„Empire“ von Milo Rau
IIPM, Foto: Marc Stephan
„Mädchen in Not“ von Anne Lepper
Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner
„der thermale widerstand“ von Ferdinand Schmalz
Schauspielhaus Zürich, Foto: Raphael Hadad
„Die Vernichtung“ von Olga Bach
Konzert Theater Bern, Foto: Birgit Hupfeld
„Vereinte Nationen“ von Clemens J. Setz
Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner
„europa verteidigen“ von Konstantin Küspert
ETA Hoffmann Theater Bamberg, Foto: Martin Kaufhold
„Wut“ von Elfriede Jelinek
Münchner Kammerspiele, Foto: Thomas Aurin

Wut

von Elfriede Jelinek
Münchner Kammerspiele

Sonntag, 28. Mai, 18.00 Uhr, Stadthalle Theatersaal

Elfriede Jelinek: Wut / Foto: Thomas Aurin

 

Wut heißt Elfriede Jelineks neuer Theatertext lakonisch – und verdichtet damit, in einem grandiosen 114-seitigen Schreibanfall, das Grundrauschen unserer Zeit. Getreu dem Motto „In der Wut gibt es keinen Zweifel; man erkennt in diesem Zustand ja nichts mehr“, kommen IS-Terroristen und Pegidisten, Religionsverfechter wie -verächter, „Wutbürger“ aus der Mitte und von allen erdenklichen Rändern gleichermaßen zu Wort. Und ihre rhetorischen Figuren lappen bewusst ineinander. Manchmal erschließt sich erst nach mehreren Satzkaskaden, wer eigentlich gerade spricht. Die Wut der IS-Terroristen auf den Westen steht neben der Wut des westlichen Wohlstandsbürgers auf die griechischen Staatsschuldenkrisler, um sich anschließend im Furor des antiken Griechen-Heroen Herakles fortzuschreiben, der im Wahn seine Familie auslöscht. Konkret entstand Jelineks Text zwar in Reaktion auf die Terror- anschläge vom Januar 2015 auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt in Paris. Aber bekanntermaßen hat die „Wut“ sich seither ja leider nicht minimiert, sondern ist – im Gegenteil – noch aktueller geworden. Auch in diesem Sinne schreiben der Uraufführungsregisseur Nicolas Stemann und das Ensemble der Münchner Kammerspiele den Text auf der Bühne mit szenischen Mitteln scharfsichtig fort.

Christine Wahl

 

Uraufführung am 16. April 2016, Münchner Kammerspiele

Mit: Daniel Lommatzsch, Jelena Kuljić, Thomas Hauser, Julia Riedler, Annette Paulmann, Franz Rogowski, Zeynep Bozbay
Sowie: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel, Nicolas Stemann
Regie: Nicolas Stemann
Bühne: Katrin Nottrodt
Kostüme: Katrin Wolfermann
Live-Video: Claudia Lehmann, Vanessa Ivan, Lilli Thalgott
Video: Claudia Lehmann
Licht: Jürgen Tulzer
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg

Aufführungsdauer: 3 Stunden 45 Minuten, eine Pause
Aufführungsrechte: Rowohlt Theaterverlag, Reinbek bei Hamburg
Stückabdruck in Theater heute 6/2016

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www.muenchner-kammerspiele.de