hamlet ist tot. keine schwerkraft

Szene aus hamlet ist tot. keine schwerkraft von Ewald Palmetshofer
Schauspielhaus Wien / wiener wortstaetten



Dass Hamlet tot ist, weiß jeder, der Shakespeares Tragödie mindestens einmal bis zum Ende gesehen hat. Wenn der junge oberösterreichische Autor Ewald Palmetshofer, Jahrgang 1978, sein viertes Stück „hamlet ist tot“ nennt, ist das natürlich eine Metapher. Gemeint ist nicht der Dänenprinz, sondern das, wofür er steht. Für ein Theater, in dem man noch von einer besseren Welt träumen konnte. Und für eine Welt, in der das Denken noch geholfen hat. Drei Paare aus zwei Generationen treffen in dem Stück aufeinander, das Spektrum der Konflikte reicht von der Inzestbeziehung unter Geschwistern bis zum Mordkomplott gegen die eigene Mutter. Aber Gut und Böse sind hier keine Kategorien mehr, und auch Familientragödien werden so lapidar verhandelt, dass man nur darüber lachen kann.
Das Genre der brutalen Familienfarce hat Palmetshofer nicht erfunden. Dennoch ist der Autor unter den vielen Mülheim-Neulingen dieses Jahres vielleicht der eigensinnigste. Sein Stück, das nahezu sinnfreies Dialoggeplapper mit elaborierten Monologblöcken kombiniert, entwickelt einen spannenden Rhythmus und einen neuartigen Sound. Auch das Vokabular ist ungewöhnlich: Palmetshofer lässt seine Figuren in mathematischen oder geometrischen Begriffen sprechen, wenn sie ihr Leben analysieren. Mit vollem Titel heißt das Stück „hamlet ist tot. keine schwerkraft“. Nicht einmal auf die Gesetze der Physik kann man sich noch verlassen.
Wolfgang Kralicek

Uraufführung: 
22.11.2007

Mit: Vincent Glander, Steffen Höld, Katja Jung, Bettina Kerl, Nicola Kirsch, Stephan Lohse

Regie: Felicitas Brucker
Kostüme: Sara Schwartz
Musik: Arvild Baud