Genannt Gospodin

Szene aus Genannt Gospodin von Philipp Löhle
Schauspielhaus Bochum




Eigentlich wollte Gospodin seinen bescheidenen Lebensunterhalt mit einem Streichellama in Fußgängerzonen bestreiten, doch dann wird ihm ausgerechnet von Greenpeace sein Betteltier weggenommen. Damit beginnt ein Kreuzzug gegen den Kapitalismus, der an den rostigen Ritter Don Quichotte erinnert. Am Ende steht der lebende Beweis, dass es glückliche Arbeitslose gibt. Allerdings stellt sich dabei auch heraus, dass so viel Glück durchaus seinen Preis hat, der nicht zuletzt aus Umwegen besteht, die schnell in ihr Gegenteil münden können.
Die kleine Reise gegen die Windmühlen unserer Wirtschaftsordnung wird eine schwere Herausforderung. Erst muss sich der wackere Gospodin aller Gefühle gegen Sachen entledigen – Selbstimmunisierung gegen Konsumfreuden –, dann werden ihm ungefragt Jobs angeboten, schließlich hinterlässt ihm ein Kneipenfreund eine Tasche voll Geld, das er beim besten Willen nicht wieder loswird. „Genannt Gospodin“ endet nach vielen Volten glücklich und zufrieden am Ziel seiner Träume – im Gefängnis. Dort ist die Freiheit grenzenlos: kein Geld, keine Entscheidungen, einfach Sein.
Die entscheidende Frage von Philipp Löhles Stück muss das Theater beantworten: Ist Gospodin ein besonders naiver Einzelhandelsverächter, der nur beweist, dass man mit konsequenter Kapitalismuskritik scheitern muss – oder die subversive Alternative, die das System mit dessen eigenen Mitteln schlägt und dabei auch noch froh wird?
Franz Wille

Uraufführung: 
28.10.2007

Mit: Jele Brückner, Agnes Riegl, Karsten Dahlem, Michael Lippold

Regie: Kristo Šagor
Bühne und Kostüme: Sebastian Kloos