Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir

Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mirvon Nis-Momme Stockmann
Schauspiel Hannover

Nis-Momme Stockmann macht es sich und uns nicht einfach. Er kann, das hat er in der Vergangenheit bewiesen, gut gebaute Stücke mit flotten Dialogen schreiben. Die handeln von Familie, vom Weggehen und vom Zurückkommen. Aber er nimmt sich immer wieder auch den Kapitalismus vor und er nimmt es mit ihm auf. Er will nicht die Analyse, er will nicht die Beschreibung, er will nicht die Farce. Er will den Kampf! Du oder ich! Wäre doch gelacht! Das scheint Stockmanns Mehrere-Hundert-Seiten-Opus Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir dem Kapitalismus entgegenzuschleudern. Das Stück ist maßlos und es ist anmaßend. Aber genau das gehört zum Programm.
Stockmann reibt sich am Kapitalismus wund wie seine Hauptfigur, der Ex-Banker, sich an den Banken wundreibt. Er will das System aushebeln, aber weiß nicht wie, er leidet wortreich an diesem System, aber weiß (wie wir alle) nicht so genau, was das ist. Das einfache Problem ist: Wo steht der Feind? Das Stück ist Arbeit am System und so diffus sich das anhört, so mäandernd ist diese Kapitalismus-Collage. Lars-Ole Walburg, der Uraufführungsregisseur in Hannover, hat aus dem Konvolut, das man für unspielbar halten kann, eine packende Theateraufführung von schlappen fünf Stunden gemacht. In geduldiger Kleinarbeit hat er mit seiner Dramaturgin Judith Gerstenberg den Text sozusagen zu Ende geschrieben und ihn mit verschiedenen Theatermitteln zwischen Sozialdrama und Revue auf die Bühne übersetzt.
Peter Michalzik

Uraufführung am 21.04.2012 im Schauspiel Hannover

Regie: Lars-Ole Walburg
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Gwendolyn Bahr
Dramaturgie: Judith Gerstenberg
Video: Viviane Andereggen
Musik: Les Trucs
Chorleitung: Burkhard Niggemeier

Mit:
Mann: Hagen Oechel
Kaschinsky (Vermieter): Aljoscha Stadelmann
Mann mit Turban: Beatrice Frey
Die junge Frau: Juliane Fisch
Bodo Schäfer: Dominik Maringer
Kaiserbrötchen / Arzt: Camill Jammal
Frau: Susana Fernandes Genebra
Kinder / Tauben:
Jonna Achenbach, Maura Deckert, Greta Gerstenberg, Roxana Hubl, Tomke Köhler, Susanne Kuwaczka, Samuel Macheil, Luzia Seutter-Galindo, Henri Starke, Matthis Wiegmann, Mascha Wilhelm, Klemens Wohlfahrt


Aufführungsdauer: ca. 5 Stunden, zwei Pausen
Aufführungsrechte: schaefersphilippen Theater und Medien GbR Köln

www.schauspielhannover.de

Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mirTod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir

 

 

 

 

Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir

Fotos: Katrin Ribbe

 

 

 

 

 

Nis-Momme Stockmann

Nis-Momme Stockmann/Foto: Harald FronzeckGeboren 1981 auf Föhr.
Studierte Sprache und Kultur Tibets in Hamburg, Medienwissenschaften im dänischen Odense, und machte eine Ausbildung zum Koch, bevor er begann, an der Universität der Künste Berlin Szenisches Schreiben zu studieren. Gemeinsam mit drei weiteren Autoren war Nis-Momme Stockmann 2009/2010 Stipendiat des von Thomas Jonigk geleiteten Düsseldorfer Autorenlabors. Von 2009 bis 2012 war Nis-Momme Stockmann Hausautor am Schauspiel Frankfurt. Stockmann schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Lyrik sowie Prosa und produzierte gemeinsam mit der Performance-Gruppe Herkules Manhattan das Stück Expedition und Psychatrie am Theater Heidelberg. Auf Einladung des Goethe-Instituts reiste er im Frühjahr 2012 nach Japan und dort zu der Schutzzone des havarierten Reaktors Fukushima-Daiichi. Von seinen Erlebnissen berichtete er in seinem Blog und als Gast in Sachiko Haras Hiroshima-Salon am Schauspiel Hannover, außerdem schrieb er eine Reportage für das Magazin konkret.

 

Stücke (Auswahl)

Der Mann der die Welt aß UA 17.12.2009, Theater Heidelberg, Regie: Dominique Schnizer
Das blaue blaue Meer UA 22.01.2010, Schauspiel Frankfurt, Regie: Marc Lunghuss
Kein Schiff wird kommen UA 19.02.2010, Staatstheater Stuttgart, Regie: Annette Pullen – „Stücke 2010“
Inga und Lutz UA 08.10.2010, Staatstheater Braunschweig, Regie: Alexis Bug
Die Ängstlichen und die Brutalen UA 12.11.2010, Schauspiel Frankfurt, Regie: Martin Kloepfer
Expedition und Psychatrie UA 04.03.2011, Theater Heidelberg, Regie: Nis-Momme Stockmann
Der Freund krank UA 27.04.2012, Schauspiel Frankfurt, Regie: Martin Schulze
Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir UA 15.09.2012, Staatstheater Hannover, Regie: Lars-Ole Walburg

 

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

2005 1.Preis für den Kurzfilm IGNORANS beim internationalen Filmfestival Odense
2009 Haupt- und Publikumspreis des Heidelberger Stückemarktes für DER MANN DER DIE WELT ASS
2010 Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises
2010 Nachwuchsdramatiker des Jahres (Kritikerumfrage von Theater Heute)
2011 Friedrich-Hebbel-Preis