ZwischenStücke

Damit die Zeit zwischen den Festivals nicht zu lang wird, zeigen wir in unserer Reihe ZwischenStücke aktuelle Inszenierungen. Außerdem laden wir Dramatiker*innen zu Lesungen ein, in denen sie auch Einblick in Texte anderer Genres geben, ihr Schreiben reflektieren oder noch Unveröffentlichtes zu Gehör bringen. Zu sehen und hören sind neue Stücke und Texte für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. 
Als nächstes ZwischenStück ist „Kannawoniwasein! Manchmal muss man einfach verduften“ von Martin Muser in Mülheim zu Gast.

 

Dienstag, 14. April 2026, 11 Uhr 
Kannawoniwasein! Manchmal muss man einfach verduften 
von Martin Muser
Gastspiel Staatstheater Mainz
im Theater an der Ruhr

Kannawoniwasein! Es gibt Tage, da scheint einfach alles schief zu gehen. Finn fährt alleine mit dem Zug zu seiner Mutter, als ihm von einem zwielichtigen Unbekannten Rucksack und Handy geklaut werden. Und dann wird er vom miesgelaunten Schaffner auch noch aus dem Zug geworfen und der Polizei übergeben, die keinerlei Anstalten macht, nach dem flüchtigen Dieb zu fahnden. Finn muss die Dinge selbst in die Hand nehmen. Gemeinsam mit der quirligen Jola türmt er vor der Polizei. Die beiden Ausreißer*innen machen sich auf eigene Faust auf den Weg in die „Tzitti“. Unterwegs klauen sie einen Traktor, übernachten im Wald und nehmen bald die Spur des Rucksackdiebes wieder auf.

Martin Muser erzählt in „Kannawonichwasein“ eine wilde Freundschaftsgeschichte über zwei Kinder, die sich von nichts und niemandem aufhalten lassen. Damit ist ihm ein echter Kinderliteraturhit gelungen, die mit spritzigen Dialogen, einfallsreichen Wendungen und einer großen Portion Situationskomik punkten kann. In der Regie von Tim Schmutzler präsentiert das Staatstheater Mainz die Uraufführung im Rahmen der ZwischenStücke nun auch in Mülheim.

Karten für 6 Euro / ermäßigt 3 Euro gibt es hier.


Samstag, 5. April 2025, 19.30 Uhr
Bondi Beach
von Rebekka Kricheldorf
Gastspiel Theater Regensburg
im Theater an der Ruhr

Altern ist eine Zumutung! Das denken sich auch Zoe, Nico, Fiffy, Tristan und Dennis, deren Freundschaft langwieriger ist als jede Beziehung. Schließlich hat man Freund*innen nach anderen Kriterien gewählt als Partner*innen. Aber nachdem sich ein runder Geburtstag an den nächsten reiht, stellt sich das Gefühl ein, dass nicht mehr so viel bleibt, dass die Zeit eng wird, um die eigene Bucket List vollständig abzuarbeiten. Das Partyleben aus der Jugend hat sich längst zu Wochenenden mit Genusswanderungen in Gore-Tex-Jacken verwandelt. Dazu kommen neue Aufreger, wie Formulare zur Patient*innenverfügung oder Bestattungsvorsorge. Lohnt sich ein letzter, radikaler Lebenswandel? Lässt sich das Beste aus zwei gegensätzlichen Welten vereinen, wie es die Aussteiger*innen am australischen Bondi Beach praktizieren, die dort Askese und Detox auf allen Ebenen mit sorglosen Partys am Wochenende kombinieren?

Eine „sitcomefähige Best-Ager-Komödie“ mit „Bitterhumor und Expertise“: So beschrieb Christine Dössel in der Süddeutschen Zeitung Rebekka Kricheldorfs „Bondi Beach". „Die Dialoge sind rasant und knallen manchmal wie Ohrfeigen. Oder einfach wie eine gute Pointe.“ Zusammen mit wenigen anderen Stücken stand es auf der Longlist des Auswahlgremiums für die Mülheimer Theatertage 2024. Jetzt ist die scharfsinnige Komödie über existenzielle Fragen rund ums Älterwerden in der Reihe ZwischenStücke im Theater an der Ruhr zu sehen.

 

Samstag, 18. Januar 2025, 19.30 Uhr
Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm
von Theresia Walser
Gastspiel Staatstheater Mainz
im Theater an der Ruhr

Eine Podiumsdiskussion zur Darstellbarkeit Hitlers steht an. Auf den Moderator wartend, geraten die drei geladenen Schauspieler in Diskussion über ihr Metier. Sie landen auch gleich bei einem Grundproblem: Ist die leere Bühne wirklich leer? Steht sie nicht immer schon voller Fragen, bevor man sie überhaupt betreten hat? Zwei der drei Männern haben Hitler bereits gespielt, der dritte war bisher "nur" Goebbels, jeweils allerdings im Film. Würde das Theater ganz andere Anforderungen stellen? Hitler war immerhin eine reale Person, ist das Theater zwangsläufig zum Abbild der Wirklichkeit verpflichtet? Ein Kampf der Kulturen bricht unter den Dreien aus, vor allem aber ein Streit über Schauspielkunst sowie das Theater- und Kunstverständnis…
„Die Figuren reden zwar übers Theater, andererseits kennt jeder von uns derartige Gesprächskämpfe aus anderen Zusammenhängen. Das kann der abendliche Tisch mit Freunden sein, oder das Büro: Konkurrenzgegiftel, Neidereien, die verstohlenen und offenen Allianzen, das Hin und Herlavieren, all das findet ja nicht nur im Theaterbetrieb statt.“ 

„Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm" von Theresia Walser, langjähriges Mitglied des Auswahlgremiums für die KinderStücke der Mülheimer Theatertage, ist längst zum absoluten Kultstück avanciert. Inspiriert von einer Debatte über die verschiedene Darstellungen Hitlers, die sich im Rahmen des Kinostarts von „Der Untergang“ ergab, hat Theresia Walser ein Feuerwerk voller Furormonologe und Streitdialoge in Thomas Bernhardscher Manier geschrieben.
 

Freitag, 15. November 2024, 19.30 Uhr
Die Frau mit den vier Armen
Jakob Nolte liest aus seinem Roman
im Theater an der Ruhr

Inlineskates an den Füßen, Würgemale am Hals, Kopfhörer in den Ohren. Am Ufer der Ihme in Hannover liegt die Leiche eines jungen Mannes. Ein Fall für die genauso brillante wie schroffe Rita Aitzinger und ihren Kollegen Ilia Schuster von der Mordkommission. Zwischen Oper, Bahnhofskneipe und Burgerladen geraten sie immer tiefer in ein Dickicht aus Verweisen: Popsongs, Datingapp-Profile, mysteriöse Tattoos – sie sind der Schlüssel zur Lösung des Falls, davon ist Rita überzeugt. Oder ist sie in die Schlinge eines Psychokillers geraten? War Sebastian Tamm gar nicht das erste Opfer? Und was hat der schüchterne Streifenpolizist Gerd Lampe damit zu tun?
Die Frau mit den vier Armen erzählt von traurigen Jungs, die das Glück suchen und den Tod finden. Abgründig, voller schräger Figuren und mit Witz zeigt Nolte ein Hannover, das es so noch nie gegeben hat, und erfindet den Niedersachsen Noir. Es geht um Polizeiarbeit, Gerechtigkeit und die Frage, ob man sich am Denken anderer schuldig machen kann.

Jakob Nolte, geboren 1988, wuchs in Barsinghausen am Deister auf. Seine Theaterstücke wurden mehrfach prämiert und an zahlreichen Bühnen Europas gespielt. Sein Debütroman ALFF wurde mit dem Kunstpreis Literatur 2016 ausgezeichnet. Sein Roman Schreckliche Gewalten war 2017 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Er ist Co-Kurator der Webseite tegelmedia.net und lebt in Berlin. Kurzes Buch über Tobias ist sein erstes Buch im Suhrkamp Verlag.
 

Dienstag, 1. Oktober 2024, 11 Uhr
Der Mann, der eine Blume sein wollte
von Anja Tuckermann
Gastspiel Junges Schauspiel Düsseldorf für Kinder ab 4 Jahren
im Theater an der Ruhr

Ein Mann lebt in einer farblosen Welt. Er geht zur Arbeit, schaut fern. Mal ist er einsam, mal ist ihm langweilig. Irgendwann reicht es ihm nicht mehr, einfach nur ein Mann zu sein und Dinge zu tun, die von Männern erwartet werden. Lieber will er eine Blume sein und in hellen Farben strahlen – eine gelbe Butterblume im Wind oder eine hochgewachsene rote Mohnblume mit Blättern wie aus Seide. Er will andere überraschen, betören und duften, will angesehen und gepflückt werden. Dann will er eine Frau sein, Blumen im Haar und Kleider in allen Farben tragen. Am liebsten würde er das als Mann tun, aber er befürchtet, ausgelacht zu werden und dass sein Chef es verbietet. Dann will der Mann wieder ein Mann sein und zum Karneval gehen, wie es ihm gefällt – als Blumenwiese.
Regisseur Fabian Rosonsky und sein Team hinterfragen mit ihrer Bühnenbearbeitung von Anja Tuckermanns Bilderbuch für alle ab 4 Jahren traditionelle Rollenbilder und machen sich stark für Unangepasstheit und die Freiheit zu träumen.
 


Eine Veranstaltungsreihe der Mülheimer Theatertage in Kooperation mit dem Theater an der Ruhr und der Buchhandlung Bücherträume.