Kein Schiff wird kommen

von Nis-Momme Stockmann

Stücke 2010

Kein Schiff wird kommen

Nis-Momme Stockmann ist der Hype der Saison. Von Spiegel online bis zur FAZ, vom Kultur-fernsehen bis zur Theaterkritik wurden er und seine drei Stücke, die kurz hintereinander Premiere hatten, mit hohem Respekt beachtet. Noch keine 30 Jahre alt ist der Theaterdebütant bereits Hausautor am Schauspiel Frankfurt und sammelt Intendantenneugier wie andere Menschen seines Alters CDs. Kann das gut sein? Ja, es kann. Denn Stockmann, der zunächst relativ alltägliche Ermüdungsbrüche in der Leistungsgesellschaft beschreibt, findet dafür jedesmal eine Form, die über die präzise Beobachtung künstlerisch hinausweist. In „Der Mann, der die Welt aß“, uraufgeführt in Heidelberg, wird die Beziehung eines Lebensflüchtigen zu seinem Alzheimer-Vater zur Allegorie einer Gesellschaft, die sozial redet und egoistisch lebt. „Das blaue blaue Meer“, sein Start in Frankfurt, ist eine bitter-komische Überzeichnung des Frust-Alkoholimus in Trabantenstädten, die gekonnt Würde mit Spott mischt. Und das aus-gewählte Stück „Kein Schiff wird kommen“ – in Stuttgart von Annette Pullen inszeniert – verquickt mit großer Reife drei Erzählebenen: ein kompliziertes Vater-Sohn-Verhältnis, die Selbstzweifel eines jungen Autors sowie eine sarkastische Kritik am Theatermarkt, der Texte und Menschen mit ökonomischem Zynismus verbraucht. Wenn Stockmann mit diesen Mecha-nismen und seinen Zweifeln so souverän umgeht wie mit seinem kritischen Sprachgefühl, dann bleibt er der Bühne noch lange erhalten.
Uraufführung am 19. Februar 2010 im Theater im Depot

Regie: Annette Pullen
Bühne und Kostüme: Iris Kraft
Dramaturgie: Kekke Schmidt

Mit
Lisa Wildmann
Matthias Kelle
Jens Winterstein

Aufführungsdauer: 1 ½ Stunden, keine Pause
Aufführungsrechte: schaefersphilippen Theater & Medien, Köln

 

 

 

 

 

 

Fotos: Cecilia Gläsker

 

Nis-Momme Stockmann

Nis-Momme Stockmann/Foto: Harald FronzeckGeboren 1981 auf Föhr.
Studierte Sprache und Kultur Tibets in Hamburg, Medienwissenschaften im dänischen Odense, und machte eine Ausbildung zum Koch, bevor er begann, an der Universität der Künste Berlin Szenisches Schreiben zu studieren. Gemeinsam mit drei weiteren Autoren war Nis-Momme Stockmann 2009/2010 Stipendiat des von Thomas Jonigk geleiteten Düsseldorfer Autorenlabors. Von 2009 bis 2012 war Nis-Momme Stockmann Hausautor am Schauspiel Frankfurt. Stockmann schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Lyrik sowie Prosa und produzierte gemeinsam mit der Performance-Gruppe Herkules Manhattan das Stück Expedition und Psychatrie am Theater Heidelberg. Auf Einladung des Goethe-Instituts reiste er im Frühjahr 2012 nach Japan und dort zu der Schutzzone des havarierten Reaktors Fukushima-Daiichi. Von seinen Erlebnissen berichtete er in seinem Blog und als Gast in Sachiko Haras Hiroshima-Salon am Schauspiel Hannover, außerdem schrieb er eine Reportage für das Magazin konkret.

 

Stücke (Auswahl)

Der Mann der die Welt aß UA 17.12.2009, Theater Heidelberg, Regie: Dominique Schnizer
Das blaue blaue Meer UA 22.01.2010, Schauspiel Frankfurt, Regie: Marc Lunghuss
Kein Schiff wird kommen UA 19.02.2010, Staatstheater Stuttgart, Regie: Annette Pullen – „Stücke 2010“
Inga und Lutz UA 08.10.2010, Staatstheater Braunschweig, Regie: Alexis Bug
Die Ängstlichen und die Brutalen UA 12.11.2010, Schauspiel Frankfurt, Regie: Martin Kloepfer
Expedition und Psychatrie UA 04.03.2011, Theater Heidelberg, Regie: Nis-Momme Stockmann
Der Freund krank UA 27.04.2012, Schauspiel Frankfurt, Regie: Martin Schulze
Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir UA 15.09.2012, Staatstheater Hannover, Regie: Lars-Ole Walburg

 

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

2005 1.Preis für den Kurzfilm IGNORANS beim internationalen Filmfestival Odense
2009 Haupt- und Publikumspreis des Heidelberger Stückemarktes für DER MANN DER DIE WELT ASS
2010 Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises
2010 Nachwuchsdramatiker des Jahres (Kritikerumfrage von Theater Heute)
2011 Friedrich-Hebbel-Preis