Die Firma dankt

Foto: David Baltzer
1 Stunde 45 Minuten, keine Pause



Stücke aus der Arbeitswelt haben, wen wundert’s, Konjunktur. Lutz Hübners Ökonomiekomödie „Die Firma dankt“ spitzt das Thema geschickt zu. Krusenstern, Leiter der Entwicklungs-abteilung, wird für ein Wochenende ins Gästehaus seiner Firma eingeladen. Als „Urlaub“ heißt es, dabei hat der Laden gerade einen neuen Chef bekommen – ohne dass Krusenstern das schon wüsste. Sandor heißt der neue Mann. Krusenstern ist Old Economy: pflichtbewusst, einsatzfreudig, strebsam. Sandor ist sprunghaft, weitgereist, kreativ, ein Messias des schnellen Geldes. Dazu kommen eine junge, hübsche und distanzlose Assistentin, der stromlinienförmige Personalchef, zuständig für die anfallende Drecksarbeit. Und die Personaltrainerin, die selbst bald unter die Räder kommen dürfte, das Damenopfer. Die Frau ist doch tatsächlich schon über vierzig.
Dass Krusenstern nach seiner Entlassung Sandor gehörig die Fresse poliert, versteht jeder. Identifikationspotential hat die Aufführung reichlich. Trotzdem ist Hübners Drama keine Schwarz-Weiß-Malerei. Sandor ist erstens nur eine Phantasie von Krusenstern, der Schlaf des Angestellten gebiert das Vorstandsungeheuer. Zweitens ist gar nicht so klar, wie die Sympathien verteilt sind. Das „mach dich mal locker“, das als Subtext permanent unter Sandors Ausführungen liegt, ist so falsch nicht. Hübner vergibt keine Zensuren und er liefert keine Klischees. Er ist der immer noch zu wenig geschätzte Vorreiter einer neuen, gesellschaftsbezogenen und lustigen Dramatik.
Peter Michalzik

Uraufführung: 
27. Januar 2011


Mit: Christian Clauß, Thomas Eisen, Christine Hoppe, Philipp Lux, Ina Piontek
Regie: Susanne Lietzow
Dramaturgie: Felicitas Zürcher
Bühne: Aurel Lenfert
Kostüm: Marie Luise Lichtenthal
Musik: Gilbert Handler
Licht: Andreas Barkleit
Video: Petra Zöpnek