Preisträgerin 2009: Elfriede Jelinek
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Arno Declair
Preisträger 2015: Ewald Palmetshofer
„die unverheiratete“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Georg Soulek
Preisträgerin 2011: Elfriede Jelinek
„Winterreise“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Julian Röder
Preisträger 2003: Fritz Kater
 „zeit zu lieben zeit zu sterben“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2004: Elfriede Jelinek
 „Das Werk“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Christian Brachwitz
Preisträger 2007: Helgard Haug & Daniel Wetzel, Rimini Protokoll
„Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ - Düsseldorfer Schauspielhaus, Foto: Sebastian Hoppe
Preisträger 2002: Elfriede Jelinek
„Macht Nichts“ - Schauspielhaus Zürich, Foto: Leonard Zubler
Preisträger 2006: René Pollesch
„Cappuccetto Rosso“ - Volksbühne Berlin/Salzburger Festspiele, Foto: Thomas Aurin
Preisträger 2005: Lukas Bärfuss
„Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträgerin 2008: Dea Loher
„Das letzte Feuer“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2012: Peter Handke
„Immer noch Sturm“ - Thalia Theater Hamburg/Salzburger Festspiele, Foto: Armin Smailovic
Preisträgerin 2013: Katja Brunner
„Von den Beinen zu kurz“ - Schauspiel Hannover, Foto: Katrin Ribbe
Preisträgerin 2017: Anne Lepper
„Mädchen in Not“ - Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner
Preisträger 2016: Wolfram Höll
„Drei sind wir“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträger 2010: Roland Schimmelpfennig
„Der goldene Drache“ - Burgtheater Wien, Foto: Reinhard Werner
Preisträger 2014: Wolfram Höll
„Und dann“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Speisekarte XIV

Theaterfasten

Im Theatersaal wird nicht gegessen. Höchstens lässt man sich mal verstohlen ein Stück Traubenzucker auf der Zunge zergehen. Ist ja auch eigentlich kein Problem – es sei denn, der Theaterabend dauert länger, als es dem Magen lieb ist. Blog-Autorin Henrike Reintjes bemüht sich um Abhilfe.

Zugegeben: Es gibt wohl wenig, dem ich täglich mehr Gedanken widme als dem Essen. Meistens lässt sich das auch mit einer Theaterleidenschaft gut vereinbaren, obwohl das Theater an sich ja nicht gerade das Paradies für Essensliebhaber ist: Im Publikumssaal herrscht höchstes Essverbot, die Spielzeiten fallen meistens genau in die Abendessen-Primetime und im Foyer muss man Glück haben, um eine Laugenbrezel zu erwischen. All das jedoch stellt mit ein bisschen Planung kein unüberwindbares Problem dar – zumal dann, wenn man gerne zweimal zu Abend isst: ein Essen vor und eins nach der Vorstellung. Was aber tut man, wenn zwischen vor und nach der Vorstellung ganze vier Stunden überbrückt werden müssen?

Andernorts ist das Essen im Publikumssaal keine große Sünde. In London ist es so verbreitet, dass Journalist Ben Hewis auf der Theaterseite „WhatsOnStage“ seine Mit-Theaterbesucher*innen bittet, bei der Aufführung kein Fast Food zu verzehren. Auch auf seiner No-Go-Liste befindet sich alles, was viele Geräusche macht und stark riecht. Ersteres ist vor allem bei Verpackungen ein Problem, daher empfiehlt er, sie schon im Voraus zu öffnen. Geeignet seien Marshmallows, weiches Brot und Bananen. Überzeugen tut mich dies noch nicht – insbesondere Bananen würde ich nicht als geruchlos bezeichnen. Eine andere Lösung muss also her: Schließlich sitzen wir alle im selben Stück.

Es bleiben also die Aufwärmübungen, d.h. die richtige Vorbereitung. Ratschläge für die beste Ernährung vor einem Jelinek-Stück scheint es noch nicht zu geben. Ich öffne meine Recherche und stoße auf Ratschläge für Schauspieler*innen und Tänzer*innen. Die bewegen sich in der Regel aber auch deutlich mehr als ich während der Inszenierung. Die Frage bleibt: Was hält lange satt? Schnell merke ich: Gestellt wird diese Frage meistens von Menschen auf Diät. Somit kommen die meisten Ergebnisse von Frauenzeitschriften und Onlineforen. Auch die Apotheken-Rundschau richtet sich an Menschen die den Wunsch hegen, abzunehmen. Aber was soll‘s, wenn es mir nur hilft, ohne knurrenden Magen im Theater zu sitzen. Doch hier erfahre ich nur, dass Eiweiß, Vollkornprodukte und Gemüse länger satt machen als Zucker und Weißbrot. Das entspricht ungefähr dem, was mir bekannt war, und mit Ausnahme der Vollkornprodukte auch dem, was ich so an einem normalen Tag ohnehin esse.

Doch dann fällt mir ein, dass gestern Ramadan begonnen hat. Während des Fastenmonats essen und trinken fastende Muslim*innen nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang. Dagegen sind vier Stunden Jelinek ja wohl ein Kinderspiel, vor allem, wenn Ramadan wie dieses Jahr auf einen Sommermonat mit heißen und langen Tagen fällt. Beim Iftar, der ersten gemeinsamen Abendmahlzeit, wird das Fasten dann mit Datteln gebrochen, bevor es andere Gerichte gibt. Das Feld der Theaterpublikumsernährungsforschung ist zwar noch weit offen, doch wenn das Stück zu Sonnenuntergang sein Ende findet, freuen sich bestimmt auch Kurzzeit-Fastende über eine Packung Datteln, die man wunderbar während des Publikumsgesprächs teilen kann.

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