3 von 5 Millionen

Foto: Iko Freese



Fritz Katers Arbeitsmarktstudie «3 von 5 Millionen» sind gleich drei Stücke in einem und ein konzentrierter Lehrgang über die Frage, ob und wie man die wirklich Armen von den immer noch vergleichsweise reichen Repräsentationsbühnen herab in die Arme schließen kann, ohne dabei unglaubwürdig zu werden. Teil eins kommt aus der Tiefe der Abwehr: ein rasches tränenseliges Mitleids-Dribbling durch Leonhard Franks Wirtschaftskrisen-Roman von 1932, «Von drei Millionen drei». Es folgt der Steilpaß in den Sturm: «Bacon spricht», ein fulminanter Monolog und ebenso souveränes Kunst-Programm sehr frei nach Leben und Werk des Malerei-Autodidakten mit seinen deformiert-gequälten Kreaturen. Im dritten und letzten Teil sind die 3 von 5 Millionen tatsächlich ins Heute gefallen. Martin, Sebi und Dirk haben alle mal irgendwas mit Kunst angefangen und schlagen sich jetzt so durch. Was dann zwischen durchzechter Nacht, Polenmarkt, Banküberfall, Bauchschuss, Flucht, Datscha und Müggelsee-Bootspartie genau passiert, ist nicht so wichtig. Entscheidender, wie Thomas Lawinky, Peter Kurth und Milan Peschel an ihren deutlich ostbiographischen Turnstangen ihre Lebensrollenübungen aufführen zwischen alter Liebe und schnellem Tod, Slapstick, Klamauk und seelenentblößender Verzweiflung. Vor allem weigern sie sich beharrlich, die soziale Frage ernst zunehmen: «mal sehn wies weitergeht irgendwie wird`s schon weitergehn.» Das ist zwar keine Lösung, aber die hat sonst ja auch niemand anzubieten.
Franz Wille

Uraufführung: 
15. Januar 2005

Mit: Margit Bendokat, Steffi König, Katharina Schmalenberg, Christine Schorn, Peter Kurth, Thomas Lawinky, Milan Peschel, Thomas Schmidt
Regie: Armin Petras
Musik: Sir Henry
Bühnenbild: Bernd Schneider
Kostüme: Anette Riedel
Puppen: Steffi König

Ein Auftragswerk des Deutschen Theaters