Preisträger 2014: Wolfram Höll
„Und dann“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträger 2007: Helgard Haug & Daniel Wetzel, Rimini Protokoll
„Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ - Düsseldorfer Schauspielhaus, Foto: Sebastian Hoppe
Preisträgerin 2008: Dea Loher
„Das letzte Feuer“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträgerin 2017: Anne Lepper
„Mädchen in Not“ - Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner
Preisträger 2012: Peter Handke
„Immer noch Sturm“ - Thalia Theater Hamburg/Salzburger Festspiele, Foto: Armin Smailovic
Preisträger 2005: Lukas Bärfuss
„Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2002: Elfriede Jelinek
„Macht Nichts“ - Schauspielhaus Zürich, Foto: Leonard Zubler
Preisträgerin 2013: Katja Brunner
„Von den Beinen zu kurz“ - Schauspiel Hannover, Foto: Katrin Ribbe
Preisträgerin 2011: Elfriede Jelinek
„Winterreise“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Julian Röder
Preisträger 2015: Ewald Palmetshofer
„die unverheiratete“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Georg Soulek
Preisträger 2016: Wolfram Höll
„Drei sind wir“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträgerin 2009: Elfriede Jelinek
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Arno Declair
Preisträger 2003: Fritz Kater
 „zeit zu lieben zeit zu sterben“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2010: Roland Schimmelpfennig
„Der goldene Drache“ - Burgtheater Wien, Foto: Reinhard Werner
Preisträger 2006: René Pollesch
„Cappuccetto Rosso“ - Volksbühne Berlin/Salzburger Festspiele, Foto: Thomas Aurin
Preisträger 2004: Elfriede Jelinek
 „Das Werk“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Christian Brachwitz
Speisekarte XIX

Satt?

Blog-Autor Cornelius Stiegemann lädt ein zu einem Digestif der besonderen Art.

Der piekfeinen Restaurants Wenigzahl
distinguiert sich durch Service ganz besonderer Natur
Sobald sich Essensberge nicht mehr türmen allzu sehr
auf des weißen Porzellanes Fläche
reißen hellbeschürzte Kellnertrupps
diese wieder an sich

Jedoch rühmt solch Gastronomie
der gestrengen Doktrine gewissen essbaren Minimalismus
sich mit Leib und Seel verschrieben zu haben
Was dem Gaste anderthalb Löffelchen
Lachsschaum an Pumpernickelkrümeln
beschert

Kaum hat sich satt gesehen
– denn von satt gegessen kann hier nicht die Rede sein –
der Hungrige wird fortgetragen die Speis
und die Leere auf des Tischtuchs Makellose
weicht erneut dem teuren China
kunstvoll gefüllt mit Fast-Nichts

Johannisbeeren, fünfeinhalb
gesellen dem Spinat-Blätterteigwünderlein sich zu
Ehrfürchtig zitternd senkt das Gäbelchen
der Gast, es birst das Geblätter
zu Teigstaub mikroskopischkleinem
.

Der Blick des Nachbartisches Gestühl Besitzende
streift: Verdorrte Finger krallen die Leere
Vergeblicher Versuch in Abendgarderobe
die Teller am Verlassen zu verhindern
Nährwert von Diamantketten
Verhungerte inmitten all des Essens

Dem Kellner des Espressos Kochendheiße
ins Gesicht – dem maliziöse grinsenden – schlagen
Fluchtartig die Flucht antreten aus bösem Essenstempel, dessen
Obers Schraubstockfinger greifen nach des Stürmenden Ober-
arm, doch Fuß tritt Fuß losreißen schneller
Anlauf Glastür Rauslauf Draußen Regnet‘s Nacht

Kein Blick zurück, stattdessen rechts und links
wohin wenden? Doch da des Neon kaltes Licht
bescheint der Straßenecke Bürgersteig
nie schien es wärmer Füße folgen Einladung der unausgesprochenen
Einmal Pommes Schranke und n Bier Bitte
Kommt sofort

Frittenbudenglückseligkeit.

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