Drei sind wir

Höll: Drei sind wir / Foto: Rolf Arnold
1 Stunde 20 Minuten, keine Pause



„Ihr Kind hat ein Chromosom zu viel“, diagnostiziert der behandelnde Arzt in Wolfram Hölls Stück „Drei sind wir“. Und: „Jeder Tag, jede Woche, jeder Monat mehr, sagt er, ist mehr, als man hoffen darf.“ Wie schon in seinen Vorgänger-Texten „Und dann“ und „Vom Verschwinden vom Vater“ beschreibt der Autor - Gewinner des Mülheimer Dramatikerpreises 2014 - eine Verlust-Erfahrung: Ein Elternpaar sieht seinem mit einer seltenen Trisomie geborenen Kind buchstäblich beim Verschwinden zu. Höll umkreist diese Ausnahmesituation nicht nur in den ihm eigenen, wohltuend unaufgeregt tastenden Sprachschleifen, sondern auch maximal (interpretations-)offen: Im gleichen Maße, in dem sich neue Erfahrungsräume öffnen, schließen sich andere ein- für allemal. Dabei bezieht sich die leitmotivische „Drei“ im Titel nicht nur auf die kindliche Trisomie, sondern auch auf das familiäre Beziehungsdreieck Mutter – Vater – Kind, dessen Schwerpunkt sich im Laufe des Abends permanent verlagert und gleichsam neu sortieren muss. Die Uraufführungsregisseurin Thirza Bruncken findet dafür mit ihrem vierköpfigen Ensemble vom Schauspiel Leipzig eine klare Lesart.
Christine Wahl
 

Uraufführung: 
am 20. Februar 2016, Schauspiel Leipzig

Mit: Julius Bornmann, Anna Keil, Bettina Schmidt, Sebastian Tessenow
Regie: Thirza Bruncken
Bühne und Kostüm: Christoph Ernst
Choreographische Einstudierung: Sebastian Tessenow, Martin Opitz
Musikalische Einstudierung: Francesco Greco
Dramaturgie: Torsten Buß, Christin Ihle

Stückabdruck: 
Stückabdruck in theater heute 4/2016