Das letzte Feuer




Es gibt wenig Trost in der Welt von Dea Loher. Zumindest ist er in den zahlreichen Dramen der teils in Brasilien, teils in Deutschland lebenden Autorin vor lauter Wunden schwer zu finden. Auch in „Das letzte Feuer“ versammelt Loher Leiden fuderweise. Ein Kind wird bei der Verfol-gungsjagd eines Verkehrsflüchtigen getötet, ein Kriegsheimkehrer, der die Szene beobachtet, schließt sich in ein Hotelzimmer ein und feilt sich die Fingernägel bis zum Fleisch runter, eine Brustkrebs-Überlebende erweitert sich mit immer größeren Ersatztitten, und das Elternpaar mit Alzheimer-Omi zermürbt sich am Auswegslosen. Loher führt ein großes Personal der Verzweifelten rund um das Unfallgeschehen zusammen und erzählt von ihren Bewältigungs-strategien in einem differenziert geschriebenen Beziehungsnetz. Schuld und Sehnsucht quälen die Figuren gleichermaßen, ihr Eigensinn findet sich die unterschiedlichsten Wege, die Be-drückungen zu mildern. Das komplex angelegte Stück gibt jedem dieser traurigen Schicksale Raum und Würde und beschreibt knapp, aber mit großer Assoziationskraft das Besondere hinter unscheinbaren Oberflächen. Andreas Kriegenburg hat bei der Uraufführung am Thalia Theater Hamburg die rasch wechselnden Perspektiven in einem Karussell des Lebens gebannt, wo alle Akteure immer auf der Flucht vor der Leere sind – doch bei aller empfundenen Trostlosigkeit bereit bleiben, selbst Trost zu spenden. Und so findet sich auch im letzten Feuer noch Hoffnung auf Menschlichkeit.
Till Briegleb

Uraufführung: 
26. Januar 2008

Mit: Sandra Flubacher, Lisa Hagmeister, Hans Löw, Markwart Müller-Elmau, Katharina Matz, Jörg Pose, Natali Seelig, Matthieu Svetchine, Angelika Thomas, Susanne Wolff
Regie: Andreas Kriegenburg
Bühne: Anne Ehrlich
Kostüme: Andrea Schraad
Musik: Laurent Simonetti
Dramaturgie: Claus Caesar