Preisträger 2012: Peter Handke
„Immer noch Sturm“ - Thalia Theater Hamburg/Salzburger Festspiele, Foto: Armin Smailovic
Preisträger 2014: Wolfram Höll
„Und dann“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträger 2015: Ewald Palmetshofer
„die unverheiratete“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Georg Soulek
Preisträger 2003: Fritz Kater
 „zeit zu lieben zeit zu sterben“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2006: René Pollesch
„Cappuccetto Rosso“ - Volksbühne Berlin/Salzburger Festspiele, Foto: Thomas Aurin
Preisträger 2016: Wolfram Höll
„Drei sind wir“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträgerin 2011: Elfriede Jelinek
„Winterreise“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Julian Röder
Preisträgerin 2017: Anne Lepper
„Mädchen in Not“ - Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner
Preisträger 2007: Helgard Haug & Daniel Wetzel, Rimini Protokoll
„Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ - Düsseldorfer Schauspielhaus, Foto: Sebastian Hoppe
Preisträger 2005: Lukas Bärfuss
„Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträgerin 2013: Katja Brunner
„Von den Beinen zu kurz“ - Schauspiel Hannover, Foto: Katrin Ribbe
Preisträger 2004: Elfriede Jelinek
 „Das Werk“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Christian Brachwitz
Preisträgerin 2008: Dea Loher
„Das letzte Feuer“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2010: Roland Schimmelpfennig
„Der goldene Drache“ - Burgtheater Wien, Foto: Reinhard Werner
Preisträger 2002: Elfriede Jelinek
„Macht Nichts“ - Schauspielhaus Zürich, Foto: Leonard Zubler
Preisträgerin 2009: Elfriede Jelinek
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Arno Declair

Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)

Szene aus Der Bus (Das Zeug einer Heiligen) von Lukas Bärfuss
von Lukas Bärfuss

Stücke 2005

Thalia Theater Hamburg

Auftragswerk für das Thalia Theater Hamburg


Man kann in ihr eine heilige Johanna der Landstraîe sehen. Vielleicht ist sie aber auch nur eine durchgeknallte junge Frau, der nach einer Drogenkarriere ein Engel erscheint und die furchtbar religiös wird. Auf jeden Fall ist die Erika in Lukas Bärfuss „Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ eine der kraftvollsten Frauenfiguren, die in den letzten Jahren im Theater gesichtet wurde. Dort steht sie nun und will unter Aufbietung aller Kräfte nach Tschenstochau zur schwarzen Madonna ins Zentrum des polnischen Katholizismus. Dumm nur, dass sie in den falschen Bus steigt, beim gewalttätigen Busfahrer Hermann landet und einer kleinen Schar scheinheiliger Reisender ausgeliefert ist. "Kur oder Kirche" lautet hier die Frage. Die normalen Fahrgäste wollen lediglich ein grenznahes Wellness-Hotel ansteuern, da Erika aber alles andere als eine kraftlose Frömmlerin ist, kommt es zu überraschenden Wendungen.
Irgendwann steht sie neben dem dauerbetrunkenen Tankwart Anton. Zwischen den beiden bahnt sich eine Liebesgeschichte an und Fritzi Haberlandt spielt die Erika auch da als zarte Frau, der man auf keinen Fall den eisernen Willen zutrauen würde, den sie immer wieder an den Tag legt. Am Ende landet die Pilgerin in Tschenstochau, muss aber feststellen, dass auch das Herz des Katholizismus im kapitalistischen Takt pulsiert. Auch das geschieht bei Lukas Bärfuss wie nebenbei und zeigt einmal mehr, dass die Gretchenfrage im Theater nur mit überzeugenden Figuren angesprochen werden kann. Im Fall von "Der Bus" funktioniert das über eine Frau, deren Glaub-würdigkeit ansteckend wirkt und der ein Ensemble heutiger Menschen gegenüber steht, die alle nur auf den eigenen Vorteil aus sind. Kommt eine Inszenierung wie die von Stephan Kimmig am Hamburger Thalia hinzu, ist auch das Theater dort, wo es immer hin pilgern sollte.
Jürgen Berger


Uraufführung am 29. Januar 2005

Regie: Stephan Kimmig
Bühne: Katja Haî
Kostüme: Barbara Drosihn
Musik: Michael Verhovec

Ensemble:
Markus Graf
Fritzi Haberlandt
Peter Jordan
Katharina Matz
Verena Reichhardt
Hartmut Schories
Victoria Trauttmansdorff
Werner Wölbern

Aufführungsrechte: Hartmann & Stauffacher, Köln


Szene aus Der Bus (Das Zeug einer Heiligen) von Lukas Bärfuss
Szene aus Der Bus (Das Zeug einer Heiligen) von Lukas Bärfuss

 

 

 

 

Fotos: Arno Declair

 

Lukas Bärfuss

Lukas Bärfuss / Foto: Beatrice Künzi
Geboren 1971 in Thun.
Nach seiner Schulzeit arbeitete er in verschiedenen Berufen, unter anderem als Buchhändler.
Seit 1997 ist er freier Schriftsteller und Theatermacher. Gemeinsam mit Samuel Schwarz hat er die Theatergruppe 400asa gegründet.
Er lebt und arbeitet in Zürich.

 

Stücke (Auswahl)

Sophokles’ Oedipus UA 27.8.1998 in der Escher-Wyss-Unterführung, Zürich, Regie: Samuel Schwarz
Siebzehn Uhr siebzehn UA 12.1.2000, Schauspiel Akademie Theater, Zürich, Regie: Samuel Schwarz
74 Sekunden. Monolog UA 8.3.2000, Blauer Saal, Zürich, Regie: Lukas Schmocker
Vier Frauen. Singspiel UA 25.5.2000, Schlachthaus Theater Bern, Regie: Samuel Schwarz
Medeää. 214 Bildbeschreibungen UA 14.6.2000, Radiokulturhaus Wien (Wiener Festwochen), Regie: Samuel Schwarz
Die Reise von Klaus und Edith durch den Schacht zum Mittelpunkt der Erde UA 12.1.2001, Schauspielhaus Bochum, Regie: Samuel Schwarz
Meienbergs Tod UA 20.4.2001, Theater Basel, Regie: Samuel Schwarz
Othello – ein BlueMovie UA 5.12.2001, Deutsches Schauspielhaus in Hamburg, Regie: Samuel Schwarz
august02. Nationalulk UA 1.8.2002, Landesausstellung Expo 02, Regie: Samuel Schwarz
Vier Bilder der Liebe UA 28.9.2002 Schauspielhaus Bochum, Regie: Karin Henkel
Die sexuellen Neurosen unserer Eltern UA 13.2.2003, Theater Basel, Regie: Barbara Frey – „Stücke `03“
Der Bus (Das Zeug einer Heiligen) UA 29.1.2005, Thalia Theater Hamburg, R: Stephan Kimmig – Mülheimer Dramatikerpreis und Publikumspreis der "Stücke `05"
Alices Reise in die Schweiz UA 4.3.2005, Theater Basel, Regie: Stephan Müller
Die Probe (Der brave Simon Korach) UA 2.2.2007, Münchner Kammerspiele, Regie: Lars-Ole Walburg – „Stücke `07“

 

Prosa

Die toten Männer Novelle, Suhrkamp 2002
Kurzgeschichten in Anthologien und Zeitschriften

 

Preise und Auszeichnungen

1998 Stipendium der Stiftung Lydia Eymann, Langenthal
2000 ZKB-Förderpreis für MEDEÄÄ. 214 BILDBESCHREIBUNGEN
2001 Kulturpreis der Stadt Thun
2002 Buchpreis der Stadt Bern, Buchpreis der Stadt Zürich
2003 Nachwuchsautor des Jahres der Kritikerumfrage von Theater heute
2005 Mülheimer Dramatikerpreis für „Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“
2005 Gerrit-Engelke-Preis
2007 Spycher: Literaturpreis Leuk

(Stand: Juni 2007)

http://www.lukasbaerfuss.ch

 

 

Die sexuellen Neurosen unserer Eltern

von Lukas Bärfuss

Stücke 2003

Theater Basel
Intendant: Michael Schindhelm

Dora: Sandra Hüller
Der feine Herr: Vincent Leittersdorf
Doras Mutter: Susanne-Marie Wrage
Doras Vater: Matthias Brenner
Der Arzt: Martin Hug
Doras Chef: Markus Merz
Die Mutter des Chefs: Iris Erdmann


Regie: Barbara Frey
Bühne: Bettina Meyer
Video: Ariane Andereggen


Aufführungsrechte: Hartmann & Stauffacher, Köln

Premiere am 13. Februar 2003. Aufführungsdauer: 1 ¾ Stunden, keine Pause.

 

Bärfuss, Lukas
Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)

Die Probe (Der brave Simon Korach)

Szene aus Die Probe (Der brave Simon Korach) von Lukas Bärfuss
von Lukas Bärfuss

Stücke 2007

Münchner Kammerspiele

Peter Korach ist schon eine gute halbe Stunde im Jenseits, liegt hübsch aufgebahrt im Zentrum der bewegungsfreudigen Drehscheibe der Münchner Kammerspiele und hat schon manche bühnentechnische Karussellfahrt hinter sich. Da schüttet sein Vater Simon, ein prominenter Lokalpolitiker, der vielleicht gar nicht sein Vater ist, noch einen Waschkorb voll Platituden über ihn aus, redet von Liebe, Fehlern und was man sonst noch wollte, wenn man anders könnte. Da wird es selbst dem Toten zuviel, Oliver Mallison steht einfach wieder auf und setzt sich zurück aufs Sofa. So etwas hält keine Leiche aus.
So lustig wird es allerdings nur selten in Lars-Ole Walburgs Uraufführung von Lukas Bärfuss’ „Die Probe“. Denn Peter hat selbst mit den Fehlern wegen der Liebe angefangen und seinen kleinen Sohn einem diskreten Gentest unterzogen, weil er sich plötzlich seiner Vaterschaft nicht so ganz sicher war. Wenn dann nicht das gewünschte Ergebnis kommt, gibt es ein Problem. Und wenn man das Problem, das man sich gerade selbst gemacht hat, sehr ernst nimmt, kommen gleich noch ein paar andere hinterher. Lukas Bärfuss, dessen Stücke sich schon mit dem erfrischenden Lustleben einer Behinderten („Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“), dem katholischen Glauben („Der Bus“) oder dem Sterbehilfe-Gewerbe („Alices Reise in die Schweiz“) beschäftigt haben, geht Problemen nicht aus dem Weg. Über Konflikte muss sich dann niemand wundern.

Franz Wille

Simon Korach: Hans Kremer
Peter Korach: Oliver Mallison
Agnes Korach: Katharina Lorenz
Franzeck: Stefan Merki
Helle Korach: Gundi Ellert

Regie: Lars-Ole Walburg
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Kathrin Krumbein

Uraufführung am 2. Februar 2007 an den Münchner Kammerspielen


Aufführungsrechte: Hartmann&Stauffacher, Köln
Stückabdruck in Theater heute, 03/2007

Szene aus Die Probe (Der brave Simon Korach) von Lukas Bärfuss
Szene aus Die Probe (Der brave Simon Korach) von Lukas Bärfuss

 

 

 

 

Fotos: Arno Declair

 

Bärfuss, Lukas