Die goldenen letzten Jahre

Szene aus Die goldenen letzten Jahre von Sibylle Berg



Die vier in die Jahre gekommenen Schüler, die Sibylle Berg hier versammelt, sind nicht die vom Leben Begünstigten. Es sind die Dicken, Hässlichen, Behinderten und Ausgestossenen. Ihre Umwelt meint es nicht gut mit ihnen, nicht überraschend bei Sibylle Berg, die menschliche Erbärmlichkeiten seit Jahren mit einer gewissen Hingabe und Akribie verzeichnet. In Rückblenden – wir befinden uns auf einem späten Klassentreffen – werden die schaurigen Schulerlebnisse der Erbarmenswürdigen erzählt, bis hin zu jenen Eltern, die ihre eigene Tochter nicht mehr ins Haus lassen, weil sie sie nicht erkennen.
„Die goldenen letzten Jahre“ ist ein Musical, in schönen Liedern reflektieren die Zukurzgekommenen ihr Unglück und richten sich in ihm ein. Genauso ist das Stück aber auch eine Farce mit deutlichem Faible für das Groteske, eine Farce über die Boshaftigkeit und Lächerlichkeit der menschlichen Verhältnisse – human ist hier jedenfalls gar nichts.
Sibylle Berg gewährt ihren Figuren dann in einer schönen Wendung allerdings die Gnade des späten Lebensabschnitts (mit dazu gehörigem Partner): Da sie nichts zu verlieren haben, geht es den Vier immer besser, je älter sie werden. Mit diesem Glück des Alters  – und in den Liedern – erhebt sich dann eine weiche und wohltuende Utopie aus dem bis dahin unerträglichen Leben.
Peter Michalzik

Uraufführung: 
18. Februar 2009

Mit: Susanne Bredehöft, Anke Zillich, Günter Alt, Ulrich Hass, Stefan Preiss
Inszenierung: Schirin Khodadadian
Ausstattung: Carolin Mittler
Musik und musikalische Leitung: Michael Barfuß

Ein Auftragswerk des Theater Bonn

Stückabdruck: 
Stückabdruck in Theater heute, 04/09