Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zaunes schaute

Jens Raschke: Was das Nashorn sah, als es... / Foto: Uwe Lewandowski
10+

Eine Stunde, keine Pause



Ein Zoo. Die Tiere darin führen ein unaufgeregt beschauliches Leben. Was auf der anderen Seite des Zauns passiert, kümmert sie nicht. Auch der plötzliche Tod des Nashorns ändert nichts daran, und über das Warum wird nicht lange gegrübelt. Erst die Ankunft eines neuen Mitbewohners, des jungen Bären, irritiert ihre fragile, heile Welt, als er sie mit unangenehmen Fragen konfrontiert. Woran ist da Nashorn gestorben? Wer sind die Gestreiften auf der anderen Seite des Zauns, die aussehen wie dünne Zebrawesen, aber auf zwei Beinen gehen? Und wer sind die Gestiefelten? Warum stinkt die Luft so unerträglich? Und ist das etwa der Grund, warum es hier keine Vögel gibt? Das sorgt bei den Zoobewohnern für allerhand Aufregung und der Pavian rät dem Bären, seine Neugier zu zügeln und sich nicht in die Angelegenheiten anderer einzumischen, da er sonst sein Leben und auch das der anderen Zoobewohner gefährde. Aber der Bär schafft es nicht wegzuschauen, und schließlich trifft er eine mutige Entscheidung.
Der historische Zoo im KZ Buchenwald lieferte Jens Raschke die Folie für sein Stück, in dem es ihm vor allem um dieses Weg- und Hinschauen geht. In Zeiten, in denen Zäune wieder unsere Realität bestimmen, ist dies eine hochaktuelle Parabel auf unsere Gesellschaft, die sich dringender denn je  positionieren muss. Es mahnt, uns nicht rauszuhalten sondern darüber nachzudenken, was wir auch im Kleinen tun können, Menschen in Not zu helfen.
Werner Mink
 

Uraufführung: 
am 27. Februar 2016

Mit: Anja S. Gläser, Thomas Hofer, 
Marius Lamprecht
Regie: Ramin Anaraki
Bühne und Kostüm: Linda Schnabel
Dramaturgie: Maria Schneider

Das Stück entstand mit Hilfe eines Arbeitsstipendiums der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein.