Common Ground

von Yael Ronen & Ensemble
Maxim Gorki Theater, Berlin


Theatermacher arbeiten immer häufiger mit den Methoden, mit denen auch Journalisten arbeiten: Sie wühlen sich durch Akten, sie führen Interviews, sie besichtigen Schauplätze. Sie recherchieren. Das Dilemma: Diese sogenannten Rechercheprojekte führen in der Regel weder zu großer Kunst noch zu großem Journalismus. Kunst und Journalismus sind ihnen gleichermaßen überlegen.
„Common Ground“ ist anders. „Common Ground“ ist so direkt und roh und emotional, so dringlich und persönlich, wie es Theaterkunst nur selten hinbekommt (und Journalismus nie). „Common Ground“ steckt voller Kraft und Energie, voller Tränen und derber Späße. „Common Ground“ ist völlig undidaktisch – und eben deshalb lehrt „Common Ground“ uns unsagbar viel über den Balkan-Krieg und seine Folgen.
Die Regisseurin Yael Ronen ist mit sieben Berliner Schauspielern ins ehemalige Jugoslawien gereist, darunter fünf, die dort geboren wurden und die es einst in den Kriegswirren aus Belgrad und Sarajevo, aus Zagreb und Novi Sad nach Deutschland verschlagen hat. Gemeinsam haben sie ein ehemaliges Konzentrationslager besucht, haben mit einer Expertin für Vergewaltigungsopfer gesprochen, haben vor allem und immer wieder miteinander geredet. Es war ein Selbsterfahrungstrip, den sie nun auf der Bühne nachstellen.
„Common Ground“ ist ein Theaterabend mit Schauspielern, die betroffen sind von dem, was sie zeigen. Und ein Theaterabend, der betroffen macht.
Eine theatrale Gruppentherapie.
Tobias Becker

 

Uraufführung am 14.03.2014, Maxim Gorki Theater, Berlin

 

Mit: Vernesa Berbo, Mateja Meded, Jasmina Musić, Orit Nahmias, Niels Bormann, Dejan Bućin, Aleksandar Radenković

Regie: Yael Ronen
Bühne: Magda Willi
Kostüme: Lina Jakelski
Video: Benjamin Krieg, Hanna Slak
Dramaturgie: Irina Szodruch
Musik: Nils Ostendorf


Aufführungsdauer: 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause

Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds

Lesen Sie hier einen Beitrag auf dem Theater heute-blog zu der Publikumsdiskussion im Anschluss an die Vorstellung am 31. Mai in Mülheim.

www.gorki.de















 

Yael Ronen

Geboren 1976 in Jerusalem.
Yael Ronen studierte Szenisches Schreiben am HB Studio in New York und Regie am Seminar Hakibbutzim in Tel Aviv. Sie arbeitet als Autorin und Regisseurin, unter anderem regelmäßig im deutschsprachigen Raum. Meist entwickelt sie ihre Stücke im Probenprozess gemeinsam mit dem jeweiligen Ensemble. Seit der Spielzeit 2013/2014 ist sie Hausregisseurin am Maxim Gorki Theater, Berlin. Außerdem inszenierte sie am Schauspielhaus Graz und seit der Spielzeit 2015/2016 am Volkstheater, Wien. Yael Ronen lebt in Tel Aviv und Berlin.

 

 

 

Stücke/Projekte

Regie führte Yael Ronen bei allen Projekten selbst.
Plonter
UA 2005, Cameri Theater, Tel Aviv
Dritte Generation UA 29.6.2008, Schaubühne am Lehniner Platz in Koproduktion mit dem Habima National Theatre of Israel und der Ruhrtriennale 2009 im Auftrag von Theater der Welt 2008, Halle, mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes und des Goethe-Instituts
The Day Before The Last Day UA 13.3.2011, Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin
Hakoah Wien UA 13.10.2012, Schauspielhaus Graz
Common Ground UA 14.3.2014, Maxim Gorki Theater, Berlin – Publikumspreis der „Stücke 2015“
Niemandsland UA 4.5.2014, Schauspielhaus Graz
Erotic Crisis UA 13.9.2014, Maxim Gorki Theater, Berlin
Community UA 20.12.2014, Schauspielhaus Graz
Das Kohlhaas-Prinzip UA 23.5.2015, Maxim Gorki Theater, Berlin
The Situation, UA 5.9.2015, Maxim Gorki Theater, Berlin – „Stücke 2016“
Lost and Found UA 18.12.2015, Volkstheater, Wien

 

Auszeichnungen und Preise

2009 Nominierung für den Europa-Preis für Theater (New Theatrical Realities Prize)
2010 Ausländisches Stück des Jahres in der Kritikerumfrage von Theater heute für Dritte Generation
2013 Nestroypreis für Hakoah Wien
2014 Nominierung für den Nestroypreis für Common Ground
2015 Publikumspreis der „Stücke 2015“ für Common Ground

 

(Stand: März 2016)

 

 

The Situation

von Yael Ronen & Ensemble
Maxim Gorki Theater, Berlin
Samstag, 7. Mai, 19.30 Uhr, Stadthalle Theatersaal

Es gibt kein anderes Stück, das die Situation im Deutschland des Jahres 2016 so gekonnt verdichtet, kein anderes Stück, das so deutsch ist wie dieses. Bloß deutschsprachig ist es über weite Strecken nicht. Ein Novum für Mülheim. Aber auch ein Problem? Höchstens für Paragrafenreiter, die kein Bewusstsein haben für den Epochenbruch, für künstlerische Kleingeister, die keine Antennen haben für die Sprachkraft dieses Abends.
Er ist klamaukig – und klug. Komisch – und kitschig. Analytisch – und pathetisch. Ein großer Abend.
Allein die Ausgangsthese: Der Nah-Ost-Konflikt hat Israelis, Palästinenser und Syrer in ihren Heimatregionen jahrelang auf größtmöglichem Abstand voneinander gehalten und lässt sie nun auf denkbar engem Raum aufeinandertreffen, in den Sprachkursen deutscher Großstädte.
Die israelische Regisseurin Yael Ronen hat das Stück gemeinsam mit Schauspielern entwickelt, die selbst aus Israel, Palästina, Syrien und Kasachstan nach Deutschland gekommen sind. Ihre Biografien und jene der Figuren, die sie spielen, verschwimmen. Sie radebrechen ein wenig Deutsch miteinander, sprechen aber häufiger und besser Englisch, Arabisch und Hebräisch, weshalb der Abend komplett übertitelt werden muss. Das postmigrantische Maxim Gorki Theater als post-deutschsprachiges Theater.
Der Effekt: Alle sind ein wenig lost in translation, alle ringen um Verständigung, die Figuren auf der Bühne, aber auch die Zuschauer im Saal. Gibt es ein treffenderes Bild für Deutschland im Jahr 2016?

Tobias Becker

 

Uraufführung am 4. September 2015, Maxim Gorki Theater, Berlin

 

Mit: Ayham Majid Agha, Karim Daoud, Maryam Abu Khaled, Orit Nahmias, Dimitrij Schaad, Yousef Sweid

Regie: Yael Ronen
Bühne: Tal Shacham
Kostüme: Amit Epstein
Musik: Yaniv Fridel, Ofer Shabi
Licht: Jens Krüger
Dramaturgie: Irina Szodruch

 

Aufführungsdauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Auf Englisch, Deutsch, Hebräisch und Arabisch
und mit deutschen und englischen Übertiteln

 

www.gorki.de

 

 

 

 

 

 

 

 

Ronen, Yael