am beispiel der butter

von Ferdinand Schmalz
Schauspiel Leipzig
 

Alles in Butter

Trägt Ferdinand Schmalz nicht etwas dick auf? Der Österreicher mit dem deftigen Künstlernamen nennt sein Debütstück am beispiel der butter, um dann munter Molkerei-Metapher an Molkerei-Metapher zu reihen, Milch-Wortspiel an Milch-Wortspiel. Das klingt zunächst, das müssen wir zugeben, nach ziemlich bemuhtem – Entschuldigung – bemühtem Humor. Aber, was sollen wir sagen: Die Milch macht´s in seinem Text. Tatsächlich.
Schmalz, zurzeit noch Student der Theaterwissenschaft, ist eine echte Entdeckung. Ihm gelingt das Kunststück, am Modell einer winzigen Provinzmolkerei die halbe Welt zu analysieren: den Kapitalismus, die Konstitution von Gemeinschaften. Es ist schon erstaunlich, wie weit ihn seine Metaphern dabei tragen, welch ernste, abstrakte Gedanken er in ihnen zu fassen bekommt – und wie butterweich er diese ernsten Gedanken serviert. Schmalz schreibt sprachgewitzt, spielt mit kulturhistorischen Verweisen, jongliert mit Zitaten, und weil er Österreicher ist, denkt man beim Lesen schnell an Elfriede Jelinek und noch schneller an Werner Schwab. Schmalz selbst denkt beim Schreiben mehr an Theoretiker: an Giorgio Agamben, an Walter Benjamin, an Hannah Arendt. Die „Heftigkeit der Denkbewegungen“, so sagt er, die er in deren theoretischen Texten vorfinde, wolle er in seinen fiktionalen Texten „in Rhythmus übersetzen“. In Rhythmus und butterernste Dialoge.
In seinem Debütstück ist Schmalz das grandios gelungen. Der Text liest sich wie geschmiert.

Tobias Becker

 

Uraufführung am 02.03.2014, Schauspiel Leipzig

 

Mit:
Henriette Cejpek, Runa Pernoda Schaefer, Wenzel Banneyer, Ulrich Brandhoff, André Willmund


Regie: Cilli Drexel
Bühne: Timo von Kriegstein
Dramaturgie: Julia Figdor
Kostüme: Nicole Zielke
Licht: Veit-Rüdiger Griess

 

Aufführungsdauer: 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause
Aufführungsrechte: S. Fischer Theater&Medien Verlag, Frankfurt am Main


Stückabdruck in Theater heute, Heft 4/2014

www.schauspiel-leipzig.de/

 

 


Ferdinand Schmalz über "am beispiel der butter"
"Man kann an den Milchprodukten die Veränderung schmecken"

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