
Die Mülheimer Theatertage arbeiten eng mit verschiedenen Hochschulen zusammen. Dr. Robin Junicke (Ruhr-Universität Bochum), Simone Saftig und Prof. Dr. Alexander Nebrig (Heinrich Heine Universität Düsseldorf), Prof. Dr. Damaris Nübel (katho Aachen) und Dr. Anna Quednau (Universität Duisburg-Essen) bieten Seminare an, die sich intensiv mit den Stücken des Festivalprogramms befassen. Die Studierenden diskutieren die Texte, besuchen Inszenierungen, betätigen sich als Theaterkritiker*innen oder bringen sich bei den Publikumsgesprächen ein.
Kooperationen bestehen überdies mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, der TU Dortmund, der Universität Osnabrück sowie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Studierende der Szenischen Forschung an der Ruhr-Universität Bochum setzten sich künstlerisch mit den Wettbewerbsstücken auseinander. Smilla Ann, Anjali Bröcker, Judith Grytzka, Lukas Jakob Huber, Alina Mathiak, Faezeh Mojahedtalab, Carolin Charlotte Pfänder, Lisa Schäfer, Saskia Schalenbach und Johanna Sowka entwickeln eigene Arbeiten, die von den nominierten Texten inspiriert sind. Während des Festivals stellen die Studierenden, die von Prof. Dr. Sven Lindholm und Dr. Robin Junicke betreut werden, ihre Projekte vor.
Smilla Ann ist Regisseurin und Autorin. Sie entwickelt Figuren und Stücke, immersive Räume und Bühnen. Angereichert durch ihren Philosophie-Background verhandelt sie Existenzdispute in szenischen Kontexten, die oft gesellschaftskritisch gelesen werden können. Weitere Interessensgebiete sind u.a. der Posthumanismus und der Aufbruch von Theaterstruktur. Während ihres Studiums in Hildesheim (B.A. Philosophie/Schreiben) fand sie am Staatstheater Hannover zur Regie. Bei den Universen lernte sie mit Yahya Hassan von Dramaturg und Regisseur Murat Dikenci das Inszenieren abseits des Sprechtheaters kennen. Schweigen als Kontrastmodul zu Text und Spiel prägen Smillas Arbeiten seitdem. Weitere Regie-Hospitanzen führten sie nach Berlin, wo sie mit Schauspielerin Linda Marie Rohrer ein Monologstück auf der Grundlage von Elfriede Jelinks „Winterreise“ inszenierte. Seit April 2024 studiert Smilla Ann unter der Leitung von Prof. Dr. Lindholm im Masterstudiengang Szenische Forschung in Bochum.
Anjali Linn Bröcker (sie/ihr) bewegt sich als Performerin, Kunst- und Kulturvermittlerin im Raum Theater, Tanz & Zirkus. In ihrem Lehramtsstudium Germanistik, Sportwissenschaft & Darstellendes Spiel legte sie ihren Fokus auf ästhetische Bildungsprozesse. Seit 2024 studiert sie Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum. Im LATIBUL, dem Zirkus- und Theaterpädagogischen Zentrum in Köln hat sie einen Ort gefunden, wo sie sich pädagogisch weiterentwickeln und künstlerisch experimentieren kann. Dort konzipiert sie u.a. performative Kunst für Junges Publikum und den Öffentlichen Raum - mit dem Ziel, kreative Räume für Teilhabe und kooperatives Handeln zu öffnen. In ihrem Masterstudium knüpft sie daran an und beschäftigt sich mit der Inszenierung multiperspektivischer Assoziationsräume. Besonders interessiert sie sich für immersive Hybrid-Formate zwischen Choreografie, Poesie und Material.
Judith Grytzka (*1994, Dortmund) ist Regisseurin, Theaterpädagogin und Autorin. Seit 2020 ist sie Master-Studentin im Bereich „Szenische Forschung“. Ihre künstlerische Arbeit fokussiert sich auf einen feministischen Blick auf klassische Dramentexte, insbesondere auf marginalisierte Frauenrollen. Ihr Projekt „und Julia“ stellt die Frauenstimmen in den Vordergrund, während die Männerfiguren fehlen. Ihr aktuelles Masterprojekt thematisiert die gesellschaftliche und künstlerische Dimension der Ordnung.
Der Künstler und Performer Lukas Jakob Huber (*1993, er/ihm) lebt und arbeitet in Köln. Er absolvierte zunächst einen Bachelor in Physik bevor er Schauspiel an der HfS „Ernst Busch“ in Berlin studierte. Während seines dreijährigen Festengagements am Pfalztheater Kaiserslautern entwickelte er erste eigene Arbeiten und erhielt dafür ein Stipendium der Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern. Heute ist er weiterhin als Schauspieler an verschiedenen Theatern in NRW zu sehen, konzentriert sich jedoch zunehmend auf seine eigenen künstlerischen Konzepte. In seinen Arbeiten interessiert ihn die Übertragung physikalischer Konzepte in performative Strategien und Narrative: So beschäftigen ihn momentan Überlagerungszustände und der Begriff der quantenmechanischen Verschränkung. Seit 2024 studiert er zudem Szenische Forschung im Master an der Ruhr Universität Bochum. Er sucht nach subtilem Humor, Mehrschichtigkeit und dem poetisch-Charmanten.
Alina Mathiak (*1997) ist freie Performerin und Produktionsleiterin, die mit Künstler:innen wie Miriam Michel und bei Festivals wie den Ruhrfestspielen und der Ruhrtriennale gearbeitet hat. Ihre Arbeiten thematisieren die menschliche Psyche und hinterfragen, wie kulturelle und gesellschaftliche Themen in der Kunst reflektiert werden. Besonders beschäftigt sie sich mit Angst, deren gesellschaftlicher Stigmatisierung und dem Schweigen darüber in Familien. Mit ihrem Kollektiv „Lovergirls“ untersucht sie die Definition von Liebe.
Carolin Charlotte Pfänder (*1994, Heidelberg, sie/ihr) arbeitet als Theatermacher*in & Lehrbeauftragte an der Schnittstelle einer künstlerischen und akademischen Praxis. In ihren Arbeiten erforscht sie mit theatralen, medialen sowie feministischen Strategien Fragestellungen zu gesellschaftspolitischen Diskursen und Narrativen, in der sich die Vermittlung von Wissenschaft in der Textproduktion wiederfindet. In der west off Produktion „Happy Ever After. und wenn sie nicht gestorben sind…“ erforschte sie Märchenerzählungen im Kontext von sexualisierter Gewalt. Ihre Masterarbeit „Comfort Binge Watching mit Allerliebst, C“ ist eine Lecture-Performance über Wiederholungs-, Therapie- und Veränderungsprozesse (24.01.25, Theater im Depot).
Lisa Schäfer (sie/ihr) hat ihren Bachelor in Theater- und Medienwissenschaft gemacht und war begeistert und irgendwie auch nicht. Als Suchende studiert sie seit 2023 Szenische Forschung. Als Performerin und Kunst(was-auch-immer-das-ist)Schaffende arbeitet sie multimedial, installativ, filmisch, postdramatisch, progressiv und akustisch. Dabei greift sie immer wieder auf ihren Körper und ihre Erfahrungen/Erinnerungen als eigenes Material zurück. Lisas Interessen gelten dem Monströsen und Tabuisierten der Gesellschaft sowie der Hinterfragung der eigenen Existenz in dieser. Ihre liebsten Bühnen sind die, die keine sind und das, was dazu werden könnte. Sie ist seit 2020 Teil des Kaleidoskop Kollektiv, bestehend aus sechs Frauen, die mit feministischem Ehrgeiz im Ruhrgebiet Krach machen.
Saskia Schalenbach (sie/ihr) fand ihren Weg in die Theaterszene als Regieassistentin und Inspizientin im Stadttheater. Nach drei Spielzeiten suchte sie neue Impulse im Studium der Medien- und Kulturwissenschaft in Düsseldorf. Seitdem arbeitet sie in verschiedenen Positionen im Stadttheater und in der freien Szene, unter anderem beim düsseldorf festival! und Impulse Festival und für das kainkollektiv. Seit 2023 probiert sie sich in der Szenischen Forschung selbst künstlerisch aus. Ihr Fokus liegt auf performativen Installationen und dem Gestalten von Räumen. Dabei beschäftigt sie sich insbesondere mit Formen der Publikumsinvolvierung und der Wirkung von impliziten und expliziten Handlungsanweisungen.
Johanna Sowka (sie/ihr) hat ihr Bachelorstudium in Theater- und Medienwissenschaft absolviert und studiert seit April 2024 Szenische Forschung. Sie arbeitet an künstlerischen, multimedialen Arbeiten in performativen, installativen, akustischen und filmischen Formen. Johanna Sowka beschäftigen Themen von Perspektive, Raum und Körper sowie das Finden von kleinen Schnittstellen für große Diskurse, die die normative Wahrnehmung ausstellen und hinterfragen. Sie ist seit 2020 außerdem Teil des Kaleidoskop Kollektivs, einem feministischen Kunst- und Theater Kollektiv aus Bochum.