Preisträgerin 2008: Dea Loher
„Das letzte Feuer“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2004: Elfriede Jelinek
 „Das Werk“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Christian Brachwitz
Preisträger 2012: Peter Handke
„Immer noch Sturm“ - Thalia Theater Hamburg/Salzburger Festspiele, Foto: Armin Smailovic
Preisträger 2014: Wolfram Höll
„Und dann“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträger 2007: Helgard Haug & Daniel Wetzel, Rimini Protokoll
„Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ - Düsseldorfer Schauspielhaus, Foto: Sebastian Hoppe
Preisträgerin 2013: Katja Brunner
„Von den Beinen zu kurz“ - Schauspiel Hannover, Foto: Katrin Ribbe
Preisträgerin 2009: Elfriede Jelinek
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Arno Declair
Preisträger 2015: Ewald Palmetshofer
„die unverheiratete“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Georg Soulek
Preisträger 2005: Lukas Bärfuss
„Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2010: Roland Schimmelpfennig
„Der goldene Drache“ - Burgtheater Wien, Foto: Reinhard Werner
Preisträger 2002: Elfriede Jelinek
„Macht Nichts“ - Schauspielhaus Zürich, Foto: Leonard Zubler
Preisträger 2016: Wolfram Höll
„Drei sind wir“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträgerin 2017: Anne Lepper
„Mädchen in Not“ - Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner
Preisträger 2006: René Pollesch
„Cappuccetto Rosso“ - Volksbühne Berlin/Salzburger Festspiele, Foto: Thomas Aurin
Preisträger 2003: Fritz Kater
 „zeit zu lieben zeit zu sterben“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträgerin 2011: Elfriede Jelinek
„Winterreise“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Julian Röder

Rechnitz (Der Würgeengel)

Foto: Arno Declair
von Elfriede Jelinek

Stücke 2009

Rechnitz – der Ort im österreichischen Burgenland steht für ein Massaker, das in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 geschah. In jener Nacht feierte Gräfin Margit Batthyány, geborene Thyssen, auf ihrem Schloss ein „Gefolgschaftsfest“ mit Nazi-Größen, das in der bestialischen Ermordung von 180 ausgemergelten, jüdisch-ungarischen Zwangsarbeitern gipfelte. Elfriede Jelinek rekonstruiert den historischen Fall nicht, sondern lässt ihn, gekleidet in die Form eines wild assoziierenden, sich windenden und widersprechenden Botenberichts, sprachlawinenartig über uns hereinbrechen. In den Geröllmassen des Textes offenbaren sich, Schicht um Schicht, nicht nur die Abgründe unseres Sprechens und beredten Verschweigens, sondern auch die Fallgruben jeglicher (auch noch so gut gemeinter) Erinnerungsarbeit.
Der Jelinek-Spezialist Jossi Wieler hat das hundert Seiten starke Textkonvolut in klug kondensierter Form auf fünf großartige Schauspieler verteilt: zwei Frauen (Hildegard Schmahl, Katja Bürkle), drei Männer (André Jung, Hans Kremer, Steven Scharf), die als gefräßige „Boten“ in Abendgarderobe die Gräuel der Vergangenheit rhetorisch umtänzeln und sich dabei lüstern an die Wäsche gehen. Wieler inszeniert an diesem scham- und gnadenlosen Gute-Laune-Abend nicht nur die Banalität, sondern auch die Obszönität des Bösen. Es ist ein frivoler, Zähne bleckender danse macabre, in seiner Wirkung zutiefst beklemmend.
Christine Dössel


Münchner Kammerspiele
Uraufführung am 28. November 2008

Regie: Jossi Wieler
Bühne und Kostüme: Anja Rabes
Dramaturgie: Julia Lochte
Musik: Wolfgang Siuda
Licht: Max Keller

Mit:
Katja Bürkle
André Jung
Hans Kremer
Steven Scharf
Hildegard Schmahl

Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek


Foto: Arno Declair
Foto: Arno Declair

 

 

 

 

Fotos: Arno Declair