Für alle reicht es nicht

von Dirk Laucke

Stücke 2010

Staatsschauspiel Dresden

In den neuen Ländern ist Krise der Normalzustand. Dirk Laucke, der den wendetraumatisierten Osten kennt wie sein 27-jähriges Leben, hält sich an die Tatsachen, vor allem wenn sie darin bestehen, dass andere daran vorbeireden. Bei den Leuten, über die er schreibt, bleibt immer etwas Luft zwischen dem Sprechen und der Welt: gerade weit genug, dass alle Pläne immer wieder zuverlässig darin wegrutschen.
„Für alle reicht es nicht“ versammelt Vereinigungsverlierer, bei denen sich Lebenskunst, Lebenslüge und Kleinkriminalität zwanglos überschneiden. Jo und Anna schmuggeln polnische Zigaretten über die Grenze, der alte NVA-Veteran Heiner will irgendwo in der brandenburgi-schen Pampa eine private Panzerspaßbahn aufziehen, hinzu kommen seine Tochter und Enkelin aus dem Westen und der zufällig abgestellte Lastwagen einer Schlepperbande mit
30 halbverdursteten Vietnamesen: viel Stoff für wenig Perspektive.   
Zwischen aufquellenden Erinnerungen und halbgaren Zukunftsprojekten entgleitet die Gegenwart. Vielleicht sind die Vietnamesen erstickt, während Heiner nicht aus dem Kopf bekommt, wie damals seine Frau Richtung Westen verschwunden ist oder Anna wieder einmal obsessive Verlassensängste plagen. Wahrscheinlich meint es Jo ernst, wenn er sich den Kopf zerbricht, wie man den 30 Gestrandeten Jobs verschaffen könnte. Jedenfalls schlägt er einen von ihnen sofort halbtot, wenn er zu fliehen versucht. Was am Ende daraus wird, ist nicht so wichtig. Der Weg ist das Verlaufen.
Franz Wille

 

 Uraufführung am 31. Oktober 2009 im Rahmen des Festivals „After the Fall“
 

Mit:
Thomas Eisen
Cathleen Baumann
Torsten Ranft
Melanie Lüninghöner
Friedrich Paravicini

 

Regie: Sandra Strunz      
Bühne: Katrin Hoffmann
Kostüme: Daniela Selig
Musik: Friedrich Paravicini
Licht: Michael Gööck
Dramaturgie: Robert Koall
 

 
Aufführungsdauer: 1 1/2 Stunden, keine Pause

 
Aufführungsrechte: Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs GmbH, Berlin

www.staatsschauspiel-dresden.de


 

 

 

 

Fotos: David Baltzer

 

Dirk Laucke

Geboren 1982 in Schkeuditz
Dirk Laucke wuchs in Halle auf und begann 2002 ein Psychologiestudium an der Universität Leipzig, das er abbrach, um von 2004 bis 2008 den Studiengang Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin (UdK) zu absolvieren.
2004 wurde Dirk Laucke als Nachwuchsdramatiker von Tankred Dorst zu den Salzburger Festspielen eingeladen, um sein noch unveröffentlichtes Drama „Symptom“ in einer szenischen Lesung zu präsentieren. In der Spielzeit 2006/07 war er Stipendiat beim Autorenlabor am Düsseldorfer Schauspielhaus. Dirk Laucke arbeitet auch als Regisseur. Er lebt in Berlin.

Stücke
Symptom
aufgeführt als Lesung 2004, Salzburger Festspiele
Hier geblieben! UA 2.5.2005, Grips Theater Berlin, Regie: Christopher Maas
Neustaat Halle UA 10/2005, Thalia Theater Halle in Koproduktion mit der Internationalen Sommerschule Halle-Neustadt, Regie: Dirk Laucke
alter ford escort dunkelblau UA 27.1.2007, Theater Osnabrück, Regie: Henning Bock – „Stücke ´07“
Silberhöhe gibts nich mehr UA 14.3.2008, Thalia Theater Halle, Regie: Dirk Laucke
Stück gegen sich selbst UA 11.4.2008, Schaubühne am Lehniner Platz (Deutschlandsaga Uraufführungswerkstatt)
Wir sind immer oben UA 14.9.2008, Schauspiel Essen, Regie: Henning Bock
Der kalte Kuss von warmem Bier UA 2.5.2009, Theater Heidelberg, Regie: Henning Bock
zu jung zu alt zu deutsch UA 14.5.2009, Theater Osnabrück, Regie: Jens Poth

Ultras. Ein Stück Freiheit für die Kurve UA 18.9.2009, Thalia Theater Halle, Regie: Dirk Laucke
Für alle reicht es nicht UA 31.10.2009, Staatsschauspiel Dresden, Regie: Sandra Strunz – „Stücke 2010“
Start- und Landebahn UA 16.5.2010 Städtische Bühnen Osnabrück, Regie: Jens Poth
Stress! Der Rest ist Leben UA 11.2.2010, Grips Theater Berlin, Regie: Frank Panhans
Bakunin auf dem Rücksitz UA 8.10.2010, Deutsches Theater Berlin, Regie: Sabine Auf der Heyde
Alles Opfer oder grenzenlose Heiterkeit UA 10.6.2011, Ruhrfestspiele Recklinghausen in Koproduktion mit dem Staatsschauspiel Dresden, Regie: David Benjamin Brückel
Angst & Abscheu in der BRD UA 21.10.2011, Theater Oberhausen in Koproduktion mit dem Ringlokschuppen Mülheim, Regie: Dirk Laucke
Einigkeit und ... – Ein Rechercheprojekt zu Sinti und Roma in Europa UA 16.6.2012, Theater Heidelberg, Regie: Tobias Rausch
Cargonauten UA 28.9.2012, Stadttheater Bremerhaven, Regie: Jens Poth
Jimi Bowatski hat kein Schamgefühl UA 3.2.2013, Schauspielhaus Bochum, Regie: Christina Pfrötschner
Samurai UA 23.11.2013, Theater Heidelberg, Regie: Jens Poth
Seattle UA 2.2.2014, Theater Freiburg, Regie: Jan Gehler
Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute UA 8.11.2014, Schauspiel Stuttgart, Regie: Jan Gehler – „Stücke 2015“
Kopflohn nach Anna Seghers, UA 4.5.2015, Ruhrfestspiele Recklinghausen in Koproduktion mit dem Staatstheater Mainz, Regie: K. D. Schmidt
Luft nach oben UA 20.11.2015, Deutsches Nationaltheater Weimar, Regie: Enrico Stolzenberg
Karnickel UA 29.9.2016, Schauspiel Köln, Regie: Pinar Karabulut
Vom Gefühl her: Fuck u! UA 13.11.2016, Landestheater Altenburg/Gera, Regie: Andreas Bauer
Bambule im Herbst UA 15.9.2017, Nationaltheater Weimar, Regie: Enrico Stolzenberg
Die größte Gemeinheit der Welt UA 22.4.2018, Junges Schauspiel Düsseldorf, Regie: Christof Seeger-Zurmühlen – „KinderStücke 2019“
Nur die Harten (kommen in den Garten) UA 3.6.2018, Theater Oberhausen, Regie: Florian Fiedler

Drehbuch
2007 Zeit der Fische, Kinofilm, Erstaufführung 31.1.2008

E-Book
2014 alter ford escort dunkelblau, Kiepenheuer Medien, Berlin
2018 Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute, Kiepenheuer Medien, Berlin

Hörspiel
2008 alter ford escort dunkelblau, MDR
2011 Start und Landebahn, MDR
2011 Angst & Abscheu in der BRD – Sendezwang, WDR
2013 Jimi Bowatski hat kein Schamgefühl, WDR
2014 Als wir Krieg spielten, WDR
2015 Der Eismann, WDR
2016 Karnickel, SWR
2017 Ein paar Dinge, die ich loswerden wollte, SWR

Prosa
2015 Mit sozialistischem Grusz, Roman, rororo, Reinbek bei Hamburg

Auszeichnungen und Preise
2006 Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker für „alter ford escort dunkelblau“
2007 Nachwuchsautor des Jahres in der Kritikerumfrage von Theater heute für „alter ford escort dunkelblau“
2009 Zonser Hörspielpreis für „alter ford escort dunkelblau“
2009 Förderpreis zum Lessing-Preis des Freistaates Sachsen
2010 Dramatikerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft
2011 Georg-Kaiser-Förderpreis des Landes Sachsen-Anhalt