Die Ballade vom Nadelbaumkiller

von Rebekka Kricheldorf

Stücke 2005

Staatstheater Stuttgart

Jan Mao hat es sich genau ausgerechnet: Das Gesamtvermögen seines Vaters reicht für sein gesamtes Leben. Franz dagegen war mal 68er-Revolutionär. Heute hat er eine Werbefirma, die er gern seinem Sohn übergeben würde. Doch der hat andere Pläne. Einmal auf den Spuren Don Juans wandeln, sich duellieren wegen einer schönen Frau, aber mit wem bloß. Als er einen Stein in die Scheibe einer Bank wirft, ist Papa mit der Kamera zur Stelle, und kurz darauf hängt die Stadt voller Plakate mit seinem Foto, darunter der Slogan: Wir machen den Weg frei. Auch Elvira, die Revoluzzerbraut von einst, macht sich Sorgen um ihre Tochter Anna, die mit 19 schon den Mann fürs Leben gefunden zu haben meint und nur noch ans Heiraten denkt. „Sie ist ja so konform,“ klagt die Mama, die auch mit 50 noch an die freie Liebe glaubt.
Was tun, wenn alle Schlachten schon geschlagen, alle Träume schon geträumt worden sind? Wenn die Eltern das Chaos längst aufgebraucht haben, so dass den Jungen nur noch die Revolte rückwärts ins neokonservative Spieîerleben bleibt?
Rebekka Kricheldorf, Jahrgang 1974, beschreibt mit wissendem Blick die Krankheit der heutigen Jugend, dass es in einer Zeit der Handyritter und Ich-AGs kein Feindbild mehr gibt, keine Vision, die andere nicht schon besser scheitern ließen – ein munteres Generationen-Scharmützel mit einem Show-down, bei dem die Karten noch einmal neu gemischt werden.
Silvia Stammen

Uraufführung am 18. Mai 2004, Staatstheater Stuttgart / Theater im Depot
(Autorenprojekt "Dichter ans Theater")
 

Mit: Felix Kramer, Klaus Weiss, Zvonimir Ankovic, Christina Rubruck, Marie Leuenberger, Silja Bächli

 

Regie: Erich Sidler
Bühne und Kostüme: Wolf Gutjahr


Aufführungsrechte: Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb GmbH, Berlin

 

Fotos: Gudrun Bublitz

 

 

 

 

 

 

Rebekka Kricheldorf

Geboren 1974 in Freiburg im Breisgau.
Rebekka Kricheldorf studierte zunächst Romanistik an der Humboldt-Universität Berlin. Von 1998 bis 2002 belegte sie den Studiengang Szenisches Schreiben an der UdK Berlin. Sie schrieb Auftragswerke für das Staatstheater Stuttgart, das Theater am Neumarkt in Zürich, das Staatstheater Kassel und das Deutsche Theater Berlin. 2004 war sie Hausautorin am Nationaltheater Mannheim, von 2009 bis 2011 war sie Dramaturgin, Hausautorin und Mitglied der Künstlerischen Leitung am Theaterhaus Jena. Rebekka Kricheldorf lebt als freie Autorin in Berlin.
 

Stücke
Prinzessin Nicoletta. Ein Märchen für Erwachsene
UA 8.3.2003, Stadttheater Gießen, Regie: Peter Hailer
Kriegerfleisch UA 24.1.2004, Städtische Bühnen Münster, Regie: Thomas Bockelmann
Die Ballade vom Nadelbaumkiller UA 18.5.2004, Staatstheater Stuttgart, Regie: Erich Sidler – „Stücke '05“
Floreana UA 20.5.2004, Theater am Neumarkt, Zürich, Regie: Crescentia Dünsser
Schneckenportrait UA 16.9.2005, Städtische Bühnen Osnabrück, Regie: Nina Gühlstorff
Rosa und Blanca UA 13.1.2006, Staatstheater Kassel, Regie: Thomas Bockelmann
Landors Phantomtod UA 23.2.2006, Nationaltheater Mannheim, Regie: Stephanie Mohr
Liebesdienst (Vier von Vierzigtausend) UA 15.6.2006, Theater Halle 7 München, Regie: Oliver Zimmer
Hotel Disparu UA 13.9.2006, Theater am Neumarkt, Zürich, Regie: Ingo Kerkhof / Erich Sidler
Neues Glück mit totem Model UA 20.12.2007, Staatsschauspiel Dresden, Regie: Markus Heinzelmann
Der Kopf des Biografen UA 23.1.2009, Städtische Bühnen Osnabrück, Regie: Nina Gühlstorff
Das Ding aus dem Meer UA 13.3.2009, Staatstheater Kassel, Regie: Thomas Bockelmann
Mechanische Tiere UA 16.5.2009, Stadttheater Bern (Autorenspektakel), Regie: Phil Hayes
Villa Dolorosa. Drei missratene Geburtstage UA 15.10.2009, Theaterhaus Jena, Regie: Markus Heinzelmann
Robert Redfords Hände selig UA 3.10.2010, Staatstheater Kassel, Regie: SchirinKhodadadian
Gotham City I – das Stück. Eine Stadt sucht ihren Helden UA 14.10.2010, Theaterhaus Jena, Regie: Markus Heinzelmann
Murders Ballade nach Nick Cave UA 12.2.2011, Stadttheater Bern, Regie: Erich Sidler
Der große Gatsby UA 13.1.2012, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Regie: Markus Heinzelmann
Testosteron UA 23.11.2012, Staatstheater Kassel, Regie: Schirin Khodadadian
Lysistrata UA 8.2.2013, Theater Osnabrück, Regie: Marie Bues
Das kalte Herz UA 18.5.2013, Saarländisches Staatstheater Saarbrücken, Regie: Erich Sidler
Sergeant Superpower rettet Amerika UA 12.10.2013, Theater Heidelberg, Regie: Erich Sidler
Alltag & Ekstase UA 18.1.2014, Deutsches Theater Berlin, Regie: Daniela Löffner – „Stücke 2014“
Homo Empathicus UA 3.10.2014, Deutsches Theater Göttingen, Regie: Erich Sidler – „Stücke
2015“
Die Kunst der Selbstabschaffung UA 15.2.2015, Staatstheater Kassel, Regie: Schirin Khodadadian
In der Fremde UA 20.11.2015, Deutsches Theater Göttingen, Regie: Erich Sidler
Das blaue Licht / Dienen UA 10.2.2017, Staatstheater Kassel, Regie: Schirin Khodadadian
Don Quijote nach Miguel de Cervantes UA 13.5.2017, Theater Osnabrück, Regie: Annette Pullen
Fräulein Agnes UA 22.9.2017, Deutsches Theater Göttingen, Regie: Erich Sidler – „Stücke 2018“

E-Books (Alle E-Books sind bei Kiepenheuer Medien, Berlin, erschienen)
2013 Alltag & Ekstase
2013 Der große Gatsby
2014 Die Kunst der Selbstabschaffung
2014 Villa Dolorosa. Drei missratene Geburtstage
2015 In der Fremde
2017 Das blaue Licht / Dienen
2017 Fräulein Agnes

Auszeichnungen und Preise
2002 Verlegerpreis und Preis des Publikums beim Heidelberger Stückemarkt für Prinzessin Nicoletta: Ein Märchen für Erwachsene
2003 Kleist-Förderpreis für Kriegerfleisch
2004 Schiller-Förderpreis des Landes Baden-Württemberg
2010 Kasseler Förderpreis für Komische Literatur