Die versunkene Kathedrale

von Gert Jonke

Stücke 2006

Burgtheater Wien

Sündenfall am Wörthersee
Merkwürdig schön schon der Beginn. Heimgekehrt von der Hochzeitsreise rund um den Globus, liegen Er und Sie im Dunkel unter den Sternen im Streit. Und diese erste Szene endet, wenn das Schlafzimmer hellauf demoliert und "durchs Schlüsselloch ausgelaufen" ist. Poesie einer zerspringenden Logik, die uns nach dem späten Sündenfall in eine geriatrische Klinik führt, in der die allgemeine Verlangsamung den Patienten das Leben verlängert und dem Pflegeperso-nal zu wahnwitzigen geistigen Eskapaden hilft.
Im Auftrag des Wiener Burgtheaters hat Gert Jonke (nach der vergleichbaren "Chor-phantasie" wieder) einen Text geschrieben, der ein Stück Wirklichkeit sozusagen auseinandernimmt, um mit belustigend berührender Phantasie die Hoffnung auf eine andere Welt zu entdecken: die Erlösung von allen übeln vielleicht und im krausen Umkehrschluß. Und wieder auch hat Christiane Pohle ein reales Märchen (oder märchenhafte Realität?) mit viel Musik und starkem Timing reich gemacht für eine vergnügliche Anteilnahme.
Eine Kärntner Sage gab den Titel und die Apotheose her. Wie das Schlafzimmer ausge-laufen ist einst schon der Wörthersee, versunken das sündige Dorf samt Kathedrale. Aber schon naht per Video die Feuerwehr - und füllt das ausgetrocknete Land mit der Spritze wieder auf. So wunderlich, zärtlich, komisch bis absonderlich ist das Theater in Jahrzehnten nicht.
Dietmar N. Schmidt

Uraufführung am 18. September 2005 im Akademietheater

Regie: Christiane Pohle
Bühne und Kostüme: Maria-Alice Bahra
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel

Mit:
Markus Hering
Petra Morzé
Bibiana Zeller
Peter Matic
Urs Hefti
Dietmar König
Nicola Kirsch
Martin Schwab
Elisabeth Augustin
Michael Gempart

Aufführungsrechte: Verlag der Autoren, Frankfurt am Main
 

 

Gert Jonke

1946 - 2009

Geboren am 8. Februar 1946 in Klagenfurt/Kärnten.
Während der Mittelschulzeit Klavierausbildung am Landeskonservatorium Klagenfurt.
Ab 1966 verschiedene Studien wie Germanistik, Geschichte, Philosophie und Musikwissenschaft an der Universität Wien. Hörer der Akademie für Film und Fernsehen.
1970 zeitweilige Mitarbeit in der Hörspielabteilung des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart.
1971 Gast des DAAD-Künstlerprogramms in Berlin.
Längere Aufenthalte in London, Argentinien, Hamburg und Frankfurt.
1992 Stadtschreiber in Graz. Er lebte in Wien, Klagenfurt/Kärnten und Graz/Steiermark.
Gert Jonke starb am 4. Januar 2009.
 

Stücke

Die Hinterhältigkeit der Windmaschinen, UA 1981, Grazer Forum Stadtpark / Steirischer Herbst, Regie: Heinz Hartwig
Sanftwut oder Der Ohrenmaschinist, UA 1990, styriarte, Schauspielhaus Graz, Regie: Ernst Friedrich Jünger - Stücke ´92 (Inszenierung der Schaubühne am Lehniner Platz)
Opus 111, UA 1993, Volkstheater Wien, Regie: Stephan Bruckmeier
Gegenwart der Erinnerung, UA 21.05.1995, Volkstheater Wien Regie: Emmy Werner - Stücke ´96
Es singen die Steine, UA 1998, Stadttheater Klagenfurt
Insektarium, UA 13.06.1999, Volkstheater Wien / Wiener Festwochen, Regie: Michael Kreihsl
Chorphantasie, UA 17.05.2003, Graz 2003 / Burgtheater Wien, Regie: Christiane Pohle
Seltsame Sache, UA 08.09.2005, Ruhrtriennale / Theater an der Wien, Regie: Christiane Pohle
Die versunkene Kathedrale, UA 18.09.2005, Burgtheater Wien, Regie: Christiane Pohle - "Stücke 2006"

 
 

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

1971 Förderungspreis des Landes Kärnten für Literatur
1977 Ingeborg-Bachmann-Preis der Landeshauptstadt Klagenfurt
1984 Manuskripte-Preis für das Forum Stadtpark des Landes Steiermark
1987 Würdigungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur
1990-1993 Robert-Musil-Stipendium
1993 Würdigungspreis der Stadt Wien für Literatur
1993 Anton-Wildgans-Preis der österreichischen Industrie für Literatur
1997 Erich Fried Preis
1997 Franz Kafka-Literaturpreis der Stadt Klosterneuburg
2002 Großer österreichischer Staatspreis für Literatur
2003 Nestroy-Preis
2005 Kleist-Preis


 

Sanftmut oder Der Ohrenmaschinist

von Gert Jonke

Stücke 1992

Schaubühne am Lehniner Platz Berlin

Direktion: Jürgen Schitthelm

Ludwig van Beethoven: Peter Fitz
Anton Schindler, sein Adlatus: Hans Diehl
Ferdinand Waldmüller, Maler: Werner Rehm

Regie: Klaus Metzger
Bühne und Kostüme: Paul Lerchbaumer
Musikalischen Einrichtung: Joahnnes Schmölling

Premiere: 20. Oktober 1991 Schaubühne – Probebühne Cuvrystraße

Rechter: Verlag der Autoren, Frankfurt/Main

Vorstellungsdauer: 2 Stunden 20 Minuten / keine Pause



Jonke, Gert
Die versunkene Kathedrale

Gegenwart der Erinnerung

von Gert Jonke

Stücke 1996

Volkstheater Wien
Direktion: Emmy Werner

Diabelli: Erwin Ebenbauer
Johanna: Gundula Rapsch
Burgmüller: Georg Schuchter
Waldstein: Klaus Rohrmoser
Kalkbrenner: Peter Uray
Hausdiener: Fritz Hammel
Krankenhaus-Architektinnen: Johanna Mertinz/ Hertha Schell
Proktologe: Rudolf Strobl
Schwarzkopf: Uwe Falkenbach
Oberbaurat: Bernhard Hall
Magistratsdirektorin: Doris Weiner
Frau Jagusch: Cornelia Lippert
Frau Jaksch: Inge Altenburger
Herr Jaksch: Hannes Gastinger
Pfeifer: Vera Borek
Schleifer: Heinz Petters
Kommissar: Michael Rastl
Umblätterer: Robert Seethaler

Regie: Emmy Werner
Bühnenbild: Elisabeth Blanke/ Peter Pongratz
Kostüme: Suzie Hegre
Dramaturgie und Mitarbeit: Karl Baratta

Uraufführung: 17. Mai 1995 Volkstheater Wien

Aufführungsrechte: Verlag der Autoren, Frankfurt/Main

Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, keine Pause



Jonke, Gert