+++ Herzlichen Glückwunsch an Ewe Benbenek und Nino Haratischwili
Die Stücke 2022 finden vom 7.–28.5.2022 statt. +++

Der Blog hat sich entschieden

Der StückeBlog

Ein Team aus 6 Blogger:innen begleitet auch in diesem Jahr das Festival von der ersten Inszenierung bis zur letzten Jurydebatte mit täglich neuen Beiträgen.


Melis Içten: Enis Maci – Mitwisser

Ein Dilemma. Man muss Stück und Inszenierung einzeln betrachten.... 

atlas? Mitwisser? atlas? Mitwisser? ... Mitwisser!

Mitwisser ist durch seine außergewöhnlich detaillierte Beschreibung mit Koordinaten und Regieanweisung das originellste Stück der Mülheimer Theatertage. Das Stück ist eine Verschriftlichung des Begriffes „trans“, denn Mitwisser und Täter fließen hier ineinander - über Ländergrenzen, ja sogar Kontinente. Jeder kann alles sein, der Täter in einem Land kann plötzlich zum Mitwisser in einem vollkommen abgelegenen geografischen Teil der Erde werden. Und eigentlich sind wir am Ende alle Mitwisser der Morde und Verbrechen, die wir mitbekommen. Macis Stück ist nah am Menschen, ist die künstlerische Auseinandersetzung in Form von Gerichtsaal, Nachrichtenbericht und Erdkunde-Stunde. Macis Stück ist mindestens so krank wie unser Ökosystem.

 

Katrin Schlömer: Konstantin Küspert – Der Westen

Mein Favorit der Mülheimer Stücketexte? Der Westen von Konstantin Küspert! Die einzelnen Figuren zeigen mit komischer Ehrlichkeit, was falsch läuft in unserer Gesellschaft, ohne dabei den Zuschauer:innen den Zeigefinger vorzuhalten. In den kurzen Szenen im Text hat man immer wieder die Gelegenheit, unsere Gesellschaft von einer neuen Seite zu entdecken. Ich hoffe die Jury sieht das auch so.

 

Julia van Leuven: Konstantin Küspert - Der Westen 

Konstantin Küsperts Der Westen ist mein Favorit für den Stückepreis. Es überzeugt formal und inhaltlich durch mosaikartige Zusammensetzung der Szenen, die erst in ihrer Gesamtheit volle Wirkung entfalten: Donald Trump als Freund von Dagobert Duck, Lucky Luke als depressiver „lonesome Cowboy“ und europäische Weltmächte als Protektorate Chinas - Küsperts Stück ist unerwartet und raffiniert, es nimmt mit auf eine Reise durch Raum und Zeit und entreißt dem Westen dabei seine Maske, ohne sentimental zu sein.

 

Elisabeth Schmitt: Konstantin Küspert - Der Westen

Der Westen von Konstantin Küspert ist für mich der diesjährige Gewinner der Mülheimer Stücke. Die voneinander vermeintlich unabhängigen Szenen ergeben in ihrem Gesamtwerk eine umfassende Kritik an der westlichen Welt - in historischem, politischem und vor allem persönlichem Kontext, da Küspert gezielt seine Kindheitshelden angreift. Höhepunkt war für mich der als Steve Jobs inszenierte Christopher Columbus, der dem Adel seine Indienreise als Buisness-Plan vorlegt.

 

Daniel Weber: Konstantin Küspert – Der Westen

Für mich stellt Konstantin Küsperts Der Westen eine umfangreiche und ganz wunderbare Querschnittsdarstellung der westlichen Gesellschaften dar. Vom gerade so verhinderten Dritten Weltkrieg über Amerika-Auswanderergeschichten hin zur Aufteilung des Römischen Reiches arbeitet Küspert die seit jeher erzeugte Dichotomie zwischen „dem“ Osten und „dem“ Westen heraus. Der Westen ist ein Stück, das durch genaue Recherche- und unterhaltsame Vermittlungsarbeit glänzt.

 

Clara Werdin: Thomas Köck – atlas 

Mein persönlicher Lieblingstext ist atlas von Thomas Köck. Das liegt vor allem an Köcks Schreibstil: viele Wiederholungen, Fragen ohne Fragezeichen, Sätze ohne Punkt und Komma, gelegentliche Zeilensprünge und absolut keine Großbuchstaben. Der Text wirkt auf mich an vielen Stellen wie Gedanken, in denen es nicht zwingend auf einen korrekten Satzbau ankommt. Dadurch wirkt der Text sehr echt und fast wie aus dem Leben gegriffen, aber gleichzeitig auch poetisch. Besonders gerne mag ich die Bildlichkeit bezüglich des Themas Zeit. 

 

Antonia Stiegemann: Thomas Köck – atlas

Mein Favorit ist atlas von Thomas Köck. Die bildreiche Sprache berührt. Das Thema fesselt. Auch nach dem Verlassen des Theaters begleitet das Stück noch lange meine Gedanken und ich fühle mich wie aus der Zeit „gefallen“.

 

Lena Weyers: Enis Maci – Mitwisser

Der Vorgang der Kommentierung des Weltgeschehens – bei Enis Maci durch das ‚Ökosystem der Mitwisser‘ abgebildet – bestimmt unser tägliches Leben: Enis Maci erzählt, was die Leute sagen. Für mich ein Stück, das sehr nah an der globalisierten Gesellschaft geschrieben ist, auch durch die Konzentration des Textes auf das Kommunikationsmedium Internet.

 

Emily Messing: Konstantin Küspert – Der Westen

Der Westen, weil es ein angenehmes Unterhaltungstheater mit sarkastischem Unterton ist, das gleichzeitig amüsant und politisch ist.

 

 

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