Die Ballade vom Nadelbaumkiller

Foto: Gudrun Bublitz



Jan Mao hat es sich genau ausgerechnet: Das Gesamtvermögen seines Vaters reicht für sein gesamtes Leben. Franz dagegen war mal 68er-Revolutionär. Heute hat er eine Werbefirma, die er gern seinem Sohn übergeben würde. Doch der hat andere Pläne. Einmal auf den Spuren Don Juans wandeln, sich duellieren wegen einer schönen Frau, aber mit wem bloß. Als er einen Stein in die Scheibe einer Bank wirft, ist Papa mit der Kamera zur Stelle, und kurz darauf hängt die Stadt voller Plakate mit seinem Foto, darunter der Slogan: Wir machen den Weg frei. Auch Elvira, die Revoluzzerbraut von einst, macht sich Sorgen um ihre Tochter Anna, die mit 19 schon den Mann fürs Leben gefunden zu haben meint und nur noch ans Heiraten denkt. „Sie ist ja so konform,“ klagt die Mama, die auch mit 50 noch an die freie Liebe glaubt.
Was tun, wenn alle Schlachten schon geschlagen, alle Träume schon geträumt worden sind? Wenn die Eltern das Chaos längst aufgebraucht haben, so dass den Jungen nur noch die Revolte rückwärts ins neokonservative Spieîerleben bleibt?
Rebekka Kricheldorf, Jahrgang 1974, beschreibt mit wissendem Blick die Krankheit der heutigen Jugend, dass es in einer Zeit der Handyritter und Ich-AGs kein Feindbild mehr gibt, keine Vision, die andere nicht schon besser scheitern ließen – ein munteres Generationen-Scharmützel mit einem Show-down, bei dem die Karten noch einmal neu gemischt werden.
Silvia Stammen

Uraufführung: 
am 18. Mai 2004, Staatstheater Stuttgart / Theater im Depot

Mit: Felix Kramer, Klaus Weiss, Zvonimir Ankovic, Christina Rubruck, Marie Leuenberger, Silja Bächli
Regie: Erich Sidler
Bühne und Kostüme: Wolf Gutjahr

Autorenprojekt "Dichter ans Theater"