Mein kleiner Zeh war ein Wort

7+
55 Minuten, keine Pause



Das Alphabet als Welt, jeder Buchstabe ein Wort und Beginn einer Szene - das Spiel damit fügt sich zu einem kleinen Kosmos als Theater der erzählten Dinge.  
Yoko Tawada, in Japan geboren und seit fast 30 Jahren in Deutschland, thematisiert in ihrem schriftstellerischen Werk ihre Beobachtungen an der deutschen Sprache, zum Beispiel deren von Muttersprachlern oft gar nicht wahrgenommene Bildhaftigkeit, wie sie manchmal aber von Kindern bemerkt und hinterfragt wird – auf A folgt B, aber „Mein kleiner Zeh war ein Wort“.
In ihrem zweiten Kinder-Stück für die Flensburger Theaterwerkstatt Pilkentafel hat Tawada ein 'Alphabeet' bereitet, auf dem die Schauspieler Elisabeth Bohde und Torsten Schütte Geschichten sprießen lassen, von A wie anders bis Z wie zählen - "Neun wie Nein / Zehn wie Zehenspitzen". Jeder Buchstabe erscheint konkret auf der Bühne, aber nicht nur sieht jeder anders aus, sondern wird auch jedes Mal anders angefasst und angeschaut. Im Erzählrahmen verliert Tawadas kleine Familie ihr Haus, doch das verlorene Heim wird durch ein Zuhause in der Sprache ersetzt. Die poetischen Sprachspiele zeigt diese immer wieder verblüffend bildstarke Inszenierung mit intelligentem Humor. Ein Spiel als Anregung, die eigene Sprache mit Tawadas staunendem Blick zu begreifen.
Thomas Irmer

Uraufführung: 
19.06.2010

Mit: Elisabeth Bohde, Torsten Schütte, Bele Wollesen (Stimme des Kindes)
Regie: Das Ensemble
Raum, Objekte: Roy Spahn
Kostüme: Gesine Hansen
Musik: Matthias Kaul

Das Stück und die Inszenierung „Mein kleiner Zeh war ein Wort“ sind im Rahmen von „Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater“ ein Kooperationsprojekt des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland und des Deutschen Literaturfonds e. V. mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes gefördert worden.