Patricks Trick

von Kristo Šagor
Theater der Jungen Welt Leipzig

© Tom Schulze

Mutter und Vater sind jetzt oft ernst und bedrückt; sie schließen die Tür vor Patrick, wenn sie miteinander reden – was ist los, trennen sie sich? Ist er selbst mal wieder schuld?
Nein, das nicht, findet er heraus. Er bekommt einen Bruder. Gut, ein älterer, lässig-starker, großer Bruder, ein „Bro“, wäre ihm lieber, aber sollten die Eltern nicht strahlen und „guter Hoffnung“ sein, wie es heißt? So ratlos hat er sie noch nie gesehen.
Patrick erfährt den Grund: Der Bruder wird behindert sein, da hofft es sich eben nicht mehr so leicht. Er wird besonders sein, der Bruder. Viel Zeit, Geduld und Zuwendung benötigen. Die Eltern fragen sich, ob sie die Kraft dafür finden, und Patrick?
Cool ist er nicht, dieser Bruder, und wird es nie. Oder doch? Wie genau wird er sein, was kann und will und schafft er überhaupt? Was werden die Freunde sagen? Das ist ihm wichtig, noch wichtiger ist aber: Was kann er, Patrick, für ihn tun? Essen, trinken, fühlen wird er schon können, aber soll das alles sein? Das darf nicht alles sein! Wäre es so, ließe er seinen Bruder schäbig mit sich allein. Also was, was genau, könnte dagegen helfen?
Eine Frage, vor der selbst Philosophen tief Luft holen, aber Patrick ist kein Philosoph, Patrick ist elf. Wie und wo auch immer, er braucht Hilfe – und er holt sie sich. Ob bei Freunden, Eltern, Lehrern, Gemüsefrauen, kroatischen Boxern und Professoren: Nichts hält ihn auf. Rund ein halbes Dutzend verschiedene Ansichten, Gedanken, Welten in Vergangenheit, Gegenwart, sogar Zukunft, für die Autor Kristo Šagor siebzig Minuten und nicht mehr als zwei großartige Darsteller benötigt. Kein Trick, einfach Theater mit all seinen Möglichkeiten und in bester Form.
Oliver Bukowski


Uraufführung am 18.09.2014, Theater der Jungen Welt Leipzig

Mit:
Patrick: Kevin Körber
Sein Bruder: Stephan Fiedler

Regie: Jörg Wesemüller
Ausstattung: Jasna Bošnjak
Dramaturgie: Jörn Kalbitz

Aufführungsdauer: 70 Minuten, keine Pause
Aufführungsrechte: Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs GmbH, Berlin

Ab 11 Jahren

www.theaterderjungenweltleipzig.de

© Tom Schulze
© Tom Schulze
© Tom Schulze

Fotos: Tom Schulze

 

Kristo Šagor

Porträt: Kristo Sagor

Geboren 1976 in Stadtallendorf/Niedersachsen.
Er studierte Neuere Deutsche Literatur, Theaterwissenschaften und Linguistik an der Freien Universität Berlin. Während seines Studiums wirkte er beim studentischen Theater TREKJOP mit. In dieser Zeit entstand sein Stück
Dreier ohne Simone, das 1999 uraufgeführt wurde. Sein professionelles Regiedebut feierte Kristo Šagor 2002 mit Durstige Vögel am Volkstheater München. Von 2002 bis 2004 war er Hausautor am Theater Bremen. Es folgten Regiearbeiten an zahlreichen Theatern in Deutschland, unter anderem die Uraufführungen Heldenhaft von Katharina Schlender im Theater Erlangen (2004), Traumpaar von Zoran Drvenkar am Theater an der Parkaue in Berlin (2006) und Genannt Gospodin von Philipp Löhle am Schauspielhaus Bochum (2007). In der Spielzeit 2008/2009 war Kristo Šagor künstlerischer Leiter des „Theater unter Tage“ (Heute: „Theater unten“) am Schauspielhaus Bochum.
Kristo Šagor ist Theaterautor, Regisseur, gibt Workshops und Seminare und hat Lehraufträge an der ZHdK in Zürich und der Universität Hildesheim.

 

 

Theaterstücke

Dreier ohne Simone UA : 22.07.1999, Theater Trekjop, Berlin, Regie: Kristo Šagor
Durstige Vögel UA: 20.12.2000, Schauspielhaus Bochum, Regie: Sebastian Orlac
Fremdeln UA: 25.05.2001, Moks am Bremer Theater, Regie: Klaus Schumacher
Adam Komma Eva UA: 18.04.2002, Staatstheater Braunschweig, Regie: Dirk Engler
Unbeleckt UA: 02.05.2002, Theater der Stadt Heidelberg, Regie: Jens Schmidl
FSK 16 UA: 01.03.2003, Moks am Bremer Theater, Regie: Klaus Schumacher
Werther. Sprache der Liebe UA: 08.03.2003, Nationaltheater Weimar, Regie: Stephan Märki
Federn lassen UA: 17.05.2003, Schleswig-Holsteinisches Landestheater, Regie: Elena Breschkow
Die nächste Unschuld UA: 19.12.2003, Nationaltheater Weimar, Regie: Florian Scholz
Trüffelschweine UA: 13.11.2004, Moks am Bremer Theater, Regie: Jorinde Dröse
Tell UA: 07.05.2005, Nationaltheater Mannheim, Mitautor: Marc Reisner, Regie: Kristo Šagor
Hautkopf UA: 13.10.2005, Neuköllner Oper Berlin, Regie: Irina Roerig, Musik: Winfried Radeke
Ja UA: 27.04.2006, Schnawwl, Nationaltheater Mannheim, Regie: Andrea Gronemeyer
Bevor wir gehen UA: 26.01.2008, Schauspielhaus Bochum, Regie: Martina von Boxen
Der eigene Raum UA: 12.10.2008, Schauspielhaus Bochum, Regie: Kristo Šagor
Keinem Keiner UA: 07.01.2009, Schauspielhaus Wien/Konservatorium Wien, Regie: Marco Štorman
Alle kriegen dick und werden Kinder UA: 23.10.2009, Schauspielhaus Hannover, Regie: Kristo Šagor
Gonzo UA: 12.03.2011, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Regie: Daniel Wahl
Du Hitler UA: 24.03.2011, Landestheater Linz, Regie: Dana Csapo
Neumond Libretto für eine Kammeroper für Jugendliche, UA: 01.07.2012, Junge Oper am Nationaltheater Mannheim, Musik: Lucia Ronchetti, Musikalische Leitung: Joseph Trafton, Regie: Christian Pade
Patricks Trick UA: 18.09.2014, Theater der Jungen Welt Leipzig, Regie: Jörg Wesemüller - „KinderStücke 2015“
 

E-Books

FSK 16, Kiepenheuer Medien 2014
Patricks Trick, Kiepenheuer Medien 2014

 

Preise (Auswahl)

2001 Publikumspreis des Heidelberger Stückemarktes für Unbeleckt
2003 Niederländisch-Deutscher Autorenpreis für Kinder- und Jugendtheater „Kaas & Kappes" für FSK 16
2005 Niederländisch-Deutscher Autorenpreis für Kinder- und Jugendtheater „Kaas & Kappes" für Trüffelschweine
2008 Deutscher Theaterpreis „Der Faust“ in der Kategorie „Beste Regie Kinder- und Jugendtheater“ für seine Inszenierung von Törleß am Deutschen Schauspielhaus Hamburg
2014 Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg für Patricks Trick



Stand: März 2015