Die Probe (Der brave Simon Korach)

Foto: Arno Declair



Peter Korach ist schon eine gute halbe Stunde im Jenseits, liegt hübsch aufgebahrt im Zentrum der bewegungsfreudigen Drehscheibe der Münchner Kammerspiele und hat schon manche bühnentechnische Karussellfahrt hinter sich. Da schüttet sein Vater Simon, ein prominenter Lokalpolitiker, der vielleicht gar nicht sein Vater ist, noch einen Waschkorb voll Platituden über ihn aus, redet von Liebe, Fehlern und was man sonst noch wollte, wenn man anders könnte. Da wird es selbst dem Toten zuviel, Oliver Mallison steht einfach wieder auf und setzt sich zurück aufs Sofa. So etwas hält keine Leiche aus.
So lustig wird es allerdings nur selten in Lars-Ole Walburgs Uraufführung von Lukas Bärfuss’ „Die Probe“. Denn Peter hat selbst mit den Fehlern wegen der Liebe angefangen und seinen kleinen Sohn einem diskreten Gentest unterzogen, weil er sich plötzlich seiner Vaterschaft nicht so ganz sicher war. Wenn dann nicht das gewünschte Ergebnis kommt, gibt es ein Problem. Und wenn man das Problem, das man sich gerade selbst gemacht hat, sehr ernst nimmt, kommen gleich noch ein paar andere hinterher. Lukas Bärfuss, dessen Stücke sich schon mit dem erfrischenden Lustleben einer Behinderten („Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“), dem katholischen Glauben („Der Bus“) oder dem Sterbehilfe-Gewerbe („Alices Reise in die Schweiz“) beschäftigt haben, geht Problemen nicht aus dem Weg. Über Konflikte muss sich dann niemand wundern.
Franz Wille

Uraufführung: 
2. Februar 2007

Simon Korach: Hans Kremer
Peter Korach: Oliver Mallison
Agnes Korach: Katharina Lorenz
Franzeck: Stefan Merki
Helle Korach: Gundi Ellert
Regie: Lars-Ole Walburg
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Kathrin Krumbein

Stückabdruck: 
Stückabdruck in Theater heute, 03/2007