Muttersprache Mameloschn

Muttersprache Mameloschnvon Marianna Salzmann
Deutsches Theater Berlin

Muttersprache Mameloschn ist eine Tautologie: Mameloschn ist das jiddische Wort für Muttersprache, und was eine Muttersprache ist, was sie aus einem macht, was überhaupt Identität ist und wie man sich die eigene definieren kann im Riesenkosmos der interkulturellen Möglichkeiten, das ist die Frage, die alle Stücke Marianna Salzmanns, von denen nicht weniger als fünf in dieser Spielzeit uraufgeführt wurden, durchzieht. Kein Wunder: Die 27-jährige wurde in Russland in eine jüdische Familie geboren und kam erst mit zehn Jahren nach Deutschland, wo sie die Sprache lernte, in der sie heute schreibt. Muttersprache Mameloschn ist die Familiengeschichte dreier Frauen, deren Leben und Selbstwahrnehmung von den Traumata der jüdischen Geschichte geprägt, gezeichnet und beflügelt sind. In Liebe, Genervtheit und Abgrenzung sind sie miteinander verbunden: Großmutter Lin, die das KZ überlebte und in der DDR überzeugte Kommunistin war, ihre Tochter Clara, die am orthodoxen Judentum so desinteressiert ist wie vom gescheiterten kommunistischen Experiment angeödet, und Enkelin Rahel, ein internationales Kind der Post-Holocaust-Generation, die in New York nach ihrer sexuellen Identität sucht und nach Wurzeln, für die vielleicht die Großmutter stehen könnte. Salzmann erzählt das in einer leichten, unsentimentalen Patchwork-Technik mit Zorn, Herz und Witz. Alle drei Frauen bekommen ihr Recht, dafür sorgen am Deutschen Theater Berlin auch die junge Regisseurin Brit Bartkowiak und ihre drei tollen Schauspielerinnen Gabriele Heinz, Anita Vulesica und Natalia Belitski.
Barbara Burckhardt
 
Uraufführung am 09.09.2012 im Deutschen Theater Berlin

Regie: Brit Bartkowiak
Bühne: Nikolaus Frinke
Kostüme: Carolin Schogs
Musik: Thies Mynther
Dramaturgie: Ulrich Beck

Mit:
Lin: Gabriele Heinz
Clara / Lins Tochter: Anita Vulesica
Rahel / Claras Tochter: Natalia Belitski
 

Aufführungsdauer: 1 Stunde 25 Minuten, keine Pause
Aufführungsrechte: Verlag der Autoren, Frankfurt am Main

www.deutschestheater.de

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Muttersprache MameloschnFotos: Arno Declair

 

 

 

 

 

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Marianna Salzmann

Marianna Salzmann/Foto: Lutz Knospe

Geboren 1985 in Wolgograd.
Sie studierte an der Universität Hildesheim Literatur, Theater und Medien, wo sie sich auf Regie (u.a. „Ein Attentat auf Godot“, Publikumspreis beim Theaterfestival Faust-Spiele 2007, Hannover) und Schauspiel (u.a. „NPD reloaded“ in der Regie von Matthias Spaniel) konzentrierte. Sie war jahrelang Initiatorin und Moderatorin des Global Open Stage in Hannover. Publikationen von Gedichten, Essays und Kurztheaterstücken in diversen Magazinen. Regie- und Dramaturgieassistenzen am Schauspiel Hannover und am Theaterhaus Jena. 2008 - 12 studierte sie Szenisches Schreiben an der Universität der Künste. Sie ist die Mitbegründerin des Kultur- und Gesellschaftsmagazins freitext, das 2012 zehnjähriges Jubiläum feierte. Salzmann entwickelte zusammen mit dem Musiktheaterkollektiv forte blau Projekte für Gehörlose, Schwerhörende und Hörende. Und arbeitete mit dem „Grenzkollektiv“ zum Thema Stimmen hören. 2012/13 war sie die Stipendiatin der Kulturakademie Tarabya in Istanbul, vergeben vom Auswärtigen Amt und dem Goethe Institut. Sie leitet die Literaturwerkstatt Neue Deutsche Stücke in Kooperation mit dem Ballhaus Naunynstraße und Maxim Gorki Theater Berlin. Ab 2013 ist Marianna Salzmann die Hausautorin des Maxim Gorki Theaters Berlin unter der Leitung von Shermin Langhoff und Jens Hillje.

Sie lebt in Berlin.
 

Stücke

Geistern folgen UA 16.10.2009, Hannover, Regie: Wera Mahne
Weißbrotmusik UA 25.09.2010, bat-Studiotheater Berlin, Regie: Nick Hartnagel
Massensterben der Möglichkeiten UA 20.02.2011, Deutsches Theater Berlin / Universität der Künste, Regie: Sascha Hawemann
SATT UA 06.03.2011, Residenztheater München, Regie: Stefanie Bauerochse
Weltrettungsauftrag UA 03.11.2011, Eisfabrik Hannover, Regie: Bea Tinzmann
Beg your pardon UA 25.04.2012, Ballhaus Naunynstraße Berlin, Regie: Hakan Savas Mican
Muttermale Fenster Blau UA 20.05.2012, Badisches Staatstheater Karlsruhe / Ruhrfestspiele Recklinghausen, Regie: Carina Riedl
Rot werden UA 01.06.2012, Ballhaus Naunynstraße, Regie Marianna Salzmann
Muttersprache Mameloschn UA 09.09.2012, Deutsches Theater Berlin, Regie: Brit Bartkoviak - Publikumspreis der "Stücke 2013"
Weitere Inszenierungen:
ÖEA 07.03.2013, Theater Kosmos Bregenz, Regie: Barbara Schulte
Lichthoftheater Hamburg, 18.10.2013, Regie: N.N.
Fahrräder könnten eine Rolle spielen (zusammen mit Deniz Utlu) UA 23.11.2012, Ballhaus Naunynstraße Berlin, Regie: Lukas Langhoff
Schwimmen lernen UA 01.03.2013, Heidelberger Theater, Regie: Paul-Georg Dittrich
Kasimir und Karoline (nach Motiven von Ödön von Horváth) UA 18.05.2013, Düsseldorfer Schauspielhaus, Regie: Nurkan Erpulat

Preise

2009 exil-DramatikerInnenpreis der wiener wortstaetten für Weißbrotmusik
2012 Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker für Muttermale Fenster Blau; Stipendium der Kulturakademie Tarabya (Türkei)

www.mariannasalzmann.com/

Foto: Lutz Knospe

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