Und dann kam Mirna

Sibylle Berg: Und dann kam Mirna / Foto: Esra Rotthoff
1 Stunde 10 Minuten, keine Pause



Sie sind zurück und sie sind älter geworden: Die furios wütenden jungen Frauen aus Sibylle Bergs Stück Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen (2013). Mit dem Alter ist ihre Verzweiflung nicht kleiner geworden und dass sie Mütter geworden sind, macht ihr Leben auch nicht einfacher.
In Und dann kam Mirna stampfen wieder vier Schauspielerinnen in ihren Schlabberpullis, den geblümten Kleidern und den Hornbrillen auf die Bühne und tragen ihre zerbrochenen Lebensentwürfe und vielfach reflektierten Lebenslügen wortstark an die Rampe. Ihre Töchter tragen pinkfarbene Kapuzenjäckchen, knappe Shorts und einen Pferdeschwanz und sind im Gegensatz zu ihren Müttern pragmatisch, ehrgeizig und gehen den anstehenden Umzug aufs Land tatkräftig an. Der Generationenvertrag ist längst zerbrochen, das Projekt Familie in der Sackgasse gelandet.
„Manchmal überfordert mich die Aufgabe, der erwachsene Mensch zu sein“, sagt eines der Töchter-Ichs zum Mütterchor. Und: „Ich bin nicht deine Freundin, Mutter. Ich bin von dir abhängig.“
Gnadenlos und pointensicher nimmt Sibylle Berg diesen Generationentanz in den Blick, der mal chorisch, mal solistisch und immer in rasantem Tempo daher kommt. Und dann kam Mirna (wieder in der Regie von Sebastian Nübling) ist beste Unterhaltung, gerade weil sich die sarkastische Gesellschaftsanalyse mit zärtlichen Momenten der Rat- und Orientierungslosigkeit verbindet und uns so zu einem Teil des mäandrierenden Erzählstroms macht.
Dagmar Walser
 

Uraufführung: 
am 24. September 2015

Mit: Sarah Böcker, Aydanur Gürkan, Suna Gürler, Rahel Jankowski, Cynthia Micas, Fée Mühlemann, Çiğdem Teke, Annika Weitzendorf
Regie: Sebastian Nübling
Choreographie: Tabea Martin
Bühne: Magda Willi, Moïra Gilliéron
Kostüm: Ursula Leuenberger
Dramaturgie: Katja Hagedorn

Stückabdruck: 
Stückabdruck in Theater heute 11/2015