Das Ding

Foto: Kerstin Schomburg
1 Stunde 35 Minuten, keine Pause



Wie kann man von der Bühne über so etwas Abstraktes wie Globalisierung erzählen? Philipp Löhle hat die Lösung gefunden, indem er sich der Perspektive eines klitzekleinen «Dings» anvertraut: einer Baumwollflocke, in Afrika vom Entwicklungshelfer Beat Stücke 2012: Janning Kahnert und Martin Wißner in DAS DING von Philipp Löhle, Inszenierung des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg / Ruhrfestspiele Recklinghausengepflückt, in China vom Jung- unternehmer Li gepult und zum T-Shirt verarbeitet, nach Deutschland verschifft und am Körper von Katrin gelandet, die sich in ihrer Ehe ziemlich langweilt und kleine Pornoshows mit sich als Darstellerin ins Netz stellt. Was auf seinem Laptop im fernen China der Li sieht, der sich unsterblich verliebt und nach Deutschland fliegt. Bewaffnet mit einem Gewehr, dass er Beat abgekauft hat, steht er wieder vor der Baumwollflocke im T-Shirt... Und das ist nur ein Bruchteil der Erlebnisse des kleinen Dings in der großen Welt. Es gibt auch noch eine ganze Menge Stücke 2012: Maria Magdalena Wardzinska und Tim Grobe in DAS DING von Philipp Löhle, Inszenierung des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg / Ruhrfestspiele RecklinghausenEifersucht und Exhibitionismus, eine Kunstmarktsatire, rumänische Fleischproduzenten, ein echtes Trauma und eine ganze Reihe höchst realer und jederzeit nachvollziehbarer Menschen in diesem 95-Minuten-Stück, das mühelos vom Kleinsten zum Größten springt, vom Badezimmer aufs Baumwollfeld, vom Internet ins wahre Leben, von Afrika nach Asien und Europa. Dass das trotz kühnster Zeit- und Ortssprünge keine Sekunde verwirrend, sondern nur erheiternd und erhellend ist, ist auch Jan Philipp Glogers Regie zu verdanken und seinen fünf enthusiastischen Spielern, denen er nur fünf Stühle zur Verfügung stellt. Was vollkommen reicht, um aus dieser verzwickten, verquickten Welt ganz von heute eine utopisch verspielte Theater-Welt zu machen, in der alle, ob sie Li, Kathrin oder Baumwollflocke heißen, die eine Sprache sprechen: den herzhaften, lakonischen Löhle-Ton. In dem auch eine bitterböse Geschichte wie ein hoffnungsvolles Märchen enden kann. Weil es einfach immer weiter geht.
Barbara Burckhardt

Uraufführung: 
Premiere am 14. Mai 2011 in Recklinghausen

Mit
Tim Grobe, Stefan Haschke, Janning Kahnert, Maria Magdalena Wardzinska, Martin Wißner
Und Alva Diederich / Paula Dietrich
Regie: Jan Philipp Gloger
Bühne: Judith Oswald
Kostüme: Karin Jud
Dramaturgie: Steffen Sünkel
Licht: Andreas Juchheim