Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute

Foto: Conny Mirbach
1 Stunde 30 Minuten, keine Pause



Die Schauplätze sind z.B. Halle, Regensburg oder die Uckermark. Die Szenen spielen in der S-Bahn, auf dem Schulhof oder in einer Buchhandlung: Dirk Laucke verknüpft in seinem neuen Stück Situationen, die er selbst erlebt, von denen er gehört oder über die er gelesen hat, zu einer beunruhigenden Bestandsaufnahme. Seine „Szenen aus Deutschland“ dokumentieren Alltagsrassismus, faschistische Tendenzen und kriminelle Übergriffe.
Schon im Titel bringt er die Szenencollage in Verbindung zu Bertolt Brechts „Furcht und Elend im Dritten Reich“ und Franz Xaver Kroetz’ „Furcht und Hoffnung der BRD“. Dabei geht es Laucke nicht um Anklage oder Parteinahme. Er hört neugierig hin und gibt sorgfältig wieder. Er verdichtet, ohne zu werten und legt damit eine Spur zu gesellschaftlichen Strukturen und dem Umgang mit einer ideologischen Gesinnung, die im Alltag fußt und hinter der die Angst und die Ratlosigkeit seiner Figuren sichtbar werden.
Das Stuttgarter Ensemble präsentiert diese Szenen fast nüchtern, bebildert sie nicht, zieht keine vorschnellen Schlüsse. Es folgt dem vermeintlich unspektakulären Ton des Stückes und zeigt gerade dadurch die Brisanz von Lauckes Perspektive auf die Gegenwart – und das Theater.
Dagmar Walser

Uraufführung: 
am 08.11.2014

Mit: Caroline Junghanns, Rahel Ohm, Hanna Plaß, Robert Kuchenbuch, Florian Rummel, Michael Stiller
Regie: Jan Gehler
Bühne: Sami Bill
Kostüme: Katja Strohschneider
Dramaturgie: Carmen Wolfram

Stückabdruck: 
Stückabdruck in Theater heute, Heft 11/2014