Du (Normen)

Foto: Hans Jörg Michel
Foto: Hans Jörg Michel
Foto: Hans Jörg Michel
1 Stunde 50 Minuten, keine Pause<br />Aufführungsrechte: Rowohlt Theaterverlag, Reinbek bei Hamburg<br /><br />Stückabdruck in Theater heute, Heft 8-9/2013

von Philipp Löhle

Stücke 2014

Nationaltheater Mannheim

Philipp Löhle, schon seit Genannt Gospodin ein zuverlässiger Kandidat für dramatische Kapitalismuskritik, hat in seinem neuen Stück erstmals die Seiten gewechselt. Waren seine Helden sonst spleenige Verweigerer und Don Quichottes, die ihr schräges Ding gegen alle Windmühlen des gesunden Menschenverstands verteidigen, hat er jetzt das Funktionieren zum Prinzip gemacht. Der nette Normen ist ein guter Kumpel, zuvorkommend gleichgültiger Ehemann und auch sonst eher von herzlicher, latent fauler Durchschnittlichkeit. Allerdings ist er mit dem untrüglichen Instinkt ausgestattet, Bretter an ihrer dünnsten Stelle erfolgreich zu durchbohren. In der Sprache der Wirtschaftstheorie handelt es sich bei Normen, der sich Publikum und Mitmenschen meist mit einem unkomplizierten „Du“ nähert, um den Prototyp eines sogenannten Nutzenmaximierers. An dieser Spezies lässt sich einwandfrei nachvollziehen, wie der Mensch handelt, wenn er im eigenen Interesse vernünftig handelt.
Sven Prietz als „Du“ kann mit jedem und will nichts weiter, als mit kleinstem Aufwand das ökonomisch Beste herauszuholen. Man mag ihn dabei für leicht beschränkt halten oder für ziemlich fokussiert; vor dem Maßstab des Kontostands verschwimmen die beiden Perspektiven in vielen milchigen Nullen. Sechs Schauspieler versorgen nicht nur 20 Personen am Lebenswegrand, sondern verteilen sich auch auf den allgegenwärtigen Autorkommentar, der das Publikum herzlich umarmt: ein beängstigend netter Figurenpark aus dem Wohlstandsspeckgürtel der flächendeckenden Provinz.

Franz Wille

 

Uraufführung am 01.06.2013, Nationaltheater Mannheim

 

Mit:
Sabine Fürst, Anke Schubert, Dascha Trautwein, Thorsten Danner, Reinhard Mahlberg, Sven Prietz, Klaus Rodewald

 

Regie: Katrin Lindner
Bühne: Tobias Schunck
Kostüme: Birgitta Weiss
Dramaturgie: Tilman Neuffer

 

Aufführungsdauer: 1 Stunde 50 Minuten, keine Pause
Aufführungsrechte: Rowohlt Theaterverlag, Reinbek bei Hamburg

Stückabdruck in Theater heute, Heft 8-9/2013

 

www.nationaltheater-mannheim.de

 

 

 

 

Philipp Löhle über "Du (Normen)"
"Warum schlafen böse Menschen gut?"
 

Alle Videos von Max Büch und Alexander Viktorin


 

 

Uraufführung: 
am 01.06.2013, Nationaltheater Mannheim
Mit:
Sabine Fürst, Anke Schubert, Dascha Trautwein, Thorsten Danner, Reinhard Mahlberg, Sven Prietz, Klaus Rodewald

 

Regie: Katrin Lindner
Bühne: Tobias Schunck
Kostüme: Birgitta Weiss
Dramaturgie: Tilman Neuffer

 

Stückabdruck: 
Stückabdruck in Theater heute, Heft 8-9/2013

von Philipp Löhle

Stücke 2014

Nationaltheater Mannheim

Philipp Löhle, schon seit Genannt Gospodin ein zuverlässiger Kandidat für dramatische Kapitalismuskritik, hat in seinem neuen Stück erstmals die Seiten gewechselt. Waren seine Helden sonst spleenige Verweigerer und Don Quichottes, die ihr schräges Ding gegen alle Windmühlen des gesunden Menschenverstands verteidigen, hat er jetzt das Funktionieren zum Prinzip gemacht. Der nette Normen ist ein guter Kumpel, zuvorkommend gleichgültiger Ehemann und auch sonst eher von herzlicher, latent fauler Durchschnittlichkeit. Allerdings ist er mit dem untrüglichen Instinkt ausgestattet, Bretter an ihrer dünnsten Stelle erfolgreich zu durchbohren. In der Sprache der Wirtschaftstheorie handelt es sich bei Normen, der sich Publikum und Mitmenschen meist mit einem unkomplizierten „Du“ nähert, um den Prototyp eines sogenannten Nutzenmaximierers. An dieser Spezies lässt sich einwandfrei nachvollziehen, wie der Mensch handelt, wenn er im eigenen Interesse vernünftig handelt.
Sven Prietz als „Du“ kann mit jedem und will nichts weiter, als mit kleinstem Aufwand das ökonomisch Beste herauszuholen. Man mag ihn dabei für leicht beschränkt halten oder für ziemlich fokussiert; vor dem Maßstab des Kontostands verschwimmen die beiden Perspektiven in vielen milchigen Nullen. Sechs Schauspieler versorgen nicht nur 20 Personen am Lebenswegrand, sondern verteilen sich auch auf den allgegenwärtigen Autorkommentar, der das Publikum herzlich umarmt: ein beängstigend netter Figurenpark aus dem Wohlstandsspeckgürtel der flächendeckenden Provinz.

Franz Wille

 

Uraufführung am 01.06.2013, Nationaltheater Mannheim

 

Mit:
Sabine Fürst, Anke Schubert, Dascha Trautwein, Thorsten Danner, Reinhard Mahlberg, Sven Prietz, Klaus Rodewald

 

Regie: Katrin Lindner
Bühne: Tobias Schunck
Kostüme: Birgitta Weiss
Dramaturgie: Tilman Neuffer

 

Aufführungsdauer: 1 Stunde 50 Minuten, keine Pause
Aufführungsrechte: Rowohlt Theaterverlag, Reinbek bei Hamburg

Stückabdruck in Theater heute, Heft 8-9/2013

 

www.nationaltheater-mannheim.de

 

 

 

 

Philipp Löhle über "Du (Normen)"
"Warum schlafen böse Menschen gut?"
 

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