet. Dass man keine durchgeplante Dramaturgie, sondern ein Stück aus ursprünglichen Improvisationen vor sich hat, merkt man der Struktur des Stückes als positive Abwechslung an. Die Inszenierung ist nicht in einer Szenenabfolge festgefahren. Der Dialog wirkt tatsächlich wie improvisiert und damit frei. Kindern bietet diese Form der Inszenierung eine Möglichkeit sich am Geschehen zu beteiligen.

Eine genauso schöne Abwechslung auf der Theaterbühne ist es, dass die Inszenierung metatheatral ist. Die Inszenierung stellt ein Stück im Stück dar. Die Performance der Maus ist die erste Ebene, die durch das Erscheinen von Kippe unterbrochen wird. Damit entsteht die zweite Ebene: Zaubertricks und Rap sind das Stück in dem Stück, welches die Geschichte von Kippe und Maus erzählt. Obwohl Kippe die Show der Maus mehrmals unterbricht, versucht die Maus doch immer wieder zurück zu ihrer ursprünglichen Vorstellung zu gelangen. Auf die erste Ebene zurück zu kommen gelingt aber nicht, weil Kippe nun auf der Bühne präsent ist. Am Ende wird auf diese Konstruktion wieder Bezug genommen. Kippe hat Angst, dass ihr Versteck von den Kindern verraten wird. Die Maus aber erklärt, dass die Kinder ohnehin denken, dass das Ganze nur ein Schauspiel ist. Regine Seidler spielt also die obdachlose Kippe, die eine Schauspielerin spielt. Eine offensichtliche Illusion, die so schön ist, dass es fast schade ist, dass das anschließende Publikumsgespräch sie platzen lässt.

Lichtspiele

Die Maus hat ein eigenes Lichtpult sowie ein Keyboard auf der Bühne. Zu Beginn rappt sie. Sie versucht die Kinder direkt mit einzubeziehen. Sie sollen sich am Beat beteiligen, der aus den vorgegebenen Geräuschen das Wort „Maus“ bildet. Die Aufgabe der Kinder wird nicht direkt klar und auch, dass das Wort Maus aus Geräuschen gebildet wird, hat nicht den gewünschten Effekt. Auch bewirkt der restliche Einsatz von Musik wenig. Das Licht hingegen unterstützt die Atmosphäre auf der Bühne. Es ist scheinbar die Maus, die verschiedene Lichteinstellungen auf der Bühne eigenständig verändert. Vor allem mit farbigem Licht arbeitet die Inszenierung. Die Maus pustet zum Beispiel Seifenblasen, in denen sich das grüne Licht spiegelt. Ein anderes Mal stehen Maus und Kippe unter einem Scheinwerfer, der während ihres selbstinszenierten Schneesturms aus runden Papierschnipseln blaues Licht auf die beiden wirft. Am Anfang des Stückes bleibt das Saallicht zunächst an. Später einmal löscht Kippe versehentlich das gesamte Licht.

Auf die Kinder im Publikum haben diese Einstellungen des Lichtes großen Einfluss. Ist das Saallicht an, rufen die Kinder rein oder unterhalten sich miteinander über das, was sie gerade auf der Bühne sehen. Ist das Licht komplett aus, gedimmt oder farblich zentriert sind die Kinder ruhig. Es liegt dann eine erwartende Spannung in der Luft. Beeindruckt ist das junge Publikum von einem kleinen Licht, mit dem die Maus spielt. Im Dunkeln erleuchtet plötzlich ein rotes Licht am Daumen der Maus, welches sie greift und in Tüten packt. Später werfen sich Kippe und Maus das Licht in einem Spiel bei völliger Dunkelheit hin und her, wobei sie sich bewegen und springen müssen, um das Licht fangen zu können. Die Kinder waren von diesem Effekt genauso begeistert wie von den Zaubertricks.

Lehrreiches Theater

Wie andere Kinderstücke hat auch dieses eine belehrende Funktion. Die anfängliche Ablehnung der Kinder gegenüber der obdachlosen Frau ist fast schon erschreckend. Die Kinder nehmen direkt an, dass sie die Sachen der Maus stehlen will und rufen ihr zu, dass sie weggehen soll. Diese Reaktionen zeigen noch während der Vorstellung, warum ein Kinderstück mit dieser Thematik sinnvoll ist. So erreicht die Inszenierung, was sie erreichen möchte: Sie macht Kinder auf Obdachlosigkeit aufmerksam. Das Stück regt die Kinder zum Nachdenken an. „Wie kann man Obdachlosen als Kind helfen?“, lautet eine Frage während des Publikumsgesprächs. Die Antwort ist sehr einfach: Sie wahrnehmen und anlächeln. 

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