Jo im roten Kleid

von Heino N. Schade
Theater Triebwerk Hamburg/Hannover
in Koproduktion mit dem TfN Theater für Niedersachsen

Eine szenische Fantasie nach einem Bilderbuch von Jens Thiele

Jo im roten Kleid/Foto: Andreas HartmannDieser Junge ist vielleicht zehn Jahre alt, und als wenn es für ihn zwischen Schulhof und Elternhaus nicht schon kompliziert genug wäre – jetzt kommt auch noch etwas hinzu und ändert alles: sein Körper. Gerade noch war der einfach nur da. Eignete sich wie selbstverständlich für das Essen, Trinken, Lernen, Skateboard fahren, Fußball kicken, plötzlich aber (wann genau ist das eigentlich passiert?!) will dieser Körper was, und zwar etwas sehr Eigenes, wie es scheint. Beim Fußball fühlt er sich mit einem Mal unwohl, dafür steht sieht er sich jetzt gern im Spiegel. Ist das nun schon peinlich für einen Jungen?  Bestimmt noch nicht. Aber was ist, wenn dieser Körper nun auch einmal das rote Kleid der Mutter an sich spüren will? Peinlich? Oder doch nicht? Fragen, die wieder andere Fragen folgen lassen, ein Männerleben lang. Was ist männlich, wie viel braucht ein Mann davon, um als Mann zu gelten. Muss er das überhaupt, ist diese „Männlichkeit“ vielleicht doch nur noch eine Vokabel aus der Parfümwerbung?

Uwe Schade und Heino Sellhorn ließen sich von Jens Thieles gleichnamigem Bilderbuch zu eigenen Bildern, Texten und dramaturgischen Lösungen anregen. Schwulsein oder Nicht-Schwulsein, das ist hier nicht die Frage. Jedenfalls nicht die alles bestimmende. Die beiden Musiker und Schauspieler prüfen Lebenshaltungen. Wer wen liebt – wie schwierig die erste Antwort auch sein mag, sie löst nicht ein für allemal unsere Probleme, es wird noch schwieriger: Wie verhalte ich mich zu mir, wie zu anderen. Wie gerecht und fair muss ich sein, selbst zu meinen Feinden. Was habe ich in diesem Leben mit mir vor; darf ich Angst haben, ohne gleich feige zu sein. Bleibende Fragen, ganz egal, ob man nun weiblich oder männlich, erst zehn oder schon erwachsen ist. Schade und Sellhorn werden mit Lust und Humor grundsätzlich aber nie allgemein oder didaktisch. Das Thema ist ihnen zu groß, um es auf eine einzige Geschichte oder Botschaft zu verengen, sie erhalten seine Vielfalt durch die Mittel des Erzähltheaters und der Collage. Das gelingt, ohne statisch zu dozieren oder szenisch beliebig zu werden. Bass und Cello, Dialog, Harlekinade, direkte Publikumsansprache und sogar Grönemeyer als Moritatengesang – Uwe Schade und Heino Sellhorn verfügen über viele Mittel, um auf leichte Art schwierig zu werden.
Oliver Bukowski

Uraufführung am 18.10.2012, theo des TfN Hildesheim

Mit:
Uwe Schade (Cello), Heino Sellhorn (Bass)

Regie: Nina Mattenklotz
Ausstattung: Silke Rudolph

Aufführungsdauer: 45 Minuten, keine Pause
Aufführungsrechte: Peter Hammer Verlag GmbH, Wuppertal

Ab 10 Jahren

www.tfn-online.de
www.theater-triebwerk.de

Jo im roten KleidJo im roten KleidJo im roten Kleid
 

 

 

 

 

 

Fotos: Andreas Hartmann

Heino SellhornHeino Sellhorn
geboren 1962.
Studierte von 1985 - 89 angewandte Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim mit den Schwerpunkten Musik und Literatur.
Seit 1990 arbeitet er als freiberuflicher Theatermusiker, Komponist und Darsteller (Theater-spielplatz Braunschweig, Deutsches Theater Göttingen, Theaterwerkstatt Hannover, Theater Mahagoni, Boxen-Team, Das Zelttheater Visselhövede, Hebebühne Hannover, Schauspielhaus Hannover, Theater Fensterzurstadt Hannover). 1994 war er Gründungsmitglied der Filmmusik-band Die Paramounts mit Auftritten auf vielen Filmfestivals (Berlinale, Filmfestspiele in Potsdam, Hamburg, Düsseldorf, Emden) und bundesweiten Clubtouren.

Nina MattenklotzNina Mattenklotz
geboren 1980 in Gütersloh.
Bachelorstudium Medienkultur, Neuere deutsche Literatur und Psychologie an der Universität Hamburg von 2000-2004. Währenddessen Hospitanzen und Assistenzen u.a. beim Ernst Deutsch Theater Hamburg, am Institut für Schauspieltheaterregie, beim „AußerAtem“- Festival Hamburg/Berlin, am Burgtheater Wien und am Thalia Theater Hamburg.
2004-2008 Studium an der Theaterakademie Hamburg.
Seit 2008 freie Regisseurin, u.a. am Schauspiel Magdeburg, Theater Osnabrück, Schauspielhaus Wien, Schauspiel Stuttgart und am Schauspielhaus Zürich.

Uwe SchadeUwe Schade
geboren 1960.
Studierte Cello bei Tadao Kataoka, Peter Mengel und Karl-Hermann Jellinek. Seit 1986 arbeitet er als freischaffender Musiker und Komponist in Hamburg. Neben Solo- und Kammerkonzerten (u.a. Master Wolf and the Lion, gegr. 1985) spielt und komponiert er für Tanz- und Theater-Produktionen (u.a. Stadttheater Hildesheim, Hamburger Kammerspiele, Deutsches Museum Berlin (Schamzerpört), Theaterwerkstatt Hannover (Orgia), Theaterwerkstatt Pilkentafel
(Die Verwandlung) Nationaltheater Mannheim (Aprikosenzeit, Romantica, Kabale und Liebe). 1995 war er Mitbegründer der Erzähltheatergruppe Theater Brekkekekex

 

Theaterstücke

Jo im roten Kleid UA: 18.10.2012, Theater Triebwerk, Regie: Nina Mattenklotz – „KinderStücke 2013“

 

www.theater-triebwerk.de

 

Stand: Mai 2013