am beispiel der butter

Schauspiel Leipzig

1 Stunde 20 Minuten

 

 

Stücke 2014


Trägt Ferdinand Schmalz nicht etwas dick auf? Der Österreicher mit dem deftigen Künstlernamen nennt sein Debütstück am beispiel der butter, um dann munter Molkerei-Metapher an Molkerei-Metapher zu reihen, Milch-Wortspiel an Milch-Wortspiel. Das klingt zunächst, das müssen wir zugeben, nach ziemlich bemuhtem – Entschuldigung – bemühtem Humor. Aber, was sollen wir sagen: Die Milch machts in seinem Text. Tatsächlich.
Schmalz, zurzeit noch Student der Theaterwissenschaft, ist eine echte Entdeckung. Ihm gelingt das Kunststück, am Modell einer winzigen Provinzmolkerei die halbe Welt zu analysieren: den Kapitalismus, die Konstitution von Gemeinschaften. Es ist schon erstaunlich, wie weit ihn seine Metaphern dabei tragen, welch ernste, abstrakte Gedanken er in ihnen zu fassen bekommt – und wie butterweich er diese ernsten Gedanken serviert. Schmalz schreibt sprachgewitzt, spielt mit kulturhistorischen Verweisen, jongliert mit Zitaten, und weil er Österreicher ist, denkt man beim Lesen schnell an Elfriede Jelinek und noch schneller an Werner Schwab. Schmalz selbst denkt beim Schreiben mehr an Theoretiker: an Giorgio Agamben, an Walter Benjamin, an Hannah Arendt. Die „Heftigkeit der Denkbewegungen“, so sagt er, die er in deren theoretischen Texten vorfinde, wolle er in seinen fiktionalen Texten „in Rhythmus übersetzen“. In Rhythmus und butterernste Dialoge.
In seinem Debütstück ist Schmalz das grandios gelungen. Der Text liest sich wie geschmiert.
Tobias Becker

 

Uraufführung: 
2.3.2014

 

Mit: Henriette Cejpek, Runa Pernoda Schaefer, Wenzel Banneyer, Ulrich Brandhoff, André Willmund

Regie: Cilli Drexel
Bühne: Timo von Kriegstein
Dramaturgie: Julia Figdor
Kostüme: Nicole Zielke
Licht: Veit-Rüdiger Griess

 

Ferdinand Schmalz über am beispiel der butter

„Man kann an den Milchprodukten die Veränderung schmecken”

 

Stückabdruck: 
Stückabdruck in Theater heute, Heft 4/2014