Ulrike Maria Stuart

Szene aus Ulrike Maria Stuart von Elfriede Jelinek
Thalia Theater Hamburg



Zeitgeschichte war immer ihr Thema von „Wolken. Heim.“ zu „Bambiland“ und „Babel“, deutschem Nach- bis heutigem Irak-Krieg. Jetzt behauptet Elfriede Jelinek selbst ihr Ende der Geschichte: „Ulrike Maria Stuart“ sei ihr letztes Stück, was man getrost als rhetorische Floskel verstehen darf. Das doppelte Königinnendrama wendet sich den Ikonen des bewaffneten politischen Mystizismus der 70er Jahre zu, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin. Die beiden Herrscherinnen werden noch mal in Maria Stuart und Elisabeth I. gespiegelt, beide sehr frei nach Schiller, wobei sie auch gelegentlich durcheinander geraten, dafür gab es nur einen Andreas Baader/Earl of Leicester. Eine Prise „Richard III.“ fügt düsteren Tower-Ton hinzu: Die beiden Prinzen verschwimmen mit den Meinhof/Ensslin-Kindern und umgekehrt. Die Materialschlacht enthält, so die Autorin ohne falsche Geheimniskrämerei, von „Schiller, Shakespeare, Büchner, Marx, die Originaltexte und -kassiber der RAF und ihres Umfelds, Briefwechsel Gudrun Ensslins, Stefan Aust, Butz Peters, Albrecht Wellmer und sehr viele andere mehr“.
Regisseur Nicolas Stemann geht die Herausforderung gutgelaunt und mit klarem Ordnungs-willen an. Jelineks 100-Seiten-Konvolut wird entschlossen sortiert, portioniert und arrangiert. Schon im Text greifen Rekapitulation der RAF-Geschichte und Kommentar dazu ununterscheid-bar ineinander, bei Stemann wird daraus ein Kommentar zum Kommentar, der an Witz und Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt.
Franz Wille

Uraufführung: 
28. Oktober 2006

Mit: Andreas Döhler, Felix Knopp, Peter Maertens, Katharina Matz, Judith Rosmair, Sebastian Rudolph, Elisabeth Schwarz, Nicolas Stemann, Susanne Wolff

Regie: Nicolas Stemann
Bühnenbild: Katrin Nottrodt
Kostüme: Marysol del Castillo
Musik: Thomas Kürstner / Sebastian Vogel