Patricks Trick

© Tom Schulze
10+
70 Minuten, keine Pause



Mutter und Vater sind jetzt oft ernst und bedrückt; sie schließen die Tür vor Patrick, wenn sie miteinander reden – was ist los, trennen sie sich? Ist er selbst mal wieder schuld?
Nein, das nicht, findet er heraus. Er bekommt einen Bruder. Gut, ein älterer, lässig-starker, großer Bruder, ein „Bro“, wäre ihm lieber, aber sollten die Eltern nicht strahlen und „guter Hoffnung“ sein, wie es heißt? So ratlos hat er sie noch nie gesehen.
Patrick erfährt den Grund: Der Bruder wird behindert sein, da hofft es sich eben nicht mehr so leicht. Er wird besonders sein, der Bruder. Viel Zeit, Geduld und Zuwendung benötigen. Die Eltern fragen sich, ob sie die Kraft dafür finden, und Patrick?
Cool ist er nicht, dieser Bruder, und wird es nie. Oder doch? Wie genau wird er sein, was kann und will und schafft er überhaupt? Was werden die Freunde sagen? Das ist ihm wichtig, noch wichtiger ist aber: Was kann er, Patrick, für ihn tun? Essen, trinken, fühlen wird er schon können, aber soll das alles sein? Das darf nicht alles sein! Wäre es so, ließe er seinen Bruder schäbig mit sich allein. Also was, was genau, könnte dagegen helfen?
Eine Frage, vor der selbst Philosophen tief Luft holen, aber Patrick ist kein Philosoph, Patrick ist elf. Wie und wo auch immer, er braucht Hilfe – und er holt sie sich. Ob bei Freunden, Eltern, Lehrern, Gemüsefrauen, kroatischen Boxern und Professoren: Nichts hält ihn auf. Rund ein halbes Dutzend verschiedene Ansichten, Gedanken, Welten in Vergangenheit, Gegenwart, sogar Zukunft, für die Autor Kristo Šagor siebzig Minuten und nicht mehr als zwei großartige Darsteller benötigt. Kein Trick, einfach Theater mit all seinen Möglichkeiten und in bester Form.
Oliver Bukowski

Uraufführung: 
am 18.09.2014

Mit:
Patrick: Kevin Körber
Sein Bruder: Stephan Fiedler
Regie: Jörg Wesemüller
Ausstattung: Jasna Bošnjak
Dramaturgie: Jörn Kalbitz