Die Frau von früher

Foto: Reinhard Werner
von Roland Schimmelpfennig

Stücke 2005

Burgtheater Wien, Akademietheater

Wie autoritär ein Autor jederzeit ist, führt dieser Autor in einem dramaturgischen Verfahren ohnegleichen vor. Hin und her, vor und zurück springt er in der Zeit von Szene zu Szene, und wir erleben hocherstaunt, höchstamüsiert mit, was die Negation chronologischer Kontinuität zum Vorschein bringt: den wunderschön ausgereizten Versuch, letztlich die Realität insgesamt zu leugnen.
Denn da ist eine Frau von vor 24 Jahren, die mit rabiat romantischer Unbedingtheit den Liebesschwur von einem Mann einfordert, der längst verheiratet und Vater ist - und sich kaum noch erinnern kann. Rache ist die Konsequenz, Verführung und Mord sind die Folge. Und im Strudel durchmischter Gegenwart und Vergangenheit treibt die Komödie in eine Tragödie hinein, die sich mit Versatzstücken antiker Mythologie und Theatralik legitimiert. Der Dichter sei, schrieb Lessing mal, "Herr über die Geschichte"; Herr über befremdliche Geschichtchen ist er anscheinend sowieso.
Von den bisherigen Inszenierungen (in Hannover und Stuttgart, in Wien und in München) hat jede - von der Überraschung des Anfangs bis zum Gewicht des Finales - vieles für sich. Und schon dieser Reichtum an interpretatorischen Möglichkeiten läßt auf eine lange Zukunft dieses Stückes schließen.
Dietmar N. Schmidt

Uraufführung am 12. September 2004 im Akademietheater

Regie: Stephan Müller
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Katrin Lea Tag
Musik: Gerd Bessler
Video: Chris Kondek
Dramaturgie: Andreas Beck

Frank: Markus Hering
Claudia, seine Frau: Regina Fritsch
Romy Vogtländer: Christiane von Poelnitz
Andreas, Frank und Claudias Sohn: Philipp Hauß
Tina, Andis Freundin: Elisa Seydel

Aufführungsrechte: S. Fischer Verlag Theater & Medien


Foto: Reinhard Werner
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Fotos: Reinhard Werner