Kein Schiff wird kommen

Foto: Cecilia Gläsker
1 ½ Stunden, keine Pause



Nis-Momme Stockmann ist der Hype der Saison. Von Spiegel online bis zur FAZ, vom Kultur-fernsehen bis zur Theaterkritik wurden er und seine drei Stücke, die kurz hintereinander Premiere hatten, mit hohem Respekt beachtet. Noch keine 30 Jahre alt ist der Theaterdebütant bereits Hausautor am Schauspiel Frankfurt und sammelt Intendantenneugier wie andere Menschen seines Alters CDs. Kann das gut sein? Ja, es kann. Denn Stockmann, der zunächst relativ alltägliche Ermüdungsbrüche in der Leistungsgesellschaft beschreibt, findet dafür jedesmal eine Form, die über die präzise Beobachtung künstlerisch hinausweist. In „Der Mann, der die Welt aß“, uraufgeführt in Heidelberg, wird die Beziehung eines Lebensflüchtigen zu seinem Alzheimer-Vater zur Allegorie einer Gesellschaft, die sozial redet und egoistisch lebt. „Das blaue blaue Meer“, sein Start in Frankfurt, ist eine bitter-komische Überzeichnung des Frust-Alkoholimus in Trabantenstädten, die gekonnt Würde mit Spott mischt. Und das aus-gewählte Stück „Kein Schiff wird kommen“ – in Stuttgart von Annette Pullen inszeniert – verquickt mit großer Reife drei Erzählebenen: ein kompliziertes Vater-Sohn-Verhältnis, die Selbstzweifel eines jungen Autors sowie eine sarkastische Kritik am Theatermarkt, der Texte und Menschen mit ökonomischem Zynismus verbraucht. Wenn Stockmann mit diesen Mecha-nismen und seinen Zweifeln so souverän umgeht wie mit seinem kritischen Sprachgefühl, dann bleibt er der Bühne noch lange erhalten.

Uraufführung: 
19. Februar 2010

Mit: Lisa Wildmann, Matthias Kelle, Jens Winterstein
Regie: Annette Pullen
Bühne und Kostüme: Iris Kraft
Dramaturgie: Kekke Schmidt