Preisträgerin 2013: Katja Brunner
„Von den Beinen zu kurz“ - Schauspiel Hannover, Foto: Katrin Ribbe
Preisträger 2012: Peter Handke
„Immer noch Sturm“ - Thalia Theater Hamburg/Salzburger Festspiele, Foto: Armin Smailovic
Preisträger 2004: Elfriede Jelinek
 „Das Werk“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Christian Brachwitz
Preisträger 2005: Lukas Bärfuss
„Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2003: Fritz Kater
 „zeit zu lieben zeit zu sterben“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträgerin 2009: Elfriede Jelinek
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Arno Declair
Preisträger 2010: Roland Schimmelpfennig
„Der goldene Drache“ - Burgtheater Wien, Foto: Reinhard Werner
Preisträger 2006: René Pollesch
„Cappuccetto Rosso“ - Volksbühne Berlin/Salzburger Festspiele, Foto: Thomas Aurin
Preisträger 2007: Helgard Haug & Daniel Wetzel, Rimini Protokoll
„Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ - Düsseldorfer Schauspielhaus, Foto: Sebastian Hoppe
Preisträger 2014: Wolfram Höll
„Und dann“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträgerin 2008: Dea Loher
„Das letzte Feuer“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2015: Ewald Palmetshofer
„die unverheiratete“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Georg Soulek
Preisträger 2016: Wolfram Höll
„Drei sind wir“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträger 2002: Elfriede Jelinek
„Macht Nichts“ - Schauspielhaus Zürich, Foto: Leonard Zubler
Preisträgerin 2017: Anne Lepper
„Mädchen in Not“ - Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner
Preisträgerin 2011: Elfriede Jelinek
„Winterreise“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Julian Röder

die unverheiratete

von Ewald Palmetshofer
Burgtheater im Akademietheater, Wien

Szene aus Die Unverheiratete von Ewald Palmetshofer

Was für eine nette Familiengeschichte: Großmutter hat in jungen Jahren noch eine Woche vor Kriegsende in der österreichischen Provinz dafür gesorgt, dass ein junger Wehrmachtssoldat, der laut ans Desertieren dachte, hingerichtet wurde. Ein Verbrechen, das auch die Biographien ihrer Tochter und Enkeltochter beschädigt. So könnte man die Geschichte, der ein authentischer Fall aus Österreich zugrunde liegt, erzählen. Doch Ewald Palmetshofer hat etwas anderes vor.
Palmetshofer achtet auf Perspektiven, und davon gibt es viele. Nicht nur, was die Großmutter denkt oder zu verschiedenen Zeiten gedacht hat als junge Frau, im Gefängnis und die vielen Jahre danach. Oder was deren Tochter dazu immer gewusst, aber kaum gesagt hat. Oder die Enkelin, die wenig weiß, aber viel redet. Auch was die Zeugen, Richter, Beteiligten bei den Prozessen sagten, als erst der junge Soldat und dann seine Denunziantin verurteilt wurden.
Der weite Stimmenraum verteilt sich auf sieben Schauspielerinnen: Die Junge, die Mittlere und die Alte, also: Großmutter, Mutter und Enkelin, die aber auch mal Rollen tauschen können. Dazu ein Chor aus „4 Schwestern“ oder „die Hundsmäuligen“, potentiell eher missgünstige, figurenflexible Erzählerinnen. Sie werden von ihrem Autor so geführt, dass sich gerade keine lineare Erzählung ergibt, sondern ein komplexes geschnittenes Ineinander von Zeiten und Positionen.
Wer A sagt, muss auch B sagen, heißt es mehrmals: Kausalitäten gibt es viele in diesem gruselig-harmlosen Zeitpanorama zwischen Jugend und Alter, Gerichtssaal und Krankenhaus, Gefängnis und bescheidener Gemütlichkeit. Nur wirken diese A-B-Kräfte meist mindestens über Eck, zeugen unvermutete Wirkungen an unvermuteten Enden. Die Wahrheit bleibt immer eine Konstruktion. Aber es gibt sie.
Franz Wille

 

Uraufführung am 14.12.2014, Burgtheater im Akademietheater, Wien
 

Mit: Sabine Haupt, Alexandra Henkel, Petra Morzé, Elisabeth Orth, Christiane von Poelnitz, Sylvie Rohrer, Stefanie Reinsperger

Regie und Bühne: Robert Borgmann
Licht: Peter Bandl
Kostüme: Janina Brinkmann
Dramaturgie: Klaus Missbach
Musik: webermichelson

 

Aufführungsdauer: 2 Stunden 20 Minuten, keine Pause
Aufführungsrechte: S. Fischer Theater & Medien Verlag, Frankfurt am Main

Stückabdruck in Theater heute, Heft 2/2015
Ewald Palmetshofer über "die unverheiratete" - ein Interview mit Barbara Behrendt.
 

www.burgtheater.at


Szene aus Die Unverheiratete von Ewald Palmetshofer
Szene aus Die Unverheiratete von Ewald Palmetshofer








 


 

Ewald Palmetshofer

Ewald Palmetshofer
Geboren 1978 im Mühlviertel, Oberösterreich.
Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Germanistik, Theologie und Philosophie/Psychologie/Pädagogik in Wien.
In der Spielzeit 2007/2008 war Ewald Palmetshofer Hausautor am Schauspielhaus Wien.
Im Sommer 2008 nahm er am Young Writer´s Programme des Royal Court Theatre London teil. 2009/2010 arbeitete er als Gastdramaturg und Kurator der Serie Die X Gebote am Schauspielhaus Wien, 2010/2011 als Hausautor und Gastdramaturg am Nationaltheater Mannheim. 2012 war er Jurymitglied beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens. 2013/2014 unterrichtete Ewald Palmetshofer am Institut für Sprachkunst der Universität für angewandte Kunst Wien. Für sein Stück die unverheiratete wurde Ewald Palmetshofer 2015 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet. Er lebt und arbeitet in Wien.
In der Spielzeit 2015/16 geht er als Dramaturg ans Theater Basel.

 

Stücke (Auswahl)

hamlet ist tot. keine schwerkraft UA 22.11.2007, Schauspielhaus Wien, Regie: Felicitas Brucker – „Stücke ´08“
wohnen. unter glas UA 09.02.2008, Schauspielhaus Wien, Regie: Sebastian Schug
Das Ende kommt schon noch Kurzdrama für „Deutschlandsaga“, UA 17.03.2008, Schaubühne Berlin, Regie: Robert Borgmann
helden UA 20.03.2009, Theater an der Ruhr, Regie: Thomaspeter Goergen
faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete UA 02.04.09, Schauspielhaus Wien, Regie: Felicitas Brucker – „Stücke 2010“
sauschneidn. ein mütterspiel UA 29.04.2009, Theater an Lend, Graz (eine Produktion der UniT Graz), Regie: Dieter Boyer
Körpergewicht. 17% UA 27.05.2009, Nationaltheater Mannheim, Regie: Torge Kübler
herzwurst. immer alles eine tochter UA 31.12.2009, Schauspielhaus Wien, Regie: Sebastian Schug
tier. man wird doch bitte unterschicht UA 11.09.2010, Staatsschauspiel Dresden, Regie: Simone Blattner
räuber.schuldengenital UA 22.12.2012, Burgtheater im Akademietheater, Wien, Regie: Stephan Kimmig
die unverheiratete UA 14.12.2014, Burgtheater im Akademietheater, Wien, Regie: Robert Borgmann – Mülheimer Dramatikerpreis 2015

 

Buchpublikationen

faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2014

 

Hörspiele

räuber.schuldengenital, 2014, WDR

 

Preise

2005 Retzhofer Literaturpreis für junges Drama für SAUSCHNEIDN
2008 Nachwuchsdramatiker des Jahres in der Kritikerumfrage von Theater heute
2008 Dramatikerpreis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft
2008 Nominierung für den Nestroypreis in der Kategorie Bester Nachwuchs für WOHNEN. UNTER GLAS
2011 Förderpreis der Stadt Wien in der Sparte Literatur
2015 Mülheimer Dramatikerpreis für die unverheiratete


(Stand: 2015)

 

www.ewaldpalmetshofer.at

 

hamlet ist tot. keine schwerkraft

Szene aus hamlet ist tot. keine schwerkraft von Ewald Palmetshofer
von Ewald Palmetshofer

Stücke 2008

Schauspielhaus Wien / wiener wortstaetten

Dass Hamlet tot ist, weiß jeder, der Shakespeares Tragödie mindestens einmal bis zum Ende gesehen hat. Wenn der junge oberösterreichische Autor Ewald Palmetshofer, Jahrgang 1978, sein viertes Stück „hamlet ist tot“ nennt, ist das natürlich eine Metapher. Gemeint ist nicht der Dänenprinz, sondern das, wofür er steht. Für ein Theater, in dem man noch von einer besseren Welt träumen konnte. Und für eine Welt, in der das Denken noch geholfen hat. Drei Paare aus zwei Generationen treffen in dem Stück aufeinander, das Spektrum der Konflikte reicht von der Inzestbeziehung unter Geschwistern bis zum Mordkomplott gegen die eigene Mutter. Aber Gut und Böse sind hier keine Kategorien mehr, und auch Familientragödien werden so lapidar verhandelt, dass man nur darüber lachen kann.
Das Genre der brutalen Familienfarce hat Palmetshofer nicht erfunden. Dennoch ist der Autor unter den vielen Mülheim-Neulingen dieses Jahres vielleicht der eigensinnigste. Sein Stück, das nahezu sinnfreies Dialoggeplapper mit elaborierten Monologblöcken kombiniert, entwickelt einen spannenden Rhythmus und einen neuartigen Sound. Auch das Vokabular ist ungewöhnlich: Palmetshofer lässt seine Figuren in mathematischen oder geometrischen Begriffen sprechen, wenn sie ihr Leben analysieren. Mit vollem Titel heißt das Stück „hamlet ist tot. keine schwerkraft“. Nicht einmal auf die Gesetze der Physik kann man sich noch verlassen.
Wolfgang Kralicek

Uraufführung am 22. November 2007, Schauspielhaus Wien

Regie: Felicitas Brucker
Kostüme: Sara Schwartz
Musik: Arvild Baud

Mit:
Vincent Glander
Steffen Höld
Katja Jung
Bettina Kerl
Nicola Kirsch
Stephan Lohse

Aufführungsrechte: S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main

Szene aus hamlet ist tot. keine schwerkraft von Ewald Palmetshofer
Szene aus hamlet ist tot. keine schwerkraft von Ewald Palmetshofer

 

 

 

 

 
Fotos: Alexi Pelekanos

 

Palmetshofer, Ewald
die unverheiratete

faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete

Foto: Alexi Pelekanos
von Ewald Palmetshofer

Stücke 2010

Schauspielhaus Wien

Man könnte die Geschichte ganz einfach so erzählen: Zwei treffen sich auf einer Party und verlieben sich – oder was jeder so dafür hält –, und ein paar Monate später läuft die Sache aus dem Ruder. Am Ende hat sich Grete fast umgebracht, und Heinrich es nicht mal mitbekommen.
Aber warum soll man es sich immer einfach machen? Was Ewald Palmetshofer in „faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete“ erzählt, ist gar nicht so leicht zu überblicken. Zumal die Beteiligten gerade an entscheidenden Stellen eher wenig sagen, auch wenn sie viel reden. Dabei ist die Geschichte nicht wirklich neu, eine ähnliche Konstellation hat bekanntlich schon Goethe interessiert.
Die netten Umdiedreißiger, die Faust und Grete unter sich aufteilen, heißen Paul und Ines, Fritz und Anne, Robert und Tanja. Nichtssagend zweisilbige Allerweltsnamen, die sich mit oder ohne Kind in ihren netten Wohnungen benehmen wie jungverheiratete Zweipersonenbausparverträge. Zwischen ihnen herrscht eine ausgetretene, harmoniesüchtige Stummelsprache, die zwischen-menschlich wortreich auf der Stelle tritt und nur die Angst kennt, auf den schnurgeraden Pfaden in die verrentete Langeweile vielleicht doch einen halben Meter vom Weg abzukommen. Alles bestens also, unter den netten jungen Leuten von heute, wenn nur nicht am Ende Grete fast tot wäre und Heinrich wieder mal nichts mitbekommt.


Uraufführung am 2. April 2009, Schauspielhaus Wien

Regie: Felicitas Brucker
Bühnenbild: Steffi Wurster
Kostüme: Irene Ip

Mit:
Vincent Glander
Steffen Höld
Katja Jung
Bettina Kerl
Nicola Kirsch
Max Mayer

Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, keine Pause
Aufführungsrechte: S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main
Stückabdruck in Theater heute, 6/2009

Foto: Alexi Pelekanos
Foto: Alexi Pelekanos

 

 

 

 

Foto: Alexi Pelekanos

 


 

Palmetshofer, Ewald