Preisträger 2003: Fritz Kater
 „zeit zu lieben zeit zu sterben“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2002: Elfriede Jelinek
„Macht Nichts“ - Schauspielhaus Zürich, Foto: Leonard Zubler
Preisträgerin 2008: Dea Loher
„Das letzte Feuer“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2010: Roland Schimmelpfennig
„Der goldene Drache“ - Burgtheater Wien, Foto: Reinhard Werner
Preisträger 2012: Peter Handke
„Immer noch Sturm“ - Thalia Theater Hamburg/Salzburger Festspiele, Foto: Armin Smailovic
Preisträger 2007: Helgard Haug & Daniel Wetzel, Rimini Protokoll
„Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ - Düsseldorfer Schauspielhaus, Foto: Sebastian Hoppe
Preisträger 2005: Lukas Bärfuss
„Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2015: Ewald Palmetshofer
„die unverheiratete“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Georg Soulek
Preisträgerin 2013: Katja Brunner
„Von den Beinen zu kurz“ - Schauspiel Hannover, Foto: Katrin Ribbe
Preisträger 2006: René Pollesch
„Cappuccetto Rosso“ - Volksbühne Berlin/Salzburger Festspiele, Foto: Thomas Aurin
Preisträger 2016: Wolfram Höll
„Drei sind wir“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträgerin 2009: Elfriede Jelinek
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Arno Declair
Preisträgerin 2011: Elfriede Jelinek
„Winterreise“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Julian Röder
Preisträger 2004: Elfriede Jelinek
 „Das Werk“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Christian Brachwitz
Preisträgerin 2017: Anne Lepper
„Mädchen in Not“ - Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner
Preisträger 2014: Wolfram Höll
„Und dann“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Publikumsgespräch II

Der Freak und die Entenküken

Auch Publikumsgespräche nach der zweiten Vorstellung können es in sich haben. So war das auch gestern Abend bei der Diskussion zu „Vereinte Nationen“, die viel Gesprächsstoff bot und ein zwiegespaltenes Publikum hinterließ. Blog-Autorin Isabelle Bach war dabei.

„Das ist doch Quatsch“ hört man gleich nach fünf Minuten eine alte Dame aus den hinteren Reihen leise murren, die daraufhin zielstrebig den Raum verlässt. Clemens J. Setz ist gerade dabei, die Entstehungsprozesse seiner poetischen Texte zu erläutern. Man müsse sich klarmachen, dass Poesie nicht die Frucht der Ruhe und einer unbeschadeten Existenz sei, vielmehr entstehe sie aus Problemen heraus. Mit einer vergnüglichen Anekdote über Entenküken, die auf einen Roboter konditioniert sind und diesen durch ihr Piepsen anlocken, erklärt er weiter, wie sich der Autor und die Figuren seiner Texte zueinander verhalten. Der Autor rufe lediglich nach seinen Figuren und solle diese danach sich selbst überlassen, sie würden sich dann von selbst weiterentwickeln. „Sobald man eingreift, erschießt man die Figur und sie wird langweilig.“

Moderator Michael Laages findet die Geschichte interessant, weitere Kommentare fallen niemandem ein. Während die Schauspieler auf dem Podium intensiv über ihre persönlichen Social media-Erfahrungen berichten, ist Clemens J. Setz verstummt. Man wird das Gefühl nicht los, dass das ganze Ensemble sich auf gewisse Punkte im Stück fokussiert, während der Autor tiefer geht und differenzierte mögliche Lesarten des Textes vorschlägt. Dieser erzählt lieber davon, dass viele Menschen ihn für einen Freak halten. Doch das sei er mittlerweile gewöhnt. Setz macht deutlich, dass es immer auf den Standpunkt ankommt, von dem man etwas bewertet. „Ich finde die Welt und die Menschen in ihr viel gruseliger als mein Stück“, erklärt er. „Nehmen wir zum Beispiel das Theatercasting. Da stehen Mädchen auf der Bühne, die nacheinander aussortiert werden. Stellen wir uns mal vor, ein Theatercasting gäbe es in der realen Welt noch nicht, ich hätte mir das Konzept ausgedacht. Dann hätten mich auch alle für einen Freak gehalten.“ Setz selbst versteht sein Stück übrigens als Komödie. Wenn auch nicht im klassischen Sinne.

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