Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir

ca. 5 Stunden, zwei Pausen



Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir
Nis-Momme Stockmann macht es sich und uns nicht einfach. Er kann, das hat er in der Vergangenheit bewiesen, gut gebaute Stücke mit flotten Dialogen schreiben. Die handeln von Familie, vom Weggehen und vom Zurückkommen. Aber er nimmt sich immer wieder auch den Kapitalismus vor und er nimmt es mit ihm auf. Er will nicht die Analyse, er will nicht die Beschreibung, er will nicht die Farce. Er will den Kampf! Du oder ich! Wäre doch gelacht! Das scheint Stockmanns Mehrere-Hundert-Seiten-Opus Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir dem Kapitalismus entgegenzuschleudern. Das Stück ist maßlos und es ist anmaßend. Aber genau das gehört zum Programm.
Stockmann reibt sich am Kapitalismus wund wie seine Hauptfigur, der Ex-Banker, sich an den Banken wundreibt. Er will das System aushebeln, aber weiß nicht wie, er leidet wortreich an diesem System, aber weiß (wie wir alle) nicht so genau, was das ist. Das einfache Problem ist: Wo steht der Feind? Das Stück ist Arbeit am System und so diffus sich das anhört, so mäandernd ist diese Kapitalismus-Collage. Lars-Ole Walburg, der Uraufführungsregisseur in Hannover, hat aus dem Konvolut, das man für unspielbar halten kann, eine packende Theateraufführung von schlappen fünf Stunden gemacht. In geduldiger Kleinarbeit hat er mit seiner Dramaturgin Judith Gerstenberg den Text sozusagen zu Ende geschrieben und ihn mit verschiedenen Theatermitteln zwischen Sozialdrama und Revue auf die Bühne übersetzt.
Peter Michalzik

Uraufführung: 
am 21.04.2012



Mit:
Mann: Hagen Oechel
Kaschinsky (Vermieter): Aljoscha Stadelmann
Mann mit Turban: Beatrice Frey
Die junge Frau: Juliane Fisch
Bodo Schäfer: Dominik Maringer
Kaiserbrötchen / Arzt: Camill Jammal
Frau: Susana Fernandes Genebra
Kinder / Tauben:
Jonna Achenbach, Maura Deckert, Greta Gerstenberg, Roxana Hubl, Tomke Köhler, Susanne Kuwaczka, Samuel Macheil, Luzia Seutter-Galindo, Henri Starke, Matthis Wiegmann, Mascha Wilhelm, Klemens Wohlfahrt
Regie: Lars-Ole Walburg
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Gwendolyn Bahr
Dramaturgie: Judith Gerstenberg
Video: Viviane Andereggen
Musik: Les Trucs
Chorleitung: Burkhard Niggemeier