Mein junges idiotisches Herz

Foto: Andreas Pohlmann



Ein Tag im Leben eines Mietshauses. Frau Schlüter hat beschlossen, dass es ihr letzter sein wird: „Um drei und zwar pünktlich bin ich eine tragische Frau.“ Miroslaw, der Fruchtsaftlieferant, den sie kurz zuvor bestellt hat, soll sie finden, als schöne Leiche im roten Kleid. Doch dann beginnt eine Kettenreaktion unvorhergesehener Ereignisse: Hausmeister Zarter kommt vorbei, um das Waschbecken zu reparieren. Der Postbote will ein Paket abgeben für Herrn Sandmann vom dritten Stock. Der entdeckt in Zarters Wohnung die Baseballjacke einer Frau, die ihn schon lange in seinen Träumen verfolgt. Währenddessen begegnet Frau Lachmär vom Vierten, die seit 69 Tagen kein Wort mehr gesprochen hat, Miroslaw im Treppenhaus und lädt ihn zum Gulasch ein. Zum Schluss ist Frau Schlüter noch am Leben, während Herr Hase der Postbote, tot in der Waschküche liegt.
Aus dem Kaleidoskop von abgekapselten Wohnzellenexistenzen setzt sich allmählich so etwas wie ein buntes Panoptikum moderner Stadtneurotiker zusammen. Verknüpfungen stellen sich her. Aus Monologen werden Gespräche und über allem schwebt ein altes Lied von Doris Day „My young and foolish heart“.
Mit ihrem zweiten Stück (nach „Sterne“, das beim Stückemarkt des Berliner Theater-treffens 2003 gelesen wurde) hat Anja Hilling, die derzeit noch an der Universität der Künste in Berlin Szenisches Schreiben studiert, einen Text vorgelegt, der das Theater durch genaue Beobachtung, subtile Seelenforschung und einen multiperspektivischen Blick herausfordert.
Silvia Stammen

Uraufführung: 
03. März 2005, Theaterhaus Jena
Premiere: 
14. November 2004, Münchner Kammerspiele

Mit: Katharina Schubert, Robert Dölle, Matthias Bundschuh, Wolfgang Pregler, Anna Böger, Michael Tregor
Regie: Daniela Kranz
Bühne: Frauke Löffel
Kostüme: Nadine Grellinger